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Eine Cinderella – im besten Alter

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Renate Zott mag’s gern schön. Auf ihrem Internet-Blog „Topagemodel“ will sie nun der Modeszene gewissermaßen an den Kragen. Und endlich dafür sorgen, dass auch Frauen im besten Alter ihren glamourösen Auftritt bekommen.

Frankfurt - Bambibeine, Wespentaille, Pfirsichhaut: Models müssen vor allem eins sein: jung. Denkste, sagt Renate Zott. Die 51-Jährige wagt sich ins Jagdrevier der Schönheits-Idealisten, in dem jeder jenseits der 25 als Fall für die Altkleidersammlung gilt. Von Eva-Maria Lill

Sie bloggt im Internet über Kosmetik und Lebensklugheit. Warum „Top Age“ ganz groß im Kommen ist. Renate Zott stöckelt. Tack, tack, tack übers Pflaster ihres Innenhofs. Tippelschritte, größere lässt das enge Sweat-Kleid nicht zu. Die Hüfte links, die Hüfte rechts, ein schöner Schwan in Marineblau. Darunter trägt sie Bluse, bis zum Hals geschlossen. An den Handgelenken klackern Perlen. Ein Hochglanzlächeln. „Modeln ist für mich mehr als ein Hobby. Ich will ein Geschäft aufbauen“, ihr Mund wird ganz ernst dabei.

Wenn sie über Schönheit spricht, leuchtet alles an ihr. Renate Zott liebt, was sie tut. Sie ist Model. Genauer: Top Age Model. Seit Juli schreibt sie im Internet über alles, was Frauen jenseits der 50 interessiert. „Das ist eine Zielgruppe, die noch niemand erschlossen hat“, sagt die Frankfurterin. Sie selbst ist 51 – und sieht nicht ein, weshalb die Tür zu den Schlaksigen und Schönen für sie geschlossen bleiben sollte. Denn: Die „Best Ager“ sind keine Randgruppe. Rund 17 Millionen Frauen jenseits der großen Fünf gibt es. Und dank demografischer Entwicklung werden es mehr. „Trotz unserer Zahl finden wir uns in Werbung und Industrie nicht vertreten“, kritisiert Zott. Damit soll dank ihres Blogs bald Schluss sein. „Im Fernsehen stehen Frauen meines Alters höchstens für Inkontinenzmittel. Ehrlich: Davon fühle ich mich ganz schön weit weg.“ Daher heißt ihr Blog auch nicht Best Age, sondern Top Age. „Das klingt nicht so nach Rentner“, meint Zott.

Die Werbung ist feige, sagt der Beauty-Fan. „Es wird dauern, bis sich unsere Sehgewohnheiten angepasst haben, bis sich Marketing-Chefs trauen, auch älteren Frauen ihren Platz zu geben.“ Der Blick für Schönheit muss neu gelernt werden. Nicht nur von den Konsumenten, sondern auch von Designern. „Die werden schließlich nicht jünger“, merkt Zott an. Der Weg zur neuen Denke ist kein Catwalk. Mit Fotos unterm Arm schlenderte Zott etwa in den Lagerfeld-Laden in Frankfurt. Sie würde gern vor Karls Kamera, erklärte sie den Verkäufern. Diese nahmen zwar die Mappe, belächelten sie aber. „Ich will, aber die Leute lassen mich noch nicht, das nervt.“ Irgendwann, ist sie sicher, wird die Blase platzen, „wie in einem Champagnerglas werden wir an die Oberfläche prickeln.“ Bis dahin macht sie’s eben allein, das Top-Age-Modeln. Schon als Jugendliche hat sich Zott für Schönes interessiert. Allerdings: „In der Pubertät habe ich andere angeschaut und gesagt: Wow, so will ich auch sein.“ Zu Schulzeiten wird Zott gemobbt. Dann hungert sie sich runter. Erst beim Abiball ist sie mit sich zufrieden. Cinderella, sozusagen.

Archivbilder

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Doch ihre Leidenschaft gleich zum Beruf machen? Dafür fehlt ihr lange die Zeit. Mit 26 wird sie schwanger, ihr erster Mann verlässt sie vier Jahre später, ihren Sohn zieht sie allein groß. 22 Jahre arbeitet sie als Versicherungsmaklerin, lernt ihren zweiten Ehepartner kennen, managt mit ihm eine Haustechnikfirma. Dann rückt die Fünf näher. Die Krise klopft an. „Ich will mehr“, denkt sich Zott. Und fängt an zu schreiben, lässt sich fotografieren. Nicht einfach so, sondern weil sie berühmt werden will. „Wenn ich etwas mache, dann 200-prozentig“, sagt sie. Um mehr Menschen zu erreichen, übersetzt sie ihre Texte auch ins Englische. Eine gute Figur machte sie bei der Miss-Wahl 50 Plus in Berlin, sie kam unter die besten zehn – aus 500 Bewerberinnen.

Zotts Ziel ist es, für die Frau 50plus zu stehen, „für diejenige, die aufregend sein will, ein bisschen sexy, mittendrin“. Die nicht um acht ins Bett geht, nicht nur auf dem Sofa sitzt und auf die Ofenpizza wartet. „Klar gibt es solche, die mit dem Hausfrauendasein zufrieden sind. Aber die sind eh nicht meine Fans“, gibt Zott zu. Dennoch: Als Überfrau will sie trotz Traumkörper nicht gelten. „Es geht nicht darum, Top Ager unter Druck zu setzen, schöner zu sein. Sondern darum, sie zu inspirieren“, stellt die 51-Jährige klar.

Dafür gibt’s auf ihrem Blog Tipps. Ein Vorteil der älteren Damen sei, dass sie häufig über hochwertige Einzelstücke verfügen, die sich leicht mit Teilen etwa von H&M kombinieren lassen. „Viele wissen nicht, dass dieser Laden für sie interessant ist, weil H&M eben nur mit jungen Mädchen wirbt“, kritisiert Zott. Wichtig sei, Trends ins eigene Alter zu übersetzen. Gefragt sind aktuell zum Beispiel Schnürungen. Die Gefahr bestehe, rasch zu freizügig zu wirken. Zott empfiehlt: Unter Schnürschuhe Kniestrümpfe – „schon ist es extravagant, aber nicht zu gewagt“. Denn Minirock und Ausschnitt muss bei 50plus eben nicht mehr sein, sagt die Expertin. „Am wichtigsten ist eh Begeisterungsfähigkeit, dann kommt die Jugend von ganz allein.“

www.topagemodel.de

Von Eva-Maria Lill

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