Konto komplett leergeräumt

Betrug mit SMS und SIM-Karte

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Frankfurt/Offenbach - Online-Kriminelle arbeiten immer raffinierter. Opfer der neuesten, aufwändig organisierten Betrugsmasche, wurde jetzt eine junge Mutter aus Frankfurt, deren Konten komplett leergeräumt wurden. Das Geld wiederzubekommen, geriet zu einer wahren Odyssee. Von Niels Britsch

Wenn Menschen ihres gesamten Vermögens beraubt werden, ist der Schock und die Verzweiflung groß. So auch bei Jutta O. (Name der Redaktion bekannt), denn Betrüger räumen sämtliche ihrer Konten leer. Da die Frankfurterin bisher den Sicherheitsversprechen ihrer Bank beim Online-Banking vertraut, hofft sie darauf, dass sie ihr Geld zurück bekommt. Doch bis dahin vergehen Wochen, die Jutta O. eine Menge Nerven, Zeit und Vertrauen kosten.

Mitte September ruft eine Bank-Mitarbeiterin bei Jutta O. an und fragt, ob sie in letzter Zeit größere Transaktionen vorgenommen habe. Als Jutta O. verneint, eröffnet ihr die Frau, dass die Konten leergeräumt sind: In mehreren Etappen haben bislang Unbekannte das gesamte Vermögen von Jutta O. geplündert. Der Schaden liegt im fünfstelligen Bereich, gerade einmal 85 Euro bleiben der Mutter eines damals sechs Wochen alten Kindes. Die Bank stellt eine Rückerstattung in Aussicht, wenn eine grobe Fahrlässigkeit der Kundin ausgeschlossen werden kann.

Keine Maßstäbe bei der Bank

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Täter schlagen oft am Wochenende zu

Für Verunsicherung bei Jutta O. sorgt jedoch die Tatsache, dass es bei der Bank keine Maßstäbe gibt, ab wann Kunden fahrlässig handeln: „Die Postbank prüft jeden Fall individuell. Pauschale Kriterien gibt es aufgrund der Unterschiedlichkeit der Fallkonstellationen nicht“, teilt eine Pressesprecherin auf Nachfrage mit. Die Prüfung des Falles von Jutta O. gestaltet sich jedoch schwierig, weil zunächst die Vorgehensweise der Täter unklar bleibt. Sicher ist, dass die Betrüger sich Zugang zum Onlinebanking-Konto verschafft haben – wahrscheinlich mittels eines Trojaners. Doch wie konnten die Kriminellen die Überweisungen legitimieren? Jutta O. nutzt das mobile TAN-Verfahren, das heißt, sie lässt sich per Kurzmitteilung (SMS) die Transaktionsnummer (TAN) auf ihr Handy senden, erst mit der jeweiligen TAN kann sie dann Überweisungen ausführen und bestätigen.

Die Bankmitarbeiterin weist Jutta O. darauf hin, dass Betrüger bei den Mobilfunkunternehmen ihrer Opfer eine weitere SIM-Karte anfordern und anschließend den Datenverkehr so manipulieren, dass sie die TAN abfangen können. Jutta O. fragt daraufhin bei ihrem Anbieter E-Plus nach, ob das Unternehmen auf ihren Namen und ihre Rufnummer eine weitere SIM-Karte herausgegeben hat, was E-Plus jedoch verneint. Der Geschädigten reicht’s: Sie erstattet Anzeige bei der Polizei.

Zufällige, schlimme Erkenntnis

Erst knapp eine Woche später bemerkt Jutta O. zufällig, dass sie seit Tagen keine Kurzmitteilungen mehr erhält. Auf erneute Nachfrage räumt eine E-Plus-Mitarbeiterin ein, dass tatsächliche eine zweite SIM-Karte zur Nummer von Jutta O. verschickt worden sei, weitere Informationen verweigert das Unternehmen jedoch mit dem Hinweis auf laufende Ermittlungen. Auf Nachfrage betont ein Pressesprecher des Unternehmens jedoch, dass zweite SIM-Karten ausschließlich an die Adresse der Kunden geschickt werden, und dass diese SIM-Karten noch mit einem Kunden-Kennwort aktiviert werden müssen. Da Jutta O. sich jedoch nicht erklären kann, wie die Betrüger dieses Kennwort erfahren haben, sie aber detaillierte Informationen benötigt, damit ihre Bank den Fall erledigen kann, ruft sie mehrfach bei E-Plus an, erhält aber keine erhellenden Informationen.

Erst die Kriminalpolizei macht sie nach Wochen der Ungewissheit darauf aufmerksam, dass E-Plus sogar zwei SIM-Karten auf ihre Nummer verschickt hat - allerdings nicht an ihre Adresse in Frankfurt, sondern an zwei verschiedene Anschriften in Schwerin. Die Betrüger versuchten mehrfach, SIM-Karten zu bestellen und zu aktivieren, letzteres gelang ihnen dann auch ohne das Kunden-Kennwort. „Ich kann nicht verstehen, wie E-Plus auf telefonische Anfrage SIM-Karten zu Rufnummern ihrer Kunden an vollkommen fremde Adressen verschickt und dann nicht einmal misstrauisch wird, wenn eine Aktivierung dieser Karten mehrfach nicht gelingt“, ärgert sich Jutta O. über ihren Mobilfunk-Anbieter.

Rechte von Kunden

Auch die Informationspolitik des Unternehmens kann sie nicht nachvollziehen: „Als Kundin habe ich doch ein Recht darauf zu erfahren, was mit meinem Anschluss passiert. Wenn ich bei der Service-Nummer angerufen habe, musste ich immer mit verschiedenen Ansprechpartnern reden, die keine Ahnung hatten, worum es geht und mich vertrösteten und abwimmelten.“ Erst als sie die Presse informierte, habe man ihre Anfragen ernst genommen: „Das hartnäckige Nachfragen der Offenbach-Post hat die Sache beschleunigt. Wer weiß, wie lange ich sonst noch auf die wichtigen Auskünfte und somit auf mein Geld gewartet hätte.“

Das Mobilfunkunternehmen bestätigt kurze Zeit später die Informationen der Polizei schriftlich, so dass auch die Bank den Fall abschließend prüfen kann und Jutta O. nach vier Wochen endlich ihr Geld zurück bekommt. Ein E-Plus-Sprecher räumt ein, dass einiges „unglücklich“ gelaufen sei, „wir bedauern diesen Fall, so etwas ist bei uns noch nie passiert“. Man habe auch schon Konsequenzen gezogen: Künftig können doppelte SIM-Karten tatsächlich nur noch mit einem entsprechenden Kunden-Kennwort aktiviert werden.

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