Bauarbeiten im S-Bahn-Tunnel in Frankfurt

Am Kaiserlei ist Schluss: Pendler müssen umsteigen

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Vorbereitende Maßnahmen haben Arbeiter bereits Anfang Juli durchgeführt. Ab morgen wird es ernst, dann bleibt der S-Bahn-Tunnel einen Monat lang gesperrt.

Frankfurt/Offenbach - Ein wenig umständlicher wird die Fahrt zur Arbeit nach Frankfurt schon - aber trotzdem sollen alle RMV-Kunden auch während der Sperrung des S-Bahntunnels im Herzen der Mainmetropole ihr Ziel mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen.

Mit der S-Bahn direkt in die Frankfurter City - auf diesen bequemen und schnellen Weg zur Arbeit müssen Pendler in den Ferien verzichten. Wegen der Erneuerung des veralteten Stellwerks wird der S-Bahntunnel unter der Innenstadt vom morgigen 25. Juli bis zum 25. August komplett gesperrt. Täglich müssen rund 100.000 Reisende und Pendler in dieser Zeit umsteigen, wenn sie ins Stadtzentrum wollen. Grund für die Komplettsperrung ist der Ersatz des 1978 in Betrieb genommenen Stellwerks. Für den Neubau der Anlage gibt die Deutsche Bahn rund 95 Millionen Euro aus. Für die alte Technik seien kaum noch Ersatzteile zu bekommen, außerdem sei sie nicht erweiterbar. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) erwartet von dem neuen Stellwerk eine Verbesserung für die Fahrgäste: „Wir versprechen uns davon, dass wir pünktlicher, sicherer und zuverlässiger fahren können“, sagte RMV-Chef Knut Ringat kürzlich.

Welche S-Bahnlinien sind betroffen? 

Acht der neun S-Bahnlinien. Nur die S7 von Riedstadt-Goddelau zum Frankfurter Hauptbahnhof fährt ohne Änderungen. Alle anderen Linien durchqueren normalerweise die Innenstadt und sind deshalb unterbrochen - etwa die S1 von Wiesbaden nach Ober-Roden oder die S5 von Friedrichsdorf nach Frankfurt-Süd. Die Frankfurter S-Bahnstationen Taunusanlage, Hauptwache, Konstablerwache, Ostendstraße und Lokalbahnhof sind mit der S-Bahn nicht erreichbar.

Wo enden die S-Bahnen während der Sperrung? 

Die S-Bahnen enden an Haupt-, Süd- oder Ostbahnhof. Einige fahren nur bis Frankfurt-Rödelheim oder Frankfurt-Galluswarte bzw. Offenbach-Kaiserlei oder Frankfurt-Mühlberg.

Was bedeutet das für Fahrgäste aus Offenbach? 

Für Fahrgäste aus Offenbach wird dem RMV zufolge ein Ersatzkonzept umgesetzt. Sogenannte Reisenden-Lenker informieren die Fahrgäste an den Offenbacher Stationen Ostbahnhof, Kaiserlei und Hauptbahnhof. Vier Säulen hat das Ersatzkonzept für Offenbach und Region:

  • 1. Die S-Bahnlinie S1 fährt halbstündlich auf dem Abschnitt Frankfurt-Hauptbahnhof - Rödermark-Ober-Roden und wird zwischen Frankfurt-Hauptbahnhof und Offenbach-Ost über Frankfurt-Süd umgeleitet. In Fahrtrichtung Ober-Roden halten diese S-Bahnen zusätzlich in Offenbach-Hauptbahnhof. Die S-Bahnlinie S2 verkehrt halbstündlich zwischen Dietzenbach und Offenbach-Kaiserlei (25. Juli bis 7. August) bzw. Dietzenbach und Frankfurt-Mühlberg (8. bis 25. August). Am Kaiserlei (Westseite) besteht Busanschluss nach Frankfurt-Ostbahnhof und -Zoo. Zusätzlich fährt die S2 montags bis freitags von 6 Uhr bis 9 Uhr sowie 16 Uhr bis 19 Uhr zwischen Dietzenbach und Offenbach-Hauptbahnhof. Die S-Bahnlinie S9 fährt von Hanau kommend bis Offenbach-Kaiserlei und ab dem 8. August ebenfalls weiter bis Frankfurt-Mühlberg.
  • 2. Der übliche Regionalverkehr ist von den Bauarbeiten nicht betroffen. Dies gilt als weitere Säule des Konzeptes
  • 3. Der Fernverkehr der Deutschen Bahn (DB) kann mit RMV-Fahrkarten zwischen Frankfurt und Hanau genutzt werden. Umgekehrt gelten DB-Fahrkarten des Nahverkehrs (außer Schönes-Wochenende-Ticket und Quer-durchs-Land-Ticket) in U-Bahnen, Straßenbahnen sowie Bussen in Frankfurt.
  • 4. Ersatzbuslinien von Offenbach-Ost zum Flughafen sowie zwischen Offenbach-Kaiserlei, Frankfurt-Ostbahnhof (Honsellstraße) und dem Frankfurter Zoo. Anja Georgi, Geschäftsführerin der beiden Verkehrsunternehmen OVB und MMO, empfiehlt den Fahrgästen, nur dann in Offenbach Ost auszusteigen, wenn sie die S1 oder den Bus zum Flughafen nehmen wollen. Für den Anschluss nach Frankfurt sei es sinnvoller, am Kaiserlei (Westseite) in die Ersatzbuslinien zu wechseln.

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Wie geht es dann weiter?

Straßenbahnen, U-Bahn- und Buslinien werden in der Zeit der Sperrung verstärkt. Der RMV und die DB versprechen, dass alle Ziele in der Innenstadt erreichbar bleiben. Zusätzlich können sich RMV-Kunden in Frankfurt mit Call a bike für Mietfahrräder kostenlos registrieren und die ersten dreißig Minuten gratis nutzen.

Wie werden die Fahrgäste informiert?

Der RMV will seine Fahrgäste im Internet und an allen betroffenen Stationen informieren - dazu sind 31 Mitarbeiter als „Reisenden-Lenker“ an 12 Stationen unterwegs. An den Info-Punkten werden kostenlose Snacks und Getränke angeboten. Die Änderungen seien außerdem in die elektronische Fahrplanauskunft eingearbeitet.

Was sagt die Stadt Frankfurt? 

Frankfurts Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) warb um Verständnis für die Unannehmlichkeiten: „Die S-Bahn ist das Rückgrat im Pendlerverkehr.“ Die Infrastruktur sei teilweise museumsreif und müsse erneuert werden, „wir tun es für die Fahrgäste“. Ohne S-Bahn sei der Verkehr in Frankfurt nicht denkbar. Von den 280 Millionen Fahrten im Öffentlichen Personennahverkehr der Stadt entfielen im Jahr 2014 rund 60 Millionen auf die S-Bahn. 

Taxi-Gutscheine für Stammkunden

Wegen der wochenlangen Sperrung haben der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und die Deutsche Bahn (DB) Taxigutscheine an Jahreskarten-Kunden verschickt. Sie können im Zeitraum der Sperrung während der hessischen Sommerferien bei Frankfurter Taxifahrern eingelöst werden. 65.000 Gutscheine über je 15 Euro seien an Abo-Kunden mit dem Tarifgebiet 50 gegangen, sagte RMV-Sprecher Sven Hirschler.

Lesen Sie dazu auch: S-Bahn-Arbeiten: Tunnel bald vier Wochen voll gesperrt

dpa/re

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