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AWO-Affäre: Es geht um Luxushotels, Strafanzeigen und teure Dienstwagen

Berichte über Abstiege von Awo-Funktionären im Luxushotel Adlon in Berlin waren nur ein Teil der Vorwürfe.
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Berichte über Abstiege von Awo-Funktionären im Luxushotel Adlon in Berlin waren nur ein Teil der Vorwürfe.

Was über die AWO-Affäre bekannt ist, was noch zu klären ist und was das Adlon in Berlin damit zu tun hat.

Welchem Verdacht gehen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt nach?

Sie richten sich gegen führende Funktionäre der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (AWO). Gegen sie besteht der Verdacht auf Betrug und Untreue. Konkret geht es um Zuschüsse der Stadt Frankfurt für die Betreuung geflüchteter Menschen, um die Versorgung mit Essen und um Sportunterricht. 

Dieses Geld soll nicht beziehungsweise nicht in vollem Umfang für diese Zwecke ausgegeben worden sein. Unklar ist bisher, welche Ermittlungsschritte die Staatsanwaltschaft tatsächlich unternommen hat, ob es Durchsuchungen, Beschlagnahmungen oder Vernehmungen gab. Die Staatsanwaltschaft äußert sich dazu nicht.

Es gab eine anonyme Strafanzeige mit konkreten Anschuldigungen, zu der die Anwälte der AWO der Staatsanwaltschaft gegenüber ausführlich Stellung bezogen haben.

AWO-Affäre in Frankfurt: Berichte über hohe Gehälter bisher nur zum Teil bestätigt

Welche Vorwürfe gibt es wegen der Ausstattung und Bezahlung führender AWO-Funktionäre?

Die AWO Frankfurt hat zugegeben, dass es bisher bis zu 80 000 Euro teure Dienstwagen für Funktionärinnen und Funktionäre an der Spitze des Kreisverbandes gab. Die Dienstwagenrichtlinie wird jetzt geändert. Die Fahrzeuge sollen künftig wesentlich kleiner und ökologischer sein. Berichte über hohe Gehälter wurden bisher nur zum Teil bestätigt. 

Ein Beispiel: Die AWO Wiesbaden* dementierte auf einer Pressekonferenz, dass die langjährige Geschäftsführerin Hannelore Richter ein Arbeitgeberbrutto von 344 000 Euro im Jahr bezogen habe und Geschäftsführer Murat Burcu 256 000 Euro beziehe. Beide Gehälter seien niedriger. 

Burcu beziffert sein Bruttogehalt auf 12 500 Euro monatlich, zuzüglich habe er zwei Jahre lang ein Beraterhonorar von 6000 Euro monatlich erhalten. Ungeklärt ist zum Beispiel noch der Vorwurf, Richter habe 2014 dem Kreisverband Frankfurt zusätzlich 141 000 Euro in Rechnung gestellt.

Frankfurt AWO-Affäre: Adlon Übernachtung und Überwachung der Mitarbeiter

Was weiß man über teure Reisen auf AWO-Kosten?

Es gab Berichte von Luxusreisen Frankfurter AWO-Funktionäre nach Israel und nach Berlin, wo sie im Hotel Adlon, dem besten Hotel am Platze, abgestiegen seien. Zu der Übernachtung im Adlon im Jahr 2015 erklärte der mittlerweile zurückgetretene AWO-Vorstandsvorsitzende Jürgen Richter, es seien damals keine anderen Hotelzimmer verfügbar gewesen. Die Funktionäre hätten mittlerweile Geld zurückgezahlt.

Wie ist die interne Atmosphäre bei der AWO?

Nach einem Bericht des Hessischen Rundfunks wurden missliebige Mitarbeiter durch eine private Detektei überwacht. Die FAZ veröffentlichte ein Interview mit zwei ehemaligen AWO-Mitarbeiterinnen, die über ein „autoritäres System“ mit „Verhören und Schikanen“ berichteten. Der zurückgetretene AWO-Chef Jürgen Richter bestreitet Mobbing (siehe nebenstehenden Bericht).

Frankfurt: Sind weitere Gesellschaften in AWO-Affäre verwickelt?

Welche weiteren Gesellschaften sind in die Affäre verwickelt?

Noch am Anfang stehen die Recherchen über bisher unbekannte Gesellschaften, die mit der AWO verbunden sind. So gab der Wiesbadener AWO-Geschäftsführer Murat Burcu auf Fragen der FR zu, Geschäftsführer einer Consowell GmbH zu sein. Er habe das Unternehmen 2015 mit anderen AWO-Funktionären gegründet, um Dritten Dienstleistungen als Berater anzubieten. Burcu beteuerte, es habe aber „keine Geschäftstätigkeit“ gegeben.

Zusammengestellt von Claus-Jürgen Göpfert

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks

Erstmals nimmt ein führender Politiker der SPD in Hessen zum AWO-Skandal in Frankfurt Stellung. Im FR-Interview erklärt Generalsekretär Christoph Degen, welche Konsequenzen notwendig wären und was er von den Vorwürfen der CDU hält.

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