Gut gegen Winterblues

„Die Schöne und das Biest“ in Frankfurts Alter Oper

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Werden die Schöne (Kitti Jenes) und das Biest (Sándor Barkóczi) zueinander finden? Sieht doch ganz danach aus!

Frankfurt - Der Winter ist für seine Tristesse gefürchtet. Die Weihnachtsdeko ist aus Straßen und Fenstern verschwunden, das Regenwetter trägt nicht zur Stimmungsaufhellung bei. Von Sebastian Krämer

Für Abhilfe sorgt das Budapester Operetten- und Musicaltheater mit „Die Schöne und das Biest“ in der Alten Oper Frankfurt. Bereits Jean Cocteaus schaurig-düstere Schwarz-Weiß-Verfilmung des französischen Volksmärchens aus dem Jahr 1946 setzte Maßstäbe; sie bereitete dem Fantasy-Genre den Weg. Heute verbinden sich mit der bekannten Ausdeutung des Stockholm-Syndroms vor allem der Zeichentrickfilm von 1991 sowie das im vergangenen Jahr erschienene Remake mit Harry-Potter-Star Emma Watson in der Hauptrolle der Belle.

Mit eben jener Belle beginnt auch die eigentliche Handlung. Als junge Büchernärrin in einer wenig kultivierten Dorfgemeinschaft eher geduldet als akzeptiert, wird die strahlende Schönheit (Kitti Jenes) vom Proll Gaston (Attila Németh) angebaggert. Trotz mehrfacher Zurückweisung lässt er nicht von seinem Plan ab, die Tochter des skurrilen Erfinders Maurice (Ottó Magócs) zu heiraten. Als der auf der Flucht vor Wölfen Schutz im Schloss des Biests (Sándor Barkóczi) sucht, wird er in einen Käfig gesperrt.

Belle überredet das Ungetüm schließlich, sie anstelle ihres Vaters gefangen zu nehmen. Da der verfluchte Prinz nur durch die Liebe einer Frau gerettet werden kann, nimmt er das Angebot an. Aus Gefangenschaft wird Liebe, als sie den liebenswürdigen Kern des garstig fauchenden Riesenpelzknäuels erkennt und ihn somit erlöst. Doch zuvor wird Belles Verehrer Gaston trotz einer diabolischen Intrige in die Flucht geschlagen.

Die Handlung steht bei der Premiere in Frankfurts gut besuchter Alter Oper nicht unbedingt im Vordergrund, was stellenweise der Artikulation und dem ungarischen Akzent der Darsteller geschuldet ist. Wesentlich erfreulicher sind der opulent-fantastische Reichtum an liebevoll gestalteten Kostümen und Lichteffekten sowie das effizient eingesetzte Bühnenbild, das besonders in den revue-artigen Sing- und Tanzpassagen eine tolle Wirkung entfaltet.

Mit Glanz und Glamour und kleineren akrobatischen Einlagen lässt das Ensemble unter Dirigent Tamás Bolba sowohl Kinder als auch ältere Zuschauer in eine Märchenwelt eintauchen. Und wenn Madame Pottine (Lilla Poyák) ausdrucksstark das Titellied anstimmt, mögen sich beim einen oder anderen die Härchen zu wohliger Gänsehaut aufstellen.

Mit Recht gilt Alan Menken, Schöpfer der preisgekrönten Musik, als Meister seines Fachs. Neben der Liebesballade „Märchen schreibt die Zeit“ begeistert vor allem die von Ensemble und Orchester dynamisch vorgetragene Nummer „Sei hier Gast“, mit Extrabeifall gefeiert. Nicht nur wegen dieses Solos avanciert Adám Balint zum Publikumsliebling.

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Außer einer weiteren Portion Gänsehaut bei der klug in Szene gesetzten Verwandlung des Biests und beim prachtvollen Finale bekommt das Publikum den einen oder anderen Ohrwurm mit auf den Heimweg. Ein besseres Mittel gegen den Winterblues lässt sich eigentlich nicht wünschen ...

Weitere Vorstellungen am Samstag, 13.30 und 18.30 Uhr. Karten: 069/1340400

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