Unterwegs zu neuen Ufern

Alte Oper stellt Programm für 2016/17 vor

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Der syrische Musiker Fawaz Baker leitete vor seiner Flucht nach Paris das Konservatorium in Aleppo.

Frankfurt - Fast eine halbe Million Besucher, ein Etat von 18 Millionen Euro und ein riesiges Einzugsgebiet: Die Frankfurter Alte Oper ist ein Schwergewicht unter den deutschen Konzerthäusern. Von Carsten Müller 

Damit das weiterhin so bleibt, haben Intendant Stephan Pauly und sein Team ein attraktives Programm für die kommende Saison 2016/17 zusammengestellt, das Hochkaräter aus Klassik und Entertainment versammelt und Neues wagt. Überraschungen gibt es auch in etablierten Reihen wie dem mehrwöchigen „Musikfest“, das sich zu Spielzeitbeginn spartenübergreifend mit Claude Debussys „Prélude à l’apres-midi d’un faune“ auseinandersetzt, oder den „Focus“-Schwerpunkten, die den Alte-Musik-Experten Jordi Savall sowie die mit enormer Repertoire-Bandbreite aufwartende Sopranistin Anna Prohaska vorstellt und thematisch die Zeit zwischen den Weltkriegen in den Blickpunkt rückt. Beim „Focus“ auf die 1920er Jahre kommt Musik aus Berlin, Paris und New York ebenso zur Geltung, wie damalige Stummfilmkunst, etwa in der vom Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin begleiteten Vorführung der restaurierten Fassung von Friedrich-Wilhelm Murnaus „Der müde Tod“.

Debussys Werk, das als ein Türöffner zur musikalischen Moderne gilt, reflektieren Performances, Lesungen und verschiedene Konzertformate. Beteiligt sind neben dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester und London Philharmonic unter anderem der Künstler Florian Hecker, der eine Soundinstallation einrichten wird. David Walter-Krebs bringt in seiner Choreografie „Balthazar“ gar Tänzer und einen lebendigen Esel auf die Bühne des Frankfurt LAB. Debussys Berührungspunkte zum Jazz loten der Pianist Michael Wollny und das Norwegian Wind Ensemble aus.

Darüber hinaus geben sich in der kommenden Saison namhafte Dirigenten und Orchester ein Stelldichein: So ist der künftige Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, Kirill Petrenko, zu erleben, Valery Gergiev mit den Münchner Philharmonikern, Herbert Blomstedt mit dem Gewandhausorchester, Ricardo Muti mit Chicago Symphony, sowie Fabio Luisi und Philharmonia Zürich. Klavierabende geben unter anderem Daniil Trifonow, Mitsuko Uchida und Maurizio Pollini.

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Festliche Stimmung verspricht das Weihnachts-Musical „Ich war noch niemals in New York“ mit Musik von Udo Jürgens. George Gershwins „Porgy and Bess“ ist ebenfalls ensuite zu erleben. Bei den JazzNights gastieren unter anderem Al Jarreau und Branford Marsalis. Und die neue Reihe „Jazz im Mozartsaal“ erinnert mit Solisten und Formationen aus Norwegen an Frankfurts Geschichte als ehemalige Jazzhauptstadt Deutschlands.

Begegnungen mit den Kulturen der nach Europa Geflüchteten ermöglicht die ebenfalls neu aufgelegte Reihe „Weltmusik im Mozartsaal“, in der das afghanische Ensemble Safar zum Hindukusch entführt, das Ensemble Fawaz Baker einen „Hauch des geliebten Syrien“ verbreitet und Mónika Lakatos und das Ensemble Romengo „Musiken gegen die Heimatlosigkeit“ spielen.

Der künstlerische Beitrag zur Flüchtlingsdebatte beruht laut Pauly auf guten Erfahrungen mit Weltmusik in der vergangenen Saison. Für ihn geht es aber auch um Offenheit: „Wir sind ein Haus für alle.“ Und das schließt die Jüngsten ein, wie das erfolgreiche Musikvermittlungsprojekt „Pegasus“ bestätigt.

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