Unperfekte Körper und Slapstick-Striptease

Blankgezogen: „Ladies Night“ wieder am Rémond-Theater

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In Neuseeland das erfolgreichste Theaterstück aller Zeiten: Nach 13 Jahren ist „Ladies Night“ wieder in Frankfurt auf der Bühne.

Frankfurt - Vor 13 Jahren war „Ladies Night“ schon einmal zu Gast im Rémond Theater und sorgte, viel umjubelt, für Furore. Jetzt, zum 70. Geburtstag der Frankfurter Institution, feiern die strippenden Herren aus der englischen Arbeiterklasse erneut Erfolge. Von Maren Cornils

Das Stück der neuseeländischen Autoren Stephen Sinclair und Anthony McCarten erinnert inhaltlich stark an den britische Kino-Überraschungserfolg „Ganz oder gar nicht“. Und es hat alles, was ein gutes Stück ausmacht – tolle Darsteller und einen spannenden Plot –, punktet aber obendrein mit nackter Haut und Situationskomik. Eine Arbeiterstadt im britischen Norden: Die Freunde Craig (Pascal Breuer), Barry (Sebastian Goder) und Norman (Torsten Münchow) sind arbeitslos, chronisch pleite und verdienen ihr Geld mit Gelegenheitsjobs. Bis Schlitzohr Craig, dem stets die Russenmaffia im Genick sitzt, auf die Idee kommt, sich das eine oder andere Pfund mit einer Stripshow zu verdienen. Gedacht, getan.

Macho Barry und der gutmütige Norman sind schnell überzeugt, und es wird fleißig gecastet. Ein königliches Vergnügen für die Zuschauer, denn was sich für die Show empfiehlt, ist schon eher kauziger Art: Klempner Gavin (Dominik Meurer), der als Schauspieler berühmt werden will und dem starken Geschlecht zugeneigt ist, Russe Wassily (Eduard Burza), der zwar tanzen kann, aber selten die Miene verzieht. Mit dem abgehalfterten Alkoholiker Graham (Gisbert-Peter Terhorst) als Coach geht es ans Proben, und tatsächlich: Allen Widrigkeiten, privaten Tiefschlägen und testosteron-gesteuerten Kabbeleien zum Trotz – das ungleiche Quintett zeigt sich am Ende in Bestform, erobert mit anzüglichem Hüftschwung und lasziver Performance Bühne und Damenwelt – und zieht, zur Überraschung nicht weniger Zuschauer, sogar blank.

Bilder: Chippendales in der Stadthalle

Kulisse braucht es für „Ladies Night“ in der Regie von Folke Braband nicht. Das Stück lebt einzig von seinen allesamt grandiosen Darstellern, von mit leichter Hand inszenierter Slapstick-Komik und flotten Rhythmen. Wenn Spargeltarzan Gavin in Leggings, rosa Shirt und pinken Stulpen begeistert mitteilt, „jetzt habe ich meine Rolle endlich geknackt“, sorgt das ebenso für Lacher wie Normans Auftritt in riesigen, bis unter die Achselhöhlen gezogenen Liebestötern. Zu glauben, die Zuschauer lachten über diese, mit der einen oder anderen Problemzone ausgestatteten Truppe, ist jedoch falsch, denn so schräg und großmäulig jeder der fünf auch sein mag: Er trägt das Herz am rechten Fleck!

„Ladies Night“ ist, vielleicht sogar noch ein bisschen mehr als „Ganz oder gar nicht“, ein Feelgood-Stück, das seine Zuschauer nach 150 Minuten mit einem Lächeln im Gesicht entlässt – und das gilt nicht nur für die mehrheitlich anwesenden weiblichen Gäste, denen hier allemal mehr geboten wird als bei einem Auftritt der als Vorbild dienenden „Chippendales“.

„Ladies Night“ ist bis 12. März im Rémond Theater Frankfurt zu sehen.

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