Gründerzeitquartiere als Vorbild

Architekt Karl Richter legt alternativen Vorschlag für neuen Stadtteil vor

+
Bei seinem Gegenentwurf zum geplanten neuen Stadtteil hat sich der Frankfurter Architekt Karl Richter die Blockrandbebauung der Gründerzeitquartiere zum Vorbild genommen.

Frankfurt - „Ich bin der Meinung, dass der geplante Stadtteil lagebedingt ein wenig attraktives Suburbia wird“, sagt der Frankfurter Architekt Karl Richter im Gespräch mit unserer Zeitung. Von Sebastian Schilling

„Da wird allen politischen Beteuerungen zum Trotz nur hinziehen, wer sich nichts anderes leisten kann. Wer will schon neben einem Lärmschutzwall weit vor der Stadt wohnen?“

Doch Richter kritisiert nicht nur die Pläne der Stadt, im Nordwesten beidseitig der A5 einen neuen Stadtteil entstehen zu lassen. Der Architekt hat auch einen Gegenentwurf vorgelegt. Richter schlägt vor, rund um den Rebstockpark ein neues Quartier entstehen zu lassen. Das läge zwar auch zwischen zwei Autobahnen, würde aber eben nicht von einer durchzogen. Die Fläche wäre mit etwa 80 Hektar weniger als halb so groß wie die im Nordwesten angestrebten 190 Hektar. Dennoch, so Richter, würde dank einer fünfgeschossigen Blockrandbebauung genügend Wohnraum für bis zu 30.000 Menschen entstehen.

Lesen Sie dazu auch:

Zum geplanten Stadtviertel an der A5 regt sich Widerstand

Stadtplaner werben mit bezahlbarem Wohnraum

Die dichtere Bebauung sieht Richter freilich als Vorteil: „Das hat eine größere Varianz der Nutzung in den Erdgeschossen zur Folge, wie man das aus den Gründerzeitquartieren kennt.“ Wo mehr Menschen wohnen, das meint Richter damit, werden mehr Bäcker und Metzger, mehr Kleingewerbe und Gastronomie gebraucht. Das trage zu mehr Lebendigkeit und damit zu einer höheren Attraktivität des Quartiers bei.

Auf der 190 Hektar großen Fläche beidseitig der A5 befürchtet Richter hingegen eine weniger dichte Bebauung, etwa mit dreigeschossigen Stadtvillen – die klassische Vorstadt. „Den gleichen Fehler hat man am Riedberg gemacht, nur eben ohne Autobahn“, so Richter. Doch sein Entwurf von der „Parkstadt Rebstock“ soll auch in finanzieller Hinsicht Vorteile bieten. Durch die dichtere Bebauung seien die Erschließungskosten nur ein Drittel so hoch. „Es ist ein Unterschied, ob an 100 Metern Straße 50 oder 150 Menschen wohnen.“

Stadtmodell aus Mausefalle und Klobürsten: Bilder

Am meisten aber liegt dem Architekten die Wohnqualität am Herzen. Richter selbst wohnt im gründerzeitlichen – und hochverdichteten –Frankfurter Nordend. „Ich habe mal zu jeder Jahreszeit ein Foto aus dem Fenster geschossen. Wenn ich die Bilder auf Konferenzen zeige, sagt jeder: So will ich wohnen.“

Für die Bedenken gegen seinen Entwurf hat Richter nur wenig Verständnis. Die Kleingartenanlage müsste verschwinden, aber dafür ließe sich ein alternativer Standort finden. Und dafür, dass für die „Parkstadt Rebstock“ ein Teil des Frankfurter Grüngürtels aufgegeben werden müsste, sieht sein Entwurf das Pflanzen von rund 4500 Bäumen vor.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.