Weiblicher Weltrettungsversuch

Geballte Frauenpower bei „All About Women“ im English Theatre

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Um starke Frauen geht’s im English Theatre Frankfurt.

Frankfurt - Die Welt, weiß Intendant Daniel Nicolai, ist aus den Angeln gehoben. Schon seit Jahren. „Erst“, sagt der Chef des English Theatre Frankfurt bei der Saisonvorstellung gestern, „haben wir mit amerikanischer Weisheit versucht, noch was zu retten. Dann mit britischer. Dann mit Monstern und nun dachten wir: Das einzige, was noch helfen kann, sind Frauen.“ Von Eva-Maria Lill

Nach den Mottos „Strictly American“, „Strictly British“ und „The Monster Within Us“ lautet die Spielzeit-Überschrift 2018/19 am English Theatre nun also „Strictly Female“. Los geht’s am 31. August (bis 18. Oktober) mit „The Lion In Winter“ von James Goldman. Das historische Drama, verrät Nicolai, sei ein „Stück der Gefechte“, klingenscharfe Dialoge und Degentänze in einem Spiel um Politik. Inszeniert und „entstaubt“ wird das sprachlich interessante Werk von Regisseur Derek Anderson, der in diesem Jahr das brillante „Hand To God“ unter seinen Händen wachsen ließ.

Wie es sich gehört, startet vor Weihnachten (3. November bis 10. März) ein Musical am Willy-Brandt-Platz. „Unser Dampfschiff“, nennt Nicolai die Inszenierung von „Cabaret“. Denn: Dieses Jahr traut sich das Theater einiges, setzt auf frische Stücke, nicht auf Klassiker. Da kommt ein Zuschauer-Garant wie „Cabaret“ gerade recht. Zumal es unter der Leitung von Tom Littler und Tom Attwood steht – welche schon die nicht nur laut Nicolai „außerordentlich gelungene“ Horror-Perle „Jekyll & Hyde“ verantworten durften.

Im neuen Jahr (22. März bis 5. Mai) folgt „Apologia“ von Alexi Kaye Campbell, eine schwarze Komödie um eine ‘68er-Revoluzzerin, die ihren Geburtstag feiert. „Sehr lustig“, verspricht der Intendant. „Im Witz steckt viel Wahrheit. Im Grunde ist es die Geschichte einer Familienparty, die schief geht.“ Die Saison schließt (17. Mai bis 28. Juni) mit „The Children“ von Lucy Kirkwood, einem Ökothriller.

„Das Stück beginnt als typische Dreiecksgeschichte“, erläutert Nicolai, „dann geht es aber um Atomenergie. Ein großartiger Plot, über den wir nicht zu viel verraten möchten.“ Außerdem verstärkt das English Theatre sein Engagement für Kinder und Jugendliche, etwa mit „The Little Red Dragon“ für Grundschüler oder „Homologie“, einer Reihe, bei der Malte Anders mit Klassen über Homosexualität und Vorurteile spricht. Nachdem es um die Finanzierung des Hauses lange nicht rosig bestellt war, schaut es nun besser aus.

Wie werde ich Modist/in?

Die Stadt Eschborn engagiert sich wieder mit 50.000 Euro im Jahr, auch Frankfurt hat seine Subvention angehoben. Daher, verrät Nicolai, darf das English Theatre mit seiner Auswahl mutiger sein. „Wenn Frau Hartwig in Frankfurt so Stücke haben will wie etwa aktuell ,The Invisible Hand’, muss man sich darauf einstellen, dass wir keine 90 Prozent Auslastung haben“.

Dies zeige auch „Hand To God“, dass in der noch laufenden Saison auf „nur“ 66 Prozent kam. „Wir brauchen den Freiraum, solche Stücke zu machen“, sagt Nicolai. Besser besucht waren „Jekyll“ (97 Prozent) und „Pygmalion“ (89). Insgesamt sahen die Saison bisher mehr als 60.000 Besucher. Zum Abschluss kehrt übrigens ein alter Bekannter zurück: Vom 15. Juni bis 8. Juli ist „The Hound Of The Baskervilles“ erneut zu erleben.

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