Fernmeldetruppe am Corona-Hörer

Bundeswehrsoldaten helfen dem Kreis Offenbach im Kampf gegen das Virus

Die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr sind für die Kontaktnachverfolgung im Dietzenbacher Gefahrenabwehrzentrum zuständig.
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Die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr sind für die Kontaktnachverfolgung im Dietzenbacher Gefahrenabwehrzentrum zuständig.

Soldaten sitzen und stehen an und um die gut 20 Schreibtische im Gefahrenabwehrzentrum des Kreises Offenbach in der Dietzenbacher Gottlieb-Daimler-Straße 10. Es ist die Ablösung der aktuell im Einsatz befindlichen 13 Soldaten der Fernmeldetruppe Elektronische Kampfführung (EloKa). Sie weisen ihre Kameraden nun in die Aufgaben und den aktuellen Stand ein.

Dietzenbach – 14 Tage waren die Soldaten im Einsatz in Dietzenbach, haben das Gesundheitsamt bei Kontaktnachverfolgung und Isolations-Entlassungen von Corona-Erkrankten unterstützt. Ausgebildet sind die Soldaten der EloKa eigentlich zum Abhören und Stören von gegnerischem Funk. Nun geht es für sie wieder zurück zur Einheit in Frankenberg (Landkreis Waldeck-Frankenberg) in der Nähe des Edersees. In zwei Wochen sind sie voraussichtlich dann wieder in Dietzenbach im Einsatz.

Chef der Truppe, die seit Ende Oktober vergangenen Jahres den Landkreis unterstützt, ist unter anderem Oberstleutnant Matthias-Marcus Wanner: „Die Soldatinnen und Soldaten sind hier die ganze Woche im Einsatz, jeden Tag von halb acht bis 18 Uhr; bisher konnten wir hier gut 7 600 Entlassungen aus der Isolation und 4 000 Abstriche vornehmen.“ Für die Abstriche bei Corona-Tests sind fünf Soldaten zuständig, die auch alle eine medizinische Vorbildung haben.

Dietzenbach: Kreis Offenbach hat seine eigene Einheit bei der Bundeswehr

Wanner gehört mit Oberstleutnant Frank Plettenberg zum Kreisverbindungskommando (KVK) der Bundeswehr für den Kreis Offenbach. Das KVK steht dem Landrat im Katastrophenfall als Unterstützung zur Seite. „Jeder Kreis und jede kreisfreie Stadt hat ein KVK bei der Bundeswehr“, sagt Wanner. Am 28. Oktober war die Anfrage von Landrat Quilling gekommen, dann sei noch die Abstimmung mit dem Landeskommando Hessen und dem Kommando Territoriale Aufgaben in Berlin nötig gewesen. Am 30. Oktober seien die Reservisten dann „aktiviert“ worden. Die Soldaten sind solange zur Unterstützung da, bis sich die Lage wieder entspannt hat.

Zu den gut 13 Soldatinnen und Soldaten, die den Kreis bei der Kontaktnachverfolgung unterstützen, seien dann noch 25 Soldaten des Jägerbataillons 1 hinzugekommen, die seit Dezember vor allem die Pflegeheime unterstützen. „Die erledigen dort Aufgaben wie ein Zivildienstleistender, also gehen zum Beispiel mit den Bewohnern spazieren und entlasten so das Pflegepersonal.“ Im Simeonstift in Hainburg beispielsweise haben die Soldaten im Pflegeheim ausgeholfen. Und dort haben sie wohl Eindruck hinterlassen: Auf der Facebook-Seite des Heims schreiben einige Angehörige, dass die Bewohner bereits jetzt schon die Soldaten vermissen und die Zeit mit ihnen sehr genossen haben.

Dietzenbach: Besondere Vorsicht bei Corona-Mutanten

Damit die Soldaten nicht die Bewohner der Heime anstecken, werden diese regelmäßig auf Corona getestet. Untergebracht sind sie im Mainstreet Hotel in Dietzenbach und sind auch dort räumlich nach ihren Aufgabengebieten unterteilt, damit sie nicht selbst vom „Gegner“ Corona erwischt werden.

Bei der Kontaktnachverfolgung von Corona-Infektionen spielen vor allem die neuen Mutationen eine entscheidende Rolle: „Bei den neuen Mutationen müssen wir leider noch strengere Regeln anwenden, da einfach noch die Erfahrungswerte fehlen“, berichtet Hauptfeldwebel Robert Gorski, „bei direktem Kontakt können sich die Leute bei der Standardvariante des Virus nach zehn Tagen ohne Symptome freitesten lassen, bei den Mutationen müssen sie volle 14 Tage in Quarantäne bleiben.“

Bisher seien über 50 Infektionen mit den neuen Mutationen im Kreisgebiet nachgewiesen worden. Auf die Mutationen wird allerdings nur stichprobenartig getestet. „Da ist besondere Vorsicht geboten“, sagt Gorski.

Dietzenbach: Soldat der Bundeswehr erlebt die Menschen im Kreis Offenbach als kooperativ

Bisher seien die Menschen im Kreis äußerst kooperativ bei den Telefonaten gewesen. Lediglich ein bis zwei Personen je hundert Telefonate würden wenig Verständnis für die Maßnahmen zeigen. Durch die Telefonate sei auch schon eine Art Beziehung zu den Menschen im Kreis entstanden, so Gorski, der aus Gießen stammt.

Bei Personen aus der Risikogruppe rufen die Soldaten laut dem Hauptfeldwebel täglich an und erkundigen sich nach ihrem Wohlergehen. „Manche Menschen rufen auch uns mehrmals täglich an und wollen mit einem bestimmten Soldaten sprechen, weil schon ein Vertrauensverhältnis entstanden ist“, so Gorski, „dann nehme ich mir auch gerne Zeit und beantworte die Fragen.“

Von Lukas Reus

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