Eine mit Fastnacht im Blut

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TKG-Vorsitzender Karl-Christian Schnelzke mit den Würden- beziehungsweise Bürdenträgern: Ritterin Anne-Marie Schwemmler und Edler Peter Hoffmann.

Mühlheim - Mit „Heile, heile Gänsje“ und „Baaarbaraaaa“ verwandelten die Troubadoure Andi Sommer und Harry Bauer das Foyer der Willy-Brandt-Halle in eine Narren-Hochburg.

Feiner Zwirn und Kappe waren angesagt, die Tanz- und Karnevalsgesellschaft (TKG) Sonnau hatte zur Vorstellung ihrer Repräsentanten gebeten. Die junge Ritterin aus seinem Nachbarbüro musste Vorsitzender Karl-Christian Schelzke allerdings erst auslösen. Ausgerechnet bei den Dietesheimer Kappenträgern. „Wem ist die Anna?“, brüllten die rot-weiß Behüteten nach Kerb-Manier und im Schlepptau von Guru Wolfgang Kramwinkel in die Runde. „Uuunseeer!“, hallte es lautstark zurück. Damit strapazierten sie das Nervenkostüm Schelzkes in bedenklichem Ausmaß, nur ungern lässt der Frontmann sich ins Handwerk pfuschen. Und er war noch nicht fertig mit der Vorstellung der neuen Regentin.

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„Erstmal seh’n, was Dietesheim hat“, warb er noch zuvor versöhnlich, stammt doch auch der neue Stadt-Prinz der Katholischen Karnevalisten aus dem Osten der Mühlenstadt. Und wer könnte ein würdigerer Nachfolgerin für Ritter Stephan Mündelein sein – „eigentlich nur eine Frau“. Anne-Marie Schwemmler sitzt nur wenige Zimmer vom Vorsitzenden des Hessischen Städte- und Gemeindebunds entfernt. „Warum nicht!“, sagte sie bei Schelzkes Vorsprechen zu. Die Erwählte habe Fastnacht im Blut, sei sie doch mitten in der Kampagne geboren – allerdings in Offenbach. Papa Robert erblickte gar am 11.11. das Licht der Welt, die Mutter stand schon als Kirchenmaus in der Bütt’.

Im Jugendorchester des Kreises habe Anne-Marie die Geige gespielt, in Pfarrgemeinderat und KJG sei sie aktiv. In der Roten Warte trat sie ihre Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation an, studiere nun noch Wirtschaftsrecht. Ihre Rolle beim HSGB verglich ihr Chef mit Zerberus, dem Hund, der in der griechischen Mythologie den Eingang zur Unterwelt bewacht, sei Anne-Marie doch die Vorzimmerdame seines Stellvertreters. „Ich bin halbe Mühlheimerin, obwohl ich lieber Dietesheimerin bin“, sagte sie. „Ohne Ausleihgebühr läuft da gar nix!“, erpresste Kramwinkel den Karnevals-Kollegen. Schelzke durfte zwischen drei Umschlägen wählen. 50 Liter Bier für die Kolpingfastnacht bereitstellen? 50 Flaschen Sekt? Oder 50 Kilo Kamelle für den Kappen-Wagen der Basaltköpp’? Es waren die Bonbons, auf die der Bedrängte setzte. Immerhin, „eine Wertschätzung für unsere Ritterin“, rettete sich Schelzke.

Benefizgala der TKG Sonnau (2011)

Benefizgala der TKG Sonnau

Ihr Begleiter war vor zwei Jahren noch Senator. Wegen eines Todesfalls in der Familie konnte er sein Amt jedoch nicht wahrnehmen, jetzt geht’s: Der erste Edle in der Sonnau-Geschichte ist der „schwarze Mann von Müllems Dächern“, Peter Hoffmann, Schornsteinfeger aus Hausen. Senatoren gab’s zu Ritter-Zeiten nicht, begründete der TKG-Vorsitzende den Wechsel der Bezeichnung. Zuvor wurden Ritter Stephan Mündelein und Senatorin Ursel Buschhaus verabschiedet.

(M.)

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