Viel Herzschmerz, noch mehr Botox

Bonnie Tyler in der Jahrhunderthalle Frankfurt

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Braucht laut Songtext einen Helden: Bonnie Tyler frisch wie eh und je in der Frankfurter Jahrhunderthalle.

Frankfurt - „Ich danke Gott für Botox. Ich brauche es nicht, weil ich es habe. “ Ja, Bonnie Tyler beweist Humor in der fast ausverkauften Jahrhunderthalle. Von Thomas Ungeheuer 

Gut, vielleicht hätte man lieber gehört, dass die 1951 geborene Britin noch so jung und frisch ausschaut, weil sie gesund lebt. Aber anderseits gäbe es dann weniger zu lachen. Abgesehen vom Äußeren zeigt die Pop- und Rock-Sängerin klitzekleine Altersspuren. Ihre rauchige Stimme hat etwas an Umfang und Kraft verloren. Aber so tragisch ist das nicht – der Streifzug durch ihre Karriere gelingt dennoch wunderbar. Name der Tournee: „Bonnie Tyler: 40 Years It’s A Heartache“.

Die großen Erfolge der Künstlerin wie „I Need A Hero“ liegen vor allem in den späten 1970ern und frühen 1980ern. Am Dienstagabend klingen die Hits „Lost In France“ oder der Herzschmerz-Song „It’s A Heartache“ keineswegs angestaubt. Dies mag zum einen an den vier Begleitmusikern liegen, die den Songs einen erfrischend modernen Anstrich geben. Zum anderen natürlich an Bonnie Tyler selbst: Sie sorgt mit aller Kraft dafür, dass das Konzert, das zu großen Teilen von Fans ihrer Generation besucht wird, nicht zur braven Nostalgieveranstaltung wird – zum Beispiel auch mit frechen Kommentaren wie jenem anfangs erwähnten.

Dann erfährt man, dass Tyler schon 1976 in Deutschland aufgetreten ist. Es folgt der obligatorische Dank für die lange Treue der Fans: Einhundert Millionen Tonträger hat die Künstlerin in ihrer Karriere verkauft. Ermüdet oder gar gezeichnet von vier Jahrzehnten im Musikgeschäft zeigt sich Bonnie Tyler keineswegs.

The Script verzaubern Fans in Frankfurt: Bilder

Warum viele der Konzertbesucher über lange Zeit hinweg ähnlich ernst schauen wie ein TÜV-Gutachter bei der Untersuchung eines Autos, erscheint deshalb rätselhaft. Zumindest der Applaus ist groß – aber Bonnie Tyler kämpft darum, ihre Fans von den Stühlen zu reißen. Zum Beispiel mit „Total Eclipse Of The Heart“, dem Hit, den Jim Steinman 1982 für sie geschrieben hat. Leider wird die Stimmung erst gegen Ende des gut anderthalbstündigen Konzerts wirklich ausgelassen. Bei den Zugaben beweist die Sängerin mit den Songs „Turtle Blues“ (Janis Joplin), „River Deep, Mountain High“ (Ike & Tina Turner), „The Best“ und „Holding Out For A Hero“ noch einmal ihre stilistische Vielfalt.

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