Artistenkunst in der Jahrhunderthalle

„Afrika! Afrika“: Herrscher über den Rhythmus

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Schminke, Tücher, Elefantenfiguren: Die von Regisseur Georges Momboye aufgepeppte Neuauflage von „Afrika! Afrika!“ schaut schön bunt aus.

Frankfurt/Berlin -  Eigentlich erzählt die Show „Afrika! Afrika!“ eine Lüge. Auf dem Kontinent gibt es nämlich gar keine Zirkustradition. Wenn Unwahrheit aber so spektakulär inszeniert ist, macht dieses Geflunker gar nichts. Ab Mitte Mai gastieren die Artisten in der Jahrhunderthalle Frankfurt. Von Thomas Ungeheuer 

Es ist ja nicht so, als hätte Artistik in Afrika gar keinen Platz. Auf dem zweitgrößten Kontinent der Welt tummeln sich Gaukler und Tänzer aber nicht in stickigen Zelten, sondern auf luftigen Straßen und Marktplätzen. Davon hat sich André Heller inspirieren lassen und eine Zirkusshow kreiert. Bereits 2005 feierte „Afrika! Afrika“ Weltpremiere. Das Zelt von damals gibt es nicht mehr, die Show ist in Arenen gezogen. Heller ist nicht mehr künstlerischer Leiter, sondern Georges Momboye, bislang Choreograf des Spektakels. Als neuer Chef zeigt er einen erfrischend modernen Stil. Unter der Regie des 49-Jährigen verausgaben sich 70 Künstler und Künstlerinnen aus zehn Ländern.

Während der Neuauflagen-Premiere in Berlin zeigt sich schnell, dass es stimmt, was Heller über afrikanische Artistenkunst gesagt hat: „Sie ist immer tanzbetont. Alle Bewegungen, jede Geste ist verschmolzen mit Musik, Rhythmus und Gesang.“ Die kurzweilige Kunst auf der Bühne wird von einer Live-Band begleitet. Die zehn Instrumentalisten, Sänger und Sängerin spielen dabei praktisch akustische Reiseleiter quer durch den Reichtum afrikanischer Musik.

Der reicht von Jazz, Reggae, Pop bis zu Rock. Untertaktet von virtuosen Klängen gibt’s viel Bestaunenswertes. Etwa traditionellen Tanoura-Tanz aus Ägypten, westafrikanische Tänze von der Elfenbeinküste oder südafrikanischen Gumboot-Dance (etwa „Gummistiefeltanz“).

Allerdings: Neben all der Musik ist und bleibt die Artistik bei „Afrika! Afrika!“ der wahre Star. Da baut ein drahtiger Typ einen Turm aus acht Stühlen, auf dem er sich schwindelerregend verrenkt. Oder die Truppe verknotet sich zu einer waghalsigen Menschenpyramide. Nicht minder spektakulär ist es, wenn sich sieben Afrikaner gegenseitig mit dem sogenannten Koreanischen Schleuderbrett durch die Luft katapultieren.

„Rock Meets Classic“ in der Jahrhunderthalle

Das sieht extrem gefährlich aus, und das ist es auch. Als Regisseur, erklärt Georges Momboye, müsse er die Künstler regelrecht zurückpfeifen: „Ich muss ihnen stets sagen, dass sie sich und ihr Leben schützen sollen. Ich hoffe, dass für sie mit ,Afrika! Afrika!’ eine große Karriere beginnt. Wir wollen eine großartige Show machen.“

Tatsächlich kommt „Afrika! Afrika!“ ohne gigantische technische Maschinerie aus. Auf einer LED-Leinwand flimmern zwar ganz verschiedene, farbenfrohe Bilder. Aber sie hintermalen lediglich das, was Momboye mit viel Sinn für reizvolle Spannung inszeniert. In der Tat überflügelt er mit seiner neuen Version von „Afrika! Afrika!“ nicht immer, aber eben doch manchmal das viel gepriesene Genie André Heller.

Schließlich beweist die Präsentation des Künstlers Andreis Jacobs, dass nicht nur Temporeiches, Waghalsiges und Temperamentvolles faszinieren kann, sondern auch Meditatives. Langsam schichtet er eine große Zahl von Palmzweigen aufeinander. Jacobs hält sie in einer Hand, und zwar so, dass mit der Zeit ein skulpturales Mobile entsteht. Äußerst fragil ist die Ansammlung meterlanger Zweige. Und wunderschön, wenn sie sich beim kleinsten Luftzug sanft hin- und herwiegen.

„Afrika! Afrika“ vom 17. bis 20. Mai in der Jahrhunderthalle Frankfurt

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