Chor und Orchester als Ensemble

Adventliche Stimmung mit Bach-Kantaten in der Alten Oper

Frankfurt - Mit den Kantaten, die Johann Sebastian Bach für Gottesdienste im Advent komponierte, würden sich mühelos mehrere Konzertprogramme füllen lassen. Die Wahl der Gaechinger Cantorey und ihres Leiters Hans-Christoph Rademann in der Alten Oper fiel zunächst auf eine Kantate, die der spätere Leipziger Thomaskantor 1714, also während seiner Weimarer Zeit, schuf. Von Axel Zibulski

„Nun komm der Heiden Heiland“ BWV 61 nimmt, wie die zehn Jahre später in Leipzig entstandene Kantate BWV 62, den gleichnamigen Lutherchoral zum Ausgangspunkt.

Die reizvolle Idee, dass sich Chor und Orchester in der Alten Oper als ein Ensemble begreifen, ließ sich schon in der eröffnenden Kantate als sinnvoll wahrnehmen: Wie sich im Eröffnungs-Choral die forschen, fast nadelstichartig vordrängenden Streicher in den Vordergrund stellten, um dem Chor ein Portal zu errichten und ihn dann nach vorne drängen zu lassen, zeigte eine Feinabstimmung, wie sie mit einer klassischen Begleiterrolle des Orchesters nicht zu erzielen wäre.

Mit heller Lebendigkeit interpretierte die auf den barocken Originalklang ausgerichtete Cantorey ihr Bach-Repertoire. Für die transparenten, trotz des vokalen Spaltklangs sich organisch fügenden Chorstimmen galt das ebenso wie für die Barockinstrumentalisten: Im Brandenburgischen Konzert Nr. 1 F-Dur BWV 1046, das den zweiten Programmteil eröffnete, glänzten sie ausnahmslos, die da zugleich die Leitung übernehmende Konzertmeisterin Nadja Zwiener auf der Piccolo-Violine, aber auch das exzellente Duo der Naturhornisten.

Zum Gelingen der vokalen Programmteile, zu denen noch die 1731 komponierte Adventskantate „Schwingt freudig euch empor“ BWV 36 gehörte, trug wesentlich das stilsicher singende Solistenquartett bei, allen voran der bis zu den Koloraturen und Kehlkopftrillern immens sicher intonierende Tenor von Benjamin Bruns mit seinen lockeren Evangelisten-Höhen.

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Mit klarer Linienführung bei zugleich romantischer Stimmfülle ließ Bassist Andreas Wolf aufhorchen; die Sopran-Arien lagen bei der kurzfristig eingesprungenen Münchnerin Christina Landshammer in besten Händen – als leiser und beredter Höhepunkt gelang ihr Duett mit dem Violoncello in der Arie „Öffne dich, mein ganzes Herze“ aus BWV 61. Eingesprungen war auch die Altistin Henriette Gödde, die im Rezitativ „Krippen“ auf „erfreute Lippen“ reimte und die Vorweihnachtsfreude noch einmal erhöhte.

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