Eigenständigkeit bleibt erhalten

Grünes Licht für Fusion von VVB Maingau sowie Volksbanken Frankfurt und Griesheim

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Eva Wunsch-Weber, Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Volksbank, wird in Zukunft mit Michael Mengler (links) von der VVB Maingau und Armin Pabst, Chef der Volksbank in Griesheim, das fusionierte Institut leiten.

Frankfurt - Nicht zuletzt die Niedrigzinspolitik der EZB macht den Banken in Deutschland zu schaffen. Die Volksbanken in der Region reagieren darauf mit einer Fusion. Von Marc Kuhn 

Die Vereinigte Volksbank (VVB) Maingau aus Obertshausen geht mit der Volksbank Griesheim und der Frankfurter Volksbank zusammen – wahrt aber weitgehend ihre Selbstständigkeit. Mittlerweile haben die Vertreterversammlungen aller drei Institute der Fusion zugestimmt. Damit rückt die zweitgrößte Volksbank Deutschlands in eine neue Dimension vor. „Ganz nach dem genossenschaftlichen Motto ,Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele’ wollen wir die zukünftigen Herausforderungen gemeinsam meistern“, sagte VVB-Chef Michael Mengler.

Armin Pabst, Vorstandsvorsitzender des Griesheimer Instituts, erklärte, sein Haus gehe „zur richtigen Zeit den richtigen zukunftsgerichteten Schritt“. Die Vorstandschefin der Frankfurter Volksbank, Eva Wunsch-Weber, betonte die Eigenständigkeit der fusionierten Geldhäuser: „Maingau bleibt Maingau und Griesheim bleibt Griesheim.“ Sie ergänzte: „Wir werden stärker sein als alleine.“ Der Zusammenschluss soll rückwirkend zum 1. Januar wirksam werden.

Nach der Fusion von Frankfurter Volksbank, VVB und Volksbank Griesheim wird das neue Institut über eine Bilanzsumme von 11,6 Milliarden Euro verfügen. Die Kundeneinlagen belaufen sich dann auf 9,4 Milliarden Euro, ihr Kreditvolumen auf 6,3 Milliarden Euro. „Mit Eigenmitteln von 1,5 Milliarden Euro, einer Gesamtkapitalquote von 22,2 Prozent und einer Kernkapitalquote von 19,7 Prozent erfüllt sie als eine der kapitalstärksten Banken in Deutschland problemlos alle aufsichtsrechtlichen Anforderungen“, berichteten die drei Institute. Mehr als 1700 Mitarbeiter werden künftig die über 600.000 Kunden und mehr als 257.000 Mitglieder in etwa 110 Geschäftsstellen und rund 60 SB-Stellen betreuen.

Der Vorstand der zusammengeschlossenen Volksbank werde in Zukunft mit acht Posten besetzt, sagte Wunsch-Weber. Fünf werden von der Frankfurter Volksbank besetzt, drei von der VVB. Zu ihnen zählt Vorstandschef Mengler, der für das Risikocontrolling zuständig sein soll. Sein Kollege Pabst wird Bereichsvorstand: „Ich werde für die Zweigniederlassung Volksbank Griesheim meine Arbeit vor Ort fortsetzen.“ Für die Frankfurter Volksbank ist es seit 1997 die 20. Fusion, die VVB ist 25 Zusammenschlüsse eingegangen.

Die Arbeitsplätze an den „VVB-Standorten und damit das Steueraufkommen, das den jeweiligen Kommunen zugutekommt,“ blieben erhalten, sagte Mengler. Nach den Worten von Pabst bleiben auch in Griesheim die 36 Jobs und drei Filialen erhalten. „Wir werden eine regionale Bank bleiben“, fügte die Chefin der Frankfurter Volksbank hinzu. Wunsch-Weber sagte weiter: „Es geht nicht nur um Wachstum, sondern auch um Synergieeffekte.“ In diesem Zusammenhang verwies sie beispielsweise auf den IT-Bereich.

Die Fusion der drei Banken geschehe nicht aus einer wirtschaftlichen Notlage heraus, erklärte Mengler. Die Institute seien kerngesund. „Alle drei Partner verfügen über sehr gute Marktanteile und eine enge Verbindung mit den Menschen in der Region“, sagte der VVB-Chef weiter. Seit der Finanzkrise hätten sich aber die Rahmenbedingungen verändert. „Durch die Fusion zu einer gemeinsamen Bank können wir den wachsenden Anforderungen besser gerecht werden“, erklärte Mengler.

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Ähnlich äußerte sich sein Griesheimer Kollege. „Als kleine genossenschaftliche Bank – mit einer Bilanzsumme von 322 Millionen Euro – stehen wir heute vor einer Reihe von Herausforderungen, die uns nicht nur belasten, sondern die langfristig die Zukunftsfähigkeit unserer Bank infrage stellen“, sagte Pabst. So klagte er über die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. „Wir sehen keine Möglichkeiten, die Langzeitwirkung dieser belastenden Zinspolitik durch ein höheres Provisionsergebnis oder durch weitere Kosteneinsparungen abzufangen“, berichtete Pabst. „Unsere wichtigste Ertragsquelle, der Zinsüberschuss, wird in den kommenden Jahren drastisch sinken – mit entsprechenden Folgen für unser Betriebsergebnis.“

Von erheblichen Herausforderungen sprach er auch im Zusammenhang mit der Digitalisierung. Zudem kritisierte Pabst die Vorschriften unter anderem der Europäischen Union, die nach der Finanzkrise eingeführt worden waren.  „Es sind die seit Jahren stetig wachsenden – und ich darf sagen: überbordenden – regulatorischen Anforderungen, denen wir ausgesetzt sind“, erklärte Pabst. „In immer kürzeren Abständen kommen neue Vorschriften auf uns zu.“ Zur Fusion fügte er hinzu: „Es wird uns eine große Last von den Schultern genommen.“

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