Zuletzt zäher Polit-Austausch am Monitor

Kolpingsfamilie Eppertshausen holt Politiker aufs Online-Podium

So präsentierte sich die Diskussion der Politiker bei der Kolpingsfamilie den Zuschauern am Bildschirm.
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So präsentierte sich die Diskussion der Politiker bei der Kolpingsfamilie den Zuschauern am Bildschirm.

Vor Wahlen kann nicht einmal eine Pandemie die Kolpingsfamile abhalten, eine Diskussionsrunde mit lokalen Polit-Matadoren zu organisieren. Auch wenn vor dieser Kommunalwahl kein Podium aufgebaut werden konnte, so boten die Organisatoren CDU, SPD und FDP doch eine gut zweistündige Plattform, sich und ihre Politik darzustellen. Gegen Ende wurde es indes sehr zäh und viele der zur besten Zuschaltzeit immerhin gut 90 Zuschauer hatten sich da bereits wieder abgemeldet.

Eppertshausen – Erstmals hatte die Kolpingsfamilie zu einer virtuellen Politiker-Diskussion geladen. Kandidaten und Moderation schalteten sich online zusammen und die Runde wurde live per YouTube übertragen. Je zwei Kandidaten konnten die drei in Eppertshausen kandidierenden Parteien ins Rennen schicken. Für die CDU traten Ewald Gillner (Fraktionsvorsitzender, Listenplatz 7) und Ann-Kathrin-Brockmann (Listenplatz 3) an. Die Sozialdemokraten schalteten Günter Schmitt (Fraktionsvorsitzender, Listenplatz 1) und Kai Schmidt (Listenplatz 4) zu. Und für die neu antretende FDP nahmen Thorsten Weber (Listenplatz 1) und Aria Zahedi (Vorsitzender und Listenplatz 4) teil.

Jörn Müller, Moderator solcher Diskussionen bei Kolpings seit Jahren, und Valerie Kramer hatten im Vorfeld die Themen der Ortspolitik gesichtet, einige per E-Mail eingegangenen Fragen berücksichtigt und letztlich fünf Themenblöcke geschnürt.

Nach kurzer Vorstellung der Diskussionsteilnehmer bildete die Verschönerung von Hauptstraße und leer stehendem Fanz-Gruber-Platz den Anfangsblock. Alle wollen beider Zustand ändern. Gillner machte deutlich, dass die Hauptstraße Landesstraße sei und man dort nicht allzu viel bestellen könnte. Und was habe seine Partei schon alles unternommen: Fördergeldanträge seien aber immer wieder abgelehnt worden. Ann-Katrin Brockmann machte sich für einen Ideenwettbewerb für den Gruber-Platz stark. Günter Schmitt erinnert für die SPD daran, wie die CDU schon in der Schulstraße einen Antrag auf Straßenbegleitgrün abgelehnt habe. In der Hauptstraße müsse man die Anlieger in Veränderungen und Verschönerungen einbinden, ihnen Anreize zum Mitziehen schaffen. Auch gelte es, eine Gestaltungssatzung für Eppertshausen zu schaffen. Kai Schmidt ergänzte, für den Franz-Gruber-Platz sollte ein Runder Tisch eingerichtet werden.

Für die FDP signalisierte Zahedi, man gehe zur Hauptstraße konform mit der SPD was Anlieger und Anreize betreffe. Und der Ideenwettbewerbs zum Gruber-Platz sei eine alte FDP-Anregung.

Zu Kinderbetreuung, Angebote für Jugendliche und etwa ein Familienzentrum gab es nicht wirklich Neues von den Eppertshäuser Alt-Parteien, die Sprecher von CDU und SPD ergingen sich vielmehr in Erinnerungen an Geschaffenes und Absichtserklärungen. Vor allem dem Waldkindergarten widmete man sich. Er ist schneller zu realisieren als ein neuer Kindergarten, der laut Gillner frühesten in drei Jahren bezugsbereit sein könnte. Für die SPD brachte Schmidt die Installation eines Jugendparlaments ins Spiel. Alle Parteien litten unter Mangel an jungen Mitstreitern, man müsse sich Gedanken um die Demokratie machen. Für die FDP geißelte Zahedi, die Parteien der Vorredner hätten schlicht einiges verschlafen. Er lobte die Jugendparlaments-Idee.

„Wer Wohnungen in Eppertshausen sucht, wird bitter enttäuscht“, lautete Webers FDP-Statement zum Themenblock „wohnen und leben“. Vor allem junge Leute und Familien würden nicht fündig auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum. Hier müsse die Gemeinde Vorbild sein, Aufstockungen auf Wohnbauten einfacher zulassen, Anreize schaffen, Hindernisse beseitigen beim Beschaffen von Wohnraum.

Brockmann verwies auf 80 kommunale Wohnungen im kleinen Ort, man dürfe nicht noch stärker in den privaten Markt einwirken. Und Schmitt verdeutlichte für die SPD, Eppertshausen sei zu schnell gewachsen, da kämen nicht nur die Kindergartenplätze nicht mehr mit. Es gelte, Baulücken innerorts zu nutzen. Und ja, die Gemeinde sei auch am Zuge, etwa beim Objekt Hauptstraße 93, für das schon lange eine Entscheidung weiterer Verwendung ausstehe.

Waren hier schon Längen durch Monologe in der Diskussion spürbar, so sollte das Thema Mobilität nicht beschleunigend wirken. Es zog sich durch altbekannte Betrachtungen zu ÖPNV, Dreieichbahn und Digitalisierung. Alle waren für Verbesserungen, doch könne die Kommune ja nicht so richtig. Hier punktete die CDU mit dem Glasfasernetz, mit dem man jetzt gar dem Kreis bei den Schulen helfe.

Wobei sich alle Redner parteiübergreifend nach der Diskussion einig waren: Ein dickes Dankeschön gelte der Kolipingsfamilie für diesen Dienst an der Demokratie.

Ein Zusammenschnitt der Podiumsdiskussion soll auf dem YouTube-Kanal der Kolping Eppertshausen, verlinkt auf der Homepage, bis zum Wahlsonntag zu sehen sein. (Von Thomas Meier)

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