Zentralarchiv geplant

Depots der Frankfurter Museen platzen aus allen Nähten

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Platz ist auch nicht mehr in der größten Hütte: Die Archivräume des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt sind voll.

Frankfurt - Die Frankfurter Museen sammeln und sammeln - und dürfen fast nichts aus ihren Beständen verkaufen. Deswegen brauchen sie immer mehr Lagerflächen, die Stadt muss Depots anmieten. Das kostet inzwischen 1,7 Millionen Euro pro Jahr. Jetzt gibt es eine andere Idee. Von Sandra Trauner

„Nein! NIX draufstellen“, warnt eine Papp-Pyramide, „Achtung Objekt!“, informieren bunte Leucht-Zettel. Im Außenarchiv des Deutschen Architekturmuseums (DAM) stapeln sich Modelle, Zeichnungen, Fotos und Dokumente. Wie in vielen weiteren Museen der Stadt fehlt es an Depotflächen. Ein Zentralarchiv soll Abhilfe schaffen - Baubeginn frühestens 2018.

Bis dahin wissen manche Frankfurter Museen nicht wohin mit ihren Beständen. Weil die Depotflächen in den Häusern selbst schon lange erschöpft sind, muss die Stadt Lagerräume anmieten. 1,75 Millionen Euro kostet die Miete für die sechs Depots pro Jahr, wie das Kulturdezernat berichtet. Kommt das Zentraldepot, könne man mehr als eine Million Euro jährlich sparen. Einziehen sollen dort die Bestände von sechs Frankfurter Museen.

Neben dem Architekturmuseum brauchen auch das Museum Angewandte Kunst, das Museum der Weltkulturen und das Archäologische Museum mehr Platz. Selbst wenn gerade neu gebaut wird, wird damit das Problem nicht gelöst. Zwar bekommen gerade das Jüdische Museum und das Historische Museum neue und größere Gebäude - „aber auf Grund der Innenstadtlage konnten keine Depotflächen integriert werden“, bedauert die Sprecherin des Kulturdezernats, Antje Runge.

Schon im November hat der Magistrat ein „Raumprogramm für ein stadteigenes Zentraldepot“ verabschiedet. Gebaut werden sollen 15 000 Quadratmeter Nutzfläche mit Lagerräumen für verschiedene Material-Gruppen, die die Museen sich teilen, gemeinsamen Restaurierungswerkstätten und Büros. Die Leiterin des Kulturamts der Stadt Frankfurt, Carolina Romahn, rechnet mit Kosten zwischen 15 und 20 Millionen.

Zwei Grundstücke habe man im Auge - die Entscheidung, wo gebaut wird, könnte Romahn zufolge im Sommer fallen. Ideal wäre, wenn es nahe am Archivgebäude des Instituts für Stadtgeschichte an der Borsigallee läge. Das Haus wurde vor zehn Jahren gebaut und weil dort - noch - Platz ist, sind dort andere Museen als Untermieter eingezogen.

Das Grundproblem: Museen müssen sammeln und bewahren, das ist - neben der Vermittlung - eine ihrer Kernaufgaben. Etwas aus dem Bestand zu verkaufen ist zwar nicht gänzlich verboten - aber doch an strenge Bedingungen geknüpft, die in der Allgemeinen Geschäftsanordnung der Stadt Frankfurt geregelt sind. „Verkäufe wären keine Lösung“, sagt Runge. Zum Beispiel könnten Bilder, die aktuell nicht gefragt seien, später wieder interessant werden.

Das Architekturmuseum ächzt vor allem unter vielen Nachlässen. In den 30 Jahren seines Bestehens hat es 60 Nachlässe bedeutender Architekten übernommen - und noch mehr angeboten bekommen. Im DAM-Archiv in der Nähe des Südbahnhofs machen vor allem die Architekturmodelle Probleme: Sie brauchen viel Platz und sind extrem empfindlich. Manche stehen in offenen Regalen, andere sind in Transportkisten verpackt, die ganz großen stehen mitten im Weg.

1350 Modelle besitzt das DAM, wie Archivleiterin Inge Wolf berichtet. Museen weltweit fragen an, ob sie sie für Ausstellungen ausleihen dürfen. Die fragilsten reisen in persönlicher Begleitung als Handgepäck mit eigenem Sitz. Forscher und Studenten kommen vorbei, um sich Arbeiten anzusehen.

Impressionen von der „Nacht der Museen“ 2016

Wenn der Nachlass eines bedeutenden Architekten frei wird, „dann muss man schnell sein“, sagt Wolf. „Den wollen dann alle haben, auch in anderen Ländern.“ Bezahlt wird in der Regel nichts, aber es entstehen Folgekosten: Der Nachlass muss nicht nur gesichtet, sortiert, ausgedünnt, aufbereitet werden. Vor allem muss er gelagert werden - in Spezialschränken für Modelle, Spezialmappen für Pläne, Spezialkladden für Dokumente.

Das Platzproblem betrifft derzeit vor allem die „Sach“-Museen der Stadt - die Kunstmuseen haben solche Sorgen nicht. „Wir haben keine Platznot“, sagt Städel-Sprecher Axel Braun, „wir haben nicht einmal ein Außendepot“. Ein Großteil der Bilder hänge an den Wänden, für den Rest reichten die Archivflächen unter dem Museum, die mit dem Neubau noch erweitert wurden.

Für das Museum für Moderne Kunst (MMK) hat die Stadt 2009 ein Magazin im Stadtteil Fechenheim angemietet - für 15 Jahre mit Option auf Verlängerung, wie Sprecherin Daniela Denninger sagt. „Das Depot bietet unserer Kunstsammlung noch mehrere Jahre ausreichend Platz.“ Nur eine Auswahl der rund 5000 Werke umfassenden Sammlung kann ausgestellt werden. Und pro Jahr gelangen etwa 70 Werke neu in die MMK-Sammlung.

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