Parabel auf die Ohnmacht der Machthaber

Premiere der „Drei Opern“ am Sonntag

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Satirische Wende: Worüber der König (Davide Damiani ) in seinem zauberhaften Shakespeare-Wald am Ende regiert, werden die Besucher der „Drei Opern“ von Regisseur David Hermann zu sehen bekommen. 

Frankfurt - Ein Diktator, ein Boxer und ein König sind die machtbesessenen Protagonisten in den „Drei Opern“, die am Sonntag in Frankfurt Premiere feiern. Der gebürtige Wiesbadener David Hermann führt dabei Regie. Von Klaus Ackermann 

Der Zeitgeist kommt bei David Hermann nicht zu kurz. Auch in den 1928 in Wiesbaden uraufgeführten drei Kurzopern von Ernst Krenek erkennt der deutsch-französische Regisseur eine Parabel auf die Ohnmacht von Machthabern. Hatte Krenek (1900-1991) dazumal den Diktator Mussolini im Visier, der in Italien an die Macht kommen sollte, so scheinen in Hermanns Inszenierung Donald Trump und Recep Tayyip Erdogan nicht fern.

Aufstieg und Fall eines Machtmenschen sind Hermanns szenische Klammer um die Einakter „Der Diktator“, „Schwergewicht oder Die Ehre der Nation“ und „Das geheime Königreich“– eine Tragödie, eine Burleske auf die Roaring Twenties und ein Märchen. Mit Lothar Zagrosek dirigiert ein Spezialist für Moderne Musik das Opern- und Museumsorchester.

David Hermann 

„Hauptsache herrschen“, charakterisiert Hermann seinen Helden, mal als Diktator, mal als wankelmütigen König vor dem Abstieg. Dabei gehe es um politische, aber auch ganz persönliche Machtausübung. Zu sehen ist etwa auch eine Satire auf einen Schwergewichtsboxer mit Ehrendoktorwürde, der von seiner untreuen Ehefrau und deren Galan in den Schwitzkasten genommen wird. Dieses Intermezzo führt eine Schauspieltruppe zu Ehren ihres Diktators auf – und beziehe den Machthaber mit ins Spiel ein. Dabei denken die Akteure sogar kurz über ein Attentat nach, verrät Regisseur Hermann.

Er versichert, dass dies alles bestens mit Kreneks Musik harmoniere, der hier nach Verismo-Dramatik auch Operettenanklänge nicht verschmäht und zwischen Zwölftonmusik-Härte und märchenhaftem Melos changiert.

Der Diktator, mittlerweile zum König mutiert, befindet sich im freien Fall, was schon Kreneks instabile Tonalität bezeugt. „Im zauberhaften Shakespeare-Wald wird er über Bäume und Ameisen herrschen“, so der Regisseur zur satirischen Wende in einem Dreiteiler, bei dem der Narr wieder einmal die Wahrheit sagt, als wissender Spielleiter stets auf der Bühne.

Sieben europäische Städtereisen für Individualisten

Die Oper Frankfurt ist eine Konstante in der Karriere des jungen, in Würzburg geborenen Regisseurs David Hermann, der mittlerweile an den großen Bühnen nachgefragt, bei den Salzburger Festspielen geadelt und mit vielen Komponisten von Monteverdi über Mozart, Verdi bis hin zu Richard Wagner vertraut ist. Dessen „Ring“ steht noch auf dem Wunschzettel des Wahl-Berliners. Demnächst wird er erst einmal eine Oper des zeitgenössischen Komponisten Anno Schreier uraufführen.

Die Liebe zur Tonkunst hatte Hermanns Würzburger Musiklehrer erweckt, was ein Studium der Opernregie an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin nach sich zog. Nach den ersten vier Semestern habe er sich noch ein wenig unglücklich gefühlt, wie Hermann freimütig bekennt. Erst die Assistenz bei dem in Frankfurt zur Gielen-Ära groß gewordenen Altmeister Hans Neuenfels und der Erste Preis beim Internationalen Regie-Wettbewerb 2000 in Graz brachten den Durchbruch. Dass er sich bei Premieren am liebsten hinter der Bühne versteckt, ist freilich reine Nervensache.

„Drei Opern“, Premiere am Sonntag, 18 Uhr, Oper Frankfurt

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