Erfolg für Artenzucht

Löwen-Drillinge zeigen sich erstmals öffentlich

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Einen Ausflug durch das Gehege unternehmen die kleinen Junglöwen bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt im Zoo Frankfurt, während Mutter "Zarina" die Medienvertreter anfaucht. Sie hatte am 14. April Drillinge zur Welt gebracht.

Frankfurt - Noch ein bisschen tapsig, aber bereits recht neugierig: Zum ersten Mal seit 15 Jahren sind im Frankfurter Zoo Löwenbabys zu sehen. Die drei Jungtiere, die Mitte April geboren wurden, dürften ein Besuchermagnet werden. Für die Erhaltung der Asiatischen Löwen ist ihre Geburt ein wichtiger Erfolg.

Der Niedlichkeitsfaktor ist enorm: Flauschig, samtpfotig, neugierig haben die drei noch namenlosen Löwenbabys im Frankfurter Zoo das Potenzial, zu Besucher-Lieblingen zu werden. Seit Mittwoch sind sie auch für die Öffentlichkeit zu sehen - jedenfalls, so lange Mutter "Zarina" das zulässt. "Wir glauben, zwei von ihnen könnten Männchen sein", verrät Tierpflegerin Anni Fuchs. Sicher ist das allerdings erst, wenn sie in etwa zwei Wochen ihre erste Impfung erhalten und die Zoo-Mitarbeiter ganz genau hinschauen können.

Für Zoodirektor Miguel Casares sind die drei noch namenlosen Jungtiere nicht allein als Besuchermagnet von Bedeutung. Denn die Geburt der kleinen Löwen ist ein Beitrag zur Erhaltungszucht Asiatischer Löwen in Zoos weltweit: Nur noch rund 500 der bedrohten Raubkatzen leben in freier Natur in einem indischen Nationalpark. Mehrere hundert Löwen leben in Zoos, Botschafter ihrer Art wie auch anderer bedrohter Tierarten.

Für Mutter "Zarina" war es die erste Geburt, nach einer stürmischen Romanze mit "Kumar", ihres erst im vergangenen Jahr nach Frankfurt gekommenen Gefährten. Zuvor hatte sie seit 2014 das Löwengehege mit "Kashi" geteilt, der im vergangenen Juli eingeschläfert werden musste. Die beiden Tiere verstanden sich zwar gut, doch Nachwuchs stellte sich nicht ein. "Kumar" hingegen kam nach der Eingewöhnungsphase schnell zur Sache und bereits im zweiten Anlauf klappte es mit der Löwen-Schwangerschaft.

Zoodirektor Casares und die Tierpfleger dürften vor allem kurz nach der Geburt etwas nervös gewesen sein: "Beim ersten Wurf weiß man nie, wie sich die Mutter verhält, das ist immer ein Fragezeichen - egal ob Großkatze oder Hauskatze", sagt Casares. Um so größer war die Erleichterung, als sich die junge Löwin als liebevolle Mutter erwies: "Sie macht das ganz wunderbar", lobt Casares.

"Kumar" hat das neue Familienleben bisher nur aus der Ferne verfolgen können, abgetrennt von Löwin und Jungtieren, die er allerdings sehen und riechen kann. Allerdings: "Er ist sehr an den Jungen interessiert", sagt Revierpflegerin Fuchs. "Seit der Geburt der Jungen will er ständig in der Nähe sein."

Auch wenn im Gehege normalerweise der Löwen-Mann das Sagen hat und seine Dominanz zeigt - "Zarina" hat sich als wahre Löwenmutter auch gegenüber ihrem Gefährten anfangs ausgesprochen aggressiv gezeigt, um ihre Jungen zu verteidigen. Mittlerweile ist sie etwas relaxter - was vielleicht auch am Verhalten des neuen Familienvaters liegt. Am Mittwoch allerdings zeigt sie vor den ersten Besuchern fauchend Zähne, wenn sie die Jungen durch zu viel Aufmerksamkeit bedrängt sieht.""Kumar" verhält sich wie ein echter Gentleman", sagt Casares. "Wenn er merkt, dass "Zarina" ihn nicht in der Nähe haben will, geht er weg." Etwas gebe es aber immer zu bedenken: "Das sind Wildtiere, hundertprozentige Kontrolle haben wir nicht." "Kumar" sei allerdings schon im Dubliner Zoo Vater geworden und habe dort die Aufzucht von Jungen miterlebt. "Da hat er nie Probleme gemacht", sagt der Zoodirektor über die künftige Familienzusammenführung in vielleicht einem Monat. "Und "Zarina" wird ihm natürlich zeigen, wo die Grenzen sind. Da ist sie nun die Chefin."

Und wie wichtig sind die kleinen Löwen, die nun in Frankfurt von ihrer Mutter aufgezogen werden, für die Erhaltung ihrer Art? "Asiatische Löwen sind hoch bedroht in der Natur", betont Casares. "In den Zoos nimmt die Population zu." Vor rund 20 Jahren habe das europäischen Zuchtprogramm mit etwa zehn Tieren begonnen - mittlerweile gibt es in den europäischen Zoos etwa 150 Asiatische Löwen. Damit die genetische Vielfalt gewahrt bleibt, kamen in der Vergangenheit auch immer wieder Löwen aus dem indischen Nationalpark zum Einsatz. "Für das Erhaltungsprogramm ist jeder einzelne Löwe hochwichtig", versichert Casares.

Für die Mini-Raubkatzen steht derzeit allerdings Spielen, Kuscheln und Schlafen im Vordergrund. Dass aus Löwenbabys schnell Großkatzen werden, zeigt aber bereits der Speiseplan: Die Jungen werden nicht nur gesäugt, sondern finden auch schon an den Fleisch-Futterbrocken ihrer Mutter Gefallen, sagt Fuchs. "Gestern haben sie zum ersten Mal ein eigenes kleines Stück Fleisch erhalten." (dpa)

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