Finanzielle Hilfe gefordert

Coronakrise: „Für Beschäftigte in Hotels und Lokalen geht es an die Existenz“

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Seit Samstagmittag (21.03.2020) bleiben Cafés und Restaurants auch in Hessen geschlossen. Nur Speisen zum Mitnehmen dürfen sie verkaufen. (Symbolbild)

Gewerkschaftsekretär Hendrik Hallier fordert rasch finanzielle Hilfe wegen der Einbußen durch das Coronavirus für die Beschäftigten in Hotels und Lokalen.

Hendrik Hallier ist Gewerkschaftssekretär der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten in Frankfurt.

Herr Hallier, das Land Hessen hat wegen der Corona-Krise Übernachtungen in Hotels aus touristischen Gründen untersagt. Weitere Schritte könnten folgen. Was heißt das für die Beschäftigten der Hotels?
Für die Beschäftigten ist die Situation fast katastrophal, weil völlig unklar ist, wie sich die Lage weiter entwickelt. Auch die Unternehmen sind überfordert. In Teilen wissen sie nicht mehr, was sie machen sollen. Einzelne versuchen nun, das Problem für sich zu Lasten der Beschäftigten zu lösen. Da heißt es dann: Entweder ihr akzeptiert Kurzarbeit und wir machen das Hotel zu oder wir kündigen allen und laufen in die Insolvenz. Eine Teilschuld an der Lage hat aber auch die Regierung.

Kurzarbeitergeld wegen Corona aufgestockt

Inwiefern?
Ich halte die bisherige Strategie, Hotels und Lokale offenzulassen, aber den Betrieb so stark einzuschränken, für völlig sinnlos. Es ist vernünftig, dass die Gaststätten nun geschlossen werden. Die Hotels sollten folgen. Dann muss es aber darum gehen, wie man die Verluste für die Unternehmen, aber vor allem für die Beschäftigten ausgleicht. Es wäre sinnvoll, wenn die Bundesregierung einen finanziellen Anreiz für Unternehmen schafft, die die Kurzarbeitergelder von sich aus aufstocken. Wenn Beschäftigte, die jetzt schon oft geringe Einkommen haben, nur noch 60 Prozent des Bruttogehalts bekommen, geht das für viele ja an die Existenz.

Stocken denn schon Hotel- oder Gastronomiebetriebe das Kurzarbeitergeld auf?
Ja. Die meisten mit Betriebsrat machen das schon. Zum Beispiel in der Systemgastronomie. Aber aktuell merken wir, dass in Hotels ohne Betriebsrat meist nur der Basissatz gezahlt wird. Ohne Betriebsrat und Gewerkschaftsmitgliedschaft sind die Beschäftigten aktuell willkürlichen Maßnahmen ausgesetzt.

Coronakrise nicht auf dem Rücken der Beschäftigten überstehen

Die Reaktionen in der Branche sind also sehr unterschiedlich.
Genau. Es gibt Betriebe, wo jetzt alle an einem Strang ziehen, um die Krise durchzustehen. Andere versuchen die Krise ausschließlich auf dem Rücken der Beschäftigten zu überstehen. Die Situation ist auch wirtschaftlich sehr unterschiedlich. Deswegen halte ich es für falsch, wenn man nun über die ganze Branche Geld ausschütten würde. Besser wäre es gezielt zum Beispiel kleineren Betrieben, die nach einem Monat Schließung vor dem Aus stehen könnten, zu helfen. In Österreich müssen Hotels und Lokale, die jetzt geschlossen sind, für den Zeitraum keine Pacht zahlen. Auch das würde helfen.

Gastronomen fordern, dass der Bund während der Schließungen alle Gehälter der Beschäftigten im Gastro- und Hotelbereich übernimmt. Ist das realistisch?
Das weiß ich nicht. Aber das wäre natürlich viel besser, als wenn alle Beschäftigte in dieser Zeit von 60 Prozent des Bruttolohns leben müssen. Aber auch hier fände ich es sinnvoll, stark auf die Gegebenheiten vor Ort zu schauen, das Geld nicht pauschal und bedingungslos für alle auszuschütten.

Coronakrise - Hotels und Gastronomie retten

Was halten Sie von Vorschlägen wie dem von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner, Köche und Kellner könnten ja in der Spargelernte arbeiten?
Natürlich könnte in der Theorie jeder auf dem Feld mithelfen. Wieso dafür Köche und Kellner besonders geeignet sein sollen, weiß ich nicht. Ich halte die Forderung eher für einen Scherz.

Was ist, wenn die Krise viele Monate anhält? Drohen dann in großem Umfang Insolvenzen und Entlassungen?
Die größeren Ketten könnten die Krise wohl länger aushalten. Die Frage ist, ob sie das auch wollen. Viele sind so aufgestellt, dass sie einzelne Gesellschaften in die Insolvenz gehen lassen könnten. Wenn es länger dauert, muss von staatlicher Seite viel passieren. Da kann man nicht sagen, wir schauen mal wer übrigbleibt,

Also Hotel- und Gastronomieunternehmen retten?
Ja. Sie sind für die Realwirtschaft sehr wichtig, beschäftigen sehr viele Menschen. Wenn massenhaft Lokale schließen müssten, würde sich das auch sehr negativ auf unser Leben auswirken. Ich kenne niemanden, der nicht gerne verreist und in Cafés, Restaurants oder Bars geht.

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