Institut sammelt seit 1979 Kunst und besitzt etwa 50.000 Werke

„Kunst privat!“: Deutsche Bank ist am Wochenende dabei

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Kunstaffines Geldinstitut: Die „Sphäre“  in den Deutsche-Bank-Türmen ist ein bauliches Highlight von Architekt Mario Bellini.

Frankfurt - An diesem Wochenende präsentieren Unternehmen aus der Region unter dem Titel „Kunst privat!“ wieder ihre Kunstsammlungen. Auch die Deutsche Bank macht bei der Aktion mit. In ihrem Besitz sind nach eigenen Angaben 50.000 Werke moderner und zeitgenössischer Kunst - eine Vorab- Besichtigung in den Türmen der Bank an der Taunusanlage. Von Lisa Berins

Die Außenwelt ist vielleicht schon an der Spiegelfassade der Deutsche-Bank-Türme abgeglitten, durch die Sicherheitsschranke im Foyer der Frankfurter Zentrale kommt sie bestimmt nicht: Hinter die Barriere dürfen nur Mitarbeiter des Geldinstituts – und angemeldete Kunstinteressierte.

Der erste Blick geht tief in die Augen von Joseph Beuys: Ein großformatiges Bild mit dem Antlitz des Künstlers hängt direkt im Eingang. „Alles fließt“ – das war in den 1960ern ein grundlegender Gedanke der Fluxus-Bewegung, zu der sich Beuys zählte. Im Umfeld eines Finanzunternehmens bekommt der Slogan eine etwas andere Bedeutung – nicht ohne Beigeschmack. Kunst und Geld, das ist und bleibt eine zwiespältige Liaison.

In den 1970ern begegneten sich der Künstler Beuys und der Bankier Herbert Zapp, der auch Deutsche-Bank-Vorstandsmitglied war, in Düsseldorf. Zapp gründete 1979 eine hauseigene Sammlung, die über die Jahrzehnte zu einer Art Kunstimperium herangewachsen ist. Heute kümmert sich die Kunsthistorikerin Britta Färber als stellvertretende Leiterin des weltweiten Kunstprogramms der Bank mit einem kleinen Team um die 50.000 Werke.

Überall dort, wo es große Niederlassungen der Bank gibt, ist auch die Kunst vor Ort – an insgesamt 900 Standorten, sagt Färber: unter anderem in Singapur, Hongkong, Mailand, New York, Zürich, London, auch in Frankfurt. 1 800 Werke hängen in den Gängen und Räumen in den Deutsche-Bank-Türmen. Im vergangenen Jahr wurde außerdem eine neue Ausstellungsplattform für junge Kunst im „Deutsche Bank Campus“ eröffnet; er befindet sich in einem Gebäude nur einen Steinwurf von der Zentrale entfernt.

Eine „Artwall“ flimmert im Erdgeschoss der Spiegeltürme: Auf vielen kleinen Bildschirmen, die zu einer großen Leinwand zusammengesetzt sind, erfährt der Besucher, wo sich im Haus welche Kunst befindet. Jede der 60 Etagen ist einem Künstler gewidmet.

Heute wird vor allem Internationales gesammelt, sagt Britta Färber.

Vor vierzig Jahren habe man mit dem Sammeln von Kunst aus dem deutschsprachigen Raum begonnen, sagt Britta Färber. Seit den 1990er Jahren wurde mit der internationaleren Ausrichtung des Konzerns auch der Schwerpunkt auf die internationale Kunst verlagert. Dem Medium blieb man treu: 95 Prozent der Werke seien Arbeiten auf Papier, sagt die stellvertretende Kunstleiterin. „Dazu zählt für uns auch die Fotografie.“
In einem Kongressraum ist die Fotoserie „Sandstars“ des mexikanischen Konzeptkünstlers Gabriel Orozco zu sehen: Fein säuberlich hat er menschliche, tierische und pflanzliche Hinterlassenschaften aus einem Naturschutzgebiet an der amerikanisch-mexikanischen Grenze archiviert und fotografiert – darunter auch Klopapierrollen, die von Fossilien kaum zu unterscheiden sind.

Die poetischen Arbeiten von Tokihiro Sato befinden sich im 37. Stock: schwarz-weiße Langzeitbelichtungen, in denen Lichtpunkte umherschwirren. Attraktiv ist von dort oben allerdings auch der Ausblick auf die Bankenmetropole.

Die Exponate stammen teilweise von asiatischen oder afrikanischen Künstlern, deren Namen man in Europa nicht unbedingt kennt. Vor allem aber hat die Kollektion der Deutschen Bank eine ansehnliche Liste prominenter Vertreter der neueren westlichen Kunstgeschichte vorzuweisen: Neo Rauch, Thomas Ruff, Andreas Gursky, Matthias Weischer, Georg Baselitz, Isa Genzken, Damien Hirst  ... Über den Wert der Sammlung möchte die Bank nicht sprechen, mit einem Blick auf den Kunstmarkt kann man wohl von einem mehrstelligen Millionenbetrag ausgehen.

Der finanzielle Aspekt stehe für die Bank beim Kunstsammeln aber nicht an erster Stelle, sagt Färber. „Kunst ist für uns kein Investitions- oder Spekulationsobjekt.“ Wichtiger sei, dass sich Mitarbeiter, Kunden und die Öffentlichkeit mit der Kunst beschäftigten und sich mit ihren Themen auseinandersetzten. Ein Ziel sei es auch, junge und vielversprechende Talente zu fördern: Jährlich wird ein Künstler gekürt, der die Möglichkeit zu einer Einzelausstellung in Berlin bekommt.

Archivbilder:

Nackte Models im Museum: Moderne Kunst oder Fleischbeschau?

Bei der Entscheidung, welche Werke erworben werden, hilft ein externes Beratergremium, erklärt Färber. Das bestehe derzeit aus fünf internationalen Kunstexperten, darunter auch der ehemalige Chef des Frankfurter Museums für Moderne Kunst, Udo Kittelmann. Über die Höhe des Ankaufbudgets möchte die Deutsche Bank nichts sagen. Auch über die Frage, inwieweit der derzeitige Sparkurs der Bank Auswirkungen auf den Kunst-Etat hat, kann man nur spekulieren. Der neue Vorstandsvorsitzende Christian Sewing hatte vor Kurzem angekündigt, mehrere tausend Mitarbeiter zu entlassen. Dass die Bank in absehbarer Zeit Kunst verkaufen müsse, davon gehe man derzeit nicht aus, sagt Färber. Die Ausstellungsaktivitäten würden zurzeit sogar ausgebaut.

Im Spätsommer will die Bank im Berliner Prinzessinnenpalais ein neues Forum für Kunst, Kultur und Sport eröffnen, nachdem im April die Deutsche Bank Kunsthalle schloss. Mit 750 Quadratmetern verdreifache sich damit die Ausstellungsfläche, sagt ein Unternehmenssprecher. Es sieht so aus, als würde es zumindest in Sachen Kunst bei der Deutschen Bank erst einmal erfolgreich weiterfließen.

Kostenfreie öffentliche Führungen sind an bestimmten Tagen unter der Woche nach Anmeldung auf der Website unter dbcollection.dp.com/kunst-in-den-tuermen/de möglich.

Blick in Unternehmenssammlungen:

Unter dem Motto "Kunst privat!" gewähren vom 9. bis 10. Juni insgesamt 32 Unternehmen in 13 hessischen Städten Einblick in ihre Kunstsammlungen. Die Führungen sind kostenlos, bedurften aber einer Anmeldung unter "kunstprivat.net" oder direkt bei den teilnehmenden Unternehmen. Die Aktion sei ein "lebendiger Ausdruck bürgerschaftlichen Engagements der Wirtschaft", schreibt Minister Tarek Al-Wazir (Grüne) in seinem Grußwort. In den vergangenen Jahren hatten die Sammlungen der Unternehmen jeweils rund 4000 Besucher angelockt. An der 14. Aktion "Kunst privat!" beteiligen sich zum Beispiel die Deutsche Lufthansa AG, die DZ-Bank, die Europäische Zentralbank und weitere Firmen. Weitere Infos: www.kunstprivat.net.

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