Stimmung mit großen Vögeln

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Straußenritt über die Bühne

Mühlheim - „Keine Namen!“ Die Bedingung von Daniel Tybussek für ein Bürgermeister-Kabarett beherzigt auch die Sonnau-Spitze. Das Schicksal der Turn- und Karnevalsgesellschaft, TKG, schwebt über der Fastnachtssitzung, die erstmals ohne die Vereinsgarden auskommen musste. Von Michael Prochnow

Der dunkle Zwirn Tybusseks und seines Amts-Vor-Vorgängers Karl-Christian Schelzke auf der Couch war da kein Ersatz. Aber ein ausbaufähiges Zukunftsmodell für die Karnevalisten, die in die familiäre Atmosphäre des Lokals „Rothe Warthe“ zurückgekehrt sind.

„Die Tanzmädels sind abgehauen“, bringt der „ahnungslose“ Amtsinhaber die Sorgen seines Parteifreundes und Sonnau-Vorsitzenden Schelzke auf den Punkt. „Die betreiben eben Hochleistungssport und fühlten sich in einem Fastnachtsverein nicht mehr gut aufgehoben“, hakt Schelzke die Sache ab. Immerhin verfüge der Verein nach wie vor über vielseitige Talente.

Beste Stimmung - auch ohne Tanzgarde

Andy Franz, zum Beispiel, der seinen Partner aus einer Kiste befreit. „Hol mich hier raus“, röchelt es aus dem Inneren, „ich bin ein Star!“ Konrad ist 84, stets gut gekleidet, trägt eine Halbglatze und die Andys Hand in seinem Inneren. Bauchrednerpuppe Konrad steht auf die Ramona im Dschungelcamp und produziert als „Selbstversorger“ sein eigenes „Biogas“. Viel „heiße Luft“ lässt auch das Gespann Meike Kuckenburg und Jens Niklaus ab, wettert als giftiges Ehepaar „Agatha und Egon“ mit gut gezielten Sticheleien gegeneinander.

Das kann auch Sonnau-Vorstand Frieder Gruber: „Der Mann ist ein armes Schwein“, jammert er, „viel zu bescheiden und zu gut für die Welt“. Vereinzelte Bravo-Rufe von Tisch Eins bekräftigten den „geplagten Ehemann“.

Mehr Bilder von der Sonnau-Sitzung

Bürgermeister-Kabarett bei Sonnau-Sitzung in Mühlheim

Von unterdrückten Männern wissen auch die Rentner Karl und Dieter zu berichten, hinter deren Clowns-Kostümen sich Karl Feeser und Programmdirektor Hans-Dieter Seydel versteckten. Mit allerlei Lästereien ziehen sie über sich und ihre Ehefrauen her. Eine gute Figur geben auch die beiden „Strauße“ ab: Josef Zöller und Manfred Skrypzak als „Reiter“ der großen Vögel im Takt alpiner Folklore.

Nach wie vor glänzt die Sonnau mit Gesangstalenten. Dazu zählen auch der neue Moderator Harry Bauer und die Gruppe „Country Bell“ mit Sängerin Manuela Bello. Sie singt von der „Night Like This“, während die Altstadt-Sänger nach der Pause Appetit auf „Pellkartoffel mit Dubb Dubb, Erbsesupp" und Worscht, Pommes mit Ketchup“ verbreiten.

Das volkstümliche Sextett unter Leitung von Peter Schelega steigert die Stimmung im Saal weiter. Blumentöpfe halten sie ihm entgegen, hauchen mit ihm Schlager ins Mikrofon. Andy Sommer, 46. Ritter der Sonnau, ist ein weiterer Glücksfall für die TKG. Der Schlagersänger bringt die Menschen im sehr gut gefüllten Saal noch einmal richtig in Fahrt.

Rentner-Treff in Tschibo-Filiale

Die zwei Bürgermeister werden ihren Lied-Anteil vermutlich nicht ausbauen, aber „Sankt Dietesheim bei Nacht“ klingt schon ganz gut - als Hommage an die Biogas-Halle als weiteres Komödien-Theater, oder als Sitzungssaal oder Hausbrauerei. In Mühlheim gebe es schließlich „eine Menge Dar- und Selbstdarsteller“, sagt Schelzke grinsend, „die meisten sitzen im Stadtparlament“. Auch wenn man im Internet anonym angegriffen werde, „manchmal vermisse ich das Bürgermeister-Sein doch sehr“.

Für die Tchibo-Filiale in der Bahnhofstraße, die bald schließe, solle ein „städtischer Rentnertreff“ eingerichtet werden. Das Publikum in den „besten Jahren“ nimmt die Vorschläge mit Gelächter und Beifall auf und stimmt dem Duo zu, „nichts ist so ernst wie die Fastnacht.“

Und für die nächste Kampagne soll’s am 11. November dieses Jahres wieder einen neuen Ritter und einen Ehrensenator geben, versprechen die Sonnau-Vorsitzenden Karl-Christian Schelzke, Hans-Dieter Seydel und Gerd Noll.

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