Was der Tod zusammenbringt

Boulevard-Klassiker „Die Nervensäge“ überzeugt erst ab Hälfte zwei

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Hemdenvertreter mit Eheproblem: Francois (Markus Majowski, rechts) kommt den Profikiller-Plänen von Ralph (Christian Fischer) in die Quere. „Die Nervensäge“ feierte an der Frankfurter Komödie Premiere.

Frankfurt - Wenn’s mit dem Tod nicht klappt: In Francis Verbers „Die Nervensäge“ kommen sich Suizidgefährdeter und Profikiller nahe. An der Komödie Frankfurt ist das zunächst arg dialoglastig, dann unterhaltsam. Von Maren Cornils

Jack Lemon, Jacques Brel. Und nun Markus Majowski. Sie alle haben schon den larmoyanten Zeitgenossen Francois Pignon verkörpert, der in Francis Vebers „Die Nervensäge“ einen eiskalten Killer so aus der Fassung bringt, dass dieser am Ende seiner Profession abschwört. Nun feierte der mit Lino Ventura als „Die Filzlaus“ und mit Walter Matthau als „Buddy, Buddy“ verfilmte Klassiker in der Frankfurter Komödie Premiere. In den Hauptrollen Christian Fischer als Profikiller Ralph und der aus TV und Werbung bekannte Markus Majowski als Hemdenvertreter Francois.

Ralph ist ein Mann mit einem Auftrag: Er soll einen Mafia-Kronzeugen erschießen, bevor dieser vor Gericht aussagt. Zu diesem Zweck hat sich der Misanthrop im Hotel gegenüber einquartiert. Eigentlich eine einfache Kiste, wären da nicht noch der äußerst gesprächige Hotelpage (Gabriel Spagna) und Francois, der im selben Zimmer eincheckt. Während es anfangs noch so aussieht, als bekämen Page und Ralph den penetranten Rechthaber mit Tricks in ein anderes Zimmer, ändert sich die Situation spätestens dann, als Francois erfährt, dass seine Ehefrau Louise, die er im Hotel zu treffen hofft, nicht zu ihm zurückkommen will. Francois beschließt, seinem Leben ein Ende zu bereiten, versucht, sich im Badezimmer an der Klospülung aufzuhängen – und wird damit zum Problem für Ralph. Denn die Zeit bis zum geplanten Attentat rennt, und Francois, dem die Aufmerksamkeit von Ralph und dem Hotelboy sichtlich guttut, denkt gar nicht daran, das Feld zu räumen.

Pia Hänggi inszeniert Vebers Boulevardkomödie um zwei unterschiedliche Typen, die das Schicksal zusammenschweißt, in der ersten Hälfte als etwas zu dialoglastiges Kammerspiel, in dem vor allem Majowski lamentieren und agieren darf. Das kommt ihm, der wie ein überdrehter Schuljunge mit Rucksack auf dem Rücken über die Bühne düst, zugute, ist aber auf Dauer etwas anstrengend. Denn was passiert, ist allzu vorhersehbar. Kaum ist Ralph den Vertreter losgeworden, spaziert dieser auch schon wieder zur Tür herein. Und wenn Francois nicht stört, ist es der Page. Tempo nimmt das Stück erst kurz vor der Pause auf, als Francois bei einem zweiten Selbstmordversuch Ralph k.o. schlägt und Dr. Wolf (Dirk Waanders) den angeschlagenen Killer endgültig ruhigstellt.

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Nach der Pause erweist sich das Ensemble dann wie ausgewechselt. Mit dem Auftreten von Christine Richter geht’s richtig los und fast sieht es so aus, als könne Ralph seinen Auftrag doch noch erfüllen.

Obwohl fürs Theater geschrieben, erweist es sich als gar nicht so leicht, „Die Nervensäge“ auf die Bühne zu bringen. Zu brillant wurde Vebers Komödie verfilmt, zu prominent waren die Rollen besetzt. Markus Majowski tut mit seiner Darstellung dennoch sein Bestes, und so gerät die Komödie vor allem ab der zweiten Hälfte zunehmend unterhaltsam.

„Die Nervensäge“ ist noch bis zum 30. April in der Komödie Frankfurt zu sehen.

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