Kritik am Infektionsschutz

Corona am Flughafen Frankfurt - Mitarbeiter: „Katastrophales Bild“

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An den Check-In-Schaltern am Flughafen Frankfurt gibt es kaum Schutz vor dem Coronavirus.

Beschäftigte am Flughafen sorgen sich wegen des Corona-Virus. Die Rede ist von einem „katastrophalen Bild“.

  • Mitarbeiter am Flughafen Frankfurt üben erneut Kritik am Infektionsschutz gegen das Corona-Virus
  • Fraport AG widerspricht den Aussagen
  • Auch Lufthansa steht in Frankfurt in der Kritik

Frankfurt – Nach unserem Bericht über die Kritik eines Mitarbeiters an den Infektionsschutzmaßnahmen auf dem Flughafen Frankfurt haben sich weitere Beschäftigte in unserer Redaktion gemeldet, die sich ebenfalls über den ihrer Meinung nach mangelnden Schutz vor Ansteckung mit Corona ärgern. „Eigentlich finde ich meinen Arbeitgeber toll“, betont eine Frau, die am Check-in arbeitet. „Aber im Moment gibt der Flughafenbetreiber ein katastrophales Bild ab.“

Corona-Krise: Check-In Mitarbeiter am Flughafen Frankfurt haben keinen Spuckschutz

Bis auf die Markierungen, die am Flughafen Frankfurt den Sicherheitsabstand zwischen den Passagieren gewährleisten sollen, gebe es keine weiteren Corona-Maßnahmen an den Check-in-Schaltern. „Wir bemängeln seit Tagen, dass wir keine Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt bekommen“, erzählt sie. Auch Mundschutz und Handschuhe seien wünschenswert. Sie verweist auf Schutzmaßnahmen für Beschäftigte im Einzelhandel, die inzwischen in einigen Geschäften getroffen werden: „Einen Spuckschutz in Form einer Plexiglasscheibe, den inzwischen fast jeder Dorfladen hat, gibt es auch nicht.“ 

Weil die Check-in-Mitarbeiter am Flughafen Frankfurt von jedem Passagier die Ausweis- und Reisedokumente kontrollieren und berühren, hält sie eine regelmäßige Desinfektion für besonders notwendig: „Wir können uns ja nicht nach jedem Reisenden die Hände waschen.“ Auch fehle die Möglichkeit, Telefone und Tastaturen zu desinfizieren.

Busse am Flughafen Frankfurt trotz Corona-Krise nicht gesäubert?

Von der Politik fordert sie, die Ankunft am Flughafen Frankfurt von Passagieren aus bestimmten Regionen, die von Corona betroffen sind, zu verhindern: „Es ist unbegreiflich, dass weiterhin Flieger aus dem Iran landen dürfen“, ärgert sie sich. „Auf der einen Seite werden die Grenzen dichtgemacht, und auf der anderen Seite kommen täglich Maschinen aus Risikogebieten mit dem Flugzeug an.“

Ein Mitarbeiter der Bodenverkehrsdienste am Flughafen berichtet ebenfalls von mangelnden Hygienezuständen trotz Corona-Krise. Er bezweifelt, dass die Fraport die Empfehlungen des Gesundheitsamtes befolge. Auch ein Beschäftigter im Passagiertransport berichtet von „miserablen Zuständen“: „Wir bekommen keine Desinfektionsmittel oder Schutzmasken“, schreibt er. „Auf Nachfrage wird uns mitgeteilt, dass nichts vorrätig sei. Unsere Busse werden nicht gesäubert oder desinfiziert.“ 

Corona-Krise: Betreiber des Flughafens Frankfurt widerspricht Anschuldigungen

Dem widerspricht die Fraport: „Die Busse, die am Flughafen Frankfurt vom Betreiber Fraport im Einsatz sind, werden nach jeder Fahrt kontrolliert und in regelmäßigen Abständen grundgereinigt. Zusätzlich werden sie täglich vor Betriebsbeginn desinfiziert. Je nach Bedarf, wird eine solche Grundreinigung auch außerhalb des Intervalls durchgeführt“, informiert eine Sprecherin. Sie betont, dass die Fraport die Auflagen der Gesundheitsbehörden „in vollem Umfang“ umsetze. Außerdem arbeite man kontinuierlich daran, zusätzliche Corona-Schutzmaßnahmen umzusetzen – allerdings mit einer Einschränkung: „Marktverfügbarkeit vorausgesetzt“.

Für die Beschäftigten am Check-in hat die Sprecherin gute Nachrichten: „Wir arbeiten derzeit mit Hochdruck daran, eine einheitliche und flächendeckende Lösung in Bezug auf die Installation von Plexiglasscheiben zu finden.“

Flughafen: Auch Mitarbeiter der Lufthansa in Frankfurt üben in der Corona-Krise Kritik

Doch nicht nur die Fraport steht während der Corona-Krise in der Kritik: Auch bei Lufthansa gebe es nicht ausreichend Desinfektionsmittel für alle Mitarbeiter, berichtet ein Mann. „Handschuhe und Masken werden unter Verschluss gehalten und nicht aktiv verteilt.“ Er schreibt, dass sich außerdem auch viele Besucher nicht an die Vorschriften hielten: „Es gibt noch immer hunderte Abholer. Ganze Gruppen. Familien kommen zum Flughafen, um einen Ausflug mit ihren Kindern zu machen und zu McDonalds zu gehen.“

Man weise alle fünf Minuten in mehreren Sprachen per Durchsagen auf die Abstandsregeln hin, empfohlene Corona-Verhaltenshinweisen seien über Poster und über digitale Bildschirme in den Terminals sichtbar, zählt die Fraport-Sprecherin die Maßnahmen des Flughafenbetreibers auf. „Außerdem wurden Bodenmarkierungen zur Einhaltung der Abstände in den Check-in-Bereichen, Sicherheits- und Grenzkontrollen sowie Busankünften angebracht.“ Sie nimmt jedoch auch Passagiere, Besucher und Mitarbeiter in die Pflicht: „Gleichzeitig greifen die verschiedenen Maßnahmen nur, wenn alle Beteiligten auch eigenverantwortlich handeln.“

Zuvor hatte ein Mitarbeiter des Flughafen Frankfurt bereits von einem Skandal während der Corona-Krise gesprochen und erhob schwere Vorwürfe gegen Fraport.

VON NIELS BRITSCH

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