Berggipfel und Waldlichtung

Diana Krall gestaltet ruhigen Jazz-Abend in der Alten Oper

Diana Krall durfte ihrem begeisterten Publikum in der Alten Oper gleich drei Zugaben spendieren. -  Foto: Sauda
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Diana Krall durfte ihrem begeisterten Publikum in der Alten Oper gleich drei Zugaben spendieren.

Frankfurt - Freie Plätze waren am Donnerstagabend im Großen Saal der Alten Oper Frankfurt Mangelware. Kein Wunder, denn zu Gast war mit der Jazzpianistin und Sängerin Diana Krall eine der renommiertesten Interpretinnen ihrer Generation. Von Sebastian Krämer 

Optisch und musikalisch ist der 53-Jährigen ihr Alter keineswegs anzumerken. In goldenen High Heels und im geblümten Kleid versteht es die Grammy-Gewinnerin, sich in Szene zu setzen.
Musikalisch legt sie bei ihrer Welttournee deutliches Gewicht auf ruhige Jazztitel sowie solche im Singer-Songwriter-Stil, von einer idyllischen Videoprojektion begleitet. Von Berggipfeln bis zur Waldlichtung zeigt sich auch die Bühnenshow in einem romantischen Stil. Mit Anthony Wilson (Gitarre), Karriem Riggins (Schlagzeug), Stuart Duncan (Fiddle) und Robert Hurst (Bass) kann die Kanadierin auf ein hochklassiges Ensemble bauen. Während sich Riggins und Hurst in ihrem Spiel zurückhalten und nicht unbedingt vorteilhaft ausgesteuert sind, treten Wilson und Duncan mit ihren virtuosen Soli in den Vordergrund.

Besonders Duncans vielseitiges Spiel verleiht den Titeln eine markante Gypsy-Note. Vom feinen Pizzicato bis zum federleichten Lauf beherrscht der amerikanische Bluegrass-Musiker viele Register. Wunderschön auch der musikalische Dialog, der sich beim Jazzstandard „On The Sunny Side Of The Street“ zwischen Fiddle und Gitarre entwickelt. Wobei auch Wilson, Gewinner des internationalen Kompositionswettbewerbs des Thelonious Monk Institute, an der Gitarre eine überzeugende Vorstellung abliefert.

Bei einer von drei Zugaben zieht Duncan mit der Trompetengeige Augen und Ohren auf sich. Nicht oft ist dieses Streichinstrument mit dem Trompetentrichter heutzutage auf der Bühne zu erleben. Auch Krall begeistert mit technischen Finessen. Besonders Carlos Jobims Klassiker „Quiet Nights“ passt gut zur leicht rauchigen Stimme. Da kommen vor allem Fans des Candlelight Jazz auf ihre Kosten, während sich der eine oder andere lebhaftere Titel wünschen würde.

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Der Großteil dieser Stücke stammt von Kralls aktuellem Album „Turn Up The Quiet“, das mit Standards wie „Blue Skies“ und „Night And Day“ im Zeichen des American Songbooks steht. Tragisch, dass es sich um das letzte Album mit Tommy LiPuma, dem Produzenten vieler ihrer Erfolgsalben, handelt: Er ist im März gestorben.

Dem Publikum jedenfalls gefällt das stimmungsvolle, 90-minütige Programm. Mit großem Beifall bedenkt es die Sängerin und Pianistin.

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