„Wir werden gesehen und gehört“

200. Montagsdemo am Frankfurter Flughafen

Frankfurt - Gestern Abend, Flughafen Frankfurt: Zum 200. Mal erfüllen Sprechchöre und Tröten montags das Terminal 1, bringen den Krach vom Himmel zurück an seinen Ursprungsort. Was hat der Protest bewirkt – oder war alles umsonst? Wir fragen Aktivisten und Politiker. Von Markus Terharn

„Auf jeden Fall hat es etwas gebracht“, ist Rudolf W. Fritz, fluglärmgeplagter Offenbacher, überzeugt. „Ohne die Demos hätte es nie ein Nachtflugverbot gegeben: Dann hätten wir nicht mal sechs Stunden Nachtruhe!“ Ständiges Flaggezeigen mache den Verantwortlichen deutlich: „Wir bleiben dran.“ So verfolge man den geplanten Bau eines dritten Terminals ganz genau, ebenso die Zahl der Flugbewegungen. Offene Wünsche hat Fritz, nach eigener Schätzung Teilnehmer an mindestens 150 Montagsdemos, dennoch. Der eine betrifft den von Fliegern verursachten Feinstaub. „Den können wir zwar messen, aber derzeit würde ihn kein Richter als Ursache bestimmter Krankheitsbilder anerkennen.“ An Messstationen der Bürgerinitiativen werde außerdem der Schallpegel erfasst. Der zweite Punkt: „Wir kämpfen nach wie vor für ein Flugverbot zwischen 22 und 6 Uhr.“

Das Engagement der Fluglärmgegner würdigt auch die Landtagsfraktion der Grünen. Ihre „vehemente Präsenz ist eine wichtige Unterstützung für alle, die daran arbeiten, den Fluglärm zu reduzieren“, sagt der flughafenpolitische Sprecher Frank Kaufmann, der im Aufsichtsrat des Flughafenbetreibers Fraport sitzt. „Sie sorgt dafür, dass diese Problematik auf der Agenda der Politik bleibt.“ Deshalb gebe es die Allianz für Lärmschutz und zahlreiche Initiativen zur Lärmreduzierung, von Lärmpausen über die Anhebung der Entgelte für laute Maschinen, höhere Anflüge und steilere Gleitwinkel bis hin zur Lärmobergrenze.

Seinem Parteifreund, Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Offenbach), bescheinigt Kaufmann einen „fairen Ausgleich“ zwischen den Interessen der Luftverkehrswirtschaft und denen der Anwohner. Engagierte Menschen aus der Region seien „wegen ihres großen Wissens wichtige Experten im Kampf gegen Fluglärm“, lobt der Grüne.

Solch ein Mensch ist Ingrid Wagner, Vorsitzende der Bürgerinitiative Luftverkehr (BIL) Offenbach und Mitorganisatorin der ersten 150 Kundgebungen. Die 200. ist für sie nicht anders als die vorigen, „bloß weil sich viele Politiker angesagt haben“. Sie hätte nicht gedacht, dass die Mitglieder der mehr als 80 Initiativen „so durchhaltestark sein würden“, räumt Wagner ein. Auch sie glaubt an einen Effekt: „Die Airport-Mitarbeiter sind immer sehr höflich – aber den Fraport-Chef Stefan Schulte stört es sehr, und sein Vorgänger Wilhelm Bender hat mächtig geschimpft.“ Ihr Credo: „Wir sind der Stachel, werden gesehen und gehört. So sind die Manager immer wieder gezwungen, Verbesserungen vorzunehmen.“

100. Montags-Demo im Flughafen

Solche benennt Paul-Gerhard Weiß, für den Flughafen zuständiger Dezernent der Stadt Offenbach und Teilnehmer der gestrigen Demo: „Die Initiativen halten das Thema gut am Köcheln, und in den entsprechenden Gremien arbeiten wir an einer Reduzierung des Fluglärms.“ Die erfordere indes „das Bohren dicker Bretter“, gibt der FDP-Stadtrat zu: „Es braucht lange Zeiträume und ergibt nie den richtig großen Wurf, sondern kleinere Maßnahmen, die oft wenig bringen.“ Als Erfolge zählt er auf: Verringerung des Pfeiftons beim Airbus 320 der Lufthansa-Flotte oder Anhebung des Anflugwinkels von 3,0 auf 3,2 Grad. „Die Stadt hat 3,5 Grad gefordert, das hätte 60 Meter mehr Höhe gebracht“, schränkt Weiß ein. Probeflüge hätten bereits fast 4,5 Grad erreicht, „das würde uns 200 Meter verschaffen“.

Dass Fraport verstärkt auf Billigflieger setzt und den Hahn-Flughafen ins Abseits rückt, hält Weiß für einen Fehler. Ebenso wie Aktivist Hans Schinke aus Offenbach. Der bedauert zwar, dass die Zahl der Demonstranten auf zirka 300 im Schnitt zurückgegangen sei, betont aber: „Wir halten die Glut am Glühen – falls die Flamme wieder entzündet werden muss!“

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