Etwas andere Trommeleien

Superstar Martin Grubinger in Alter Oper

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Die Alte Oper in Frankfurt

Frankfurt -  Die Alte Oper ist derzeit seine zweite Heimat. Nach heftigen Trommeleien in der langen Nacht des „Focus Sport“, erwies sich der schlagwerkende Schwerathlet Martin Grubinger einmal mehr als Hans Dampf an Fellen, Becken, tönenden Holzplatten und Glocken. Von Klaus Ackermann

In Werken der Zeitgenossen Peter Eötvös und Keiko Abe, die Körper und Geist gleichermaßen forderten. Nach solch kunstfertigem Gedonner brachte indes auch die düstere Manfred-Sinfonie von Tschaikowsky nur stellenweise klangliche Milde, vom russischen Dirigent Vasily Petrenko zum hr-Sinfonieorchester-Einstand aufgelegt. Wie eine Schlagzeug-Ausstellung wirkt die Bühne der Alten Oper, die Holz- und Blechbläser, Streicher samt Harfe und Celesta im Hintergrund platziert. Doch es ist nur einer, der von Station zu Station hechtet. Ein schlaksiger junger Mann aus Salzburg, der die „Speaking Drums“ des ungarischen Neutöners Eötvös so genial handhabt, dass einem Hören und Sehen vergeht. Schließlich gilt es hier, in vier Gedichten für Solo-Schlagzeug und Orchester die Trommeln zum Sprechen zu bringen.

Das gelingt Grubinger mit rabiater Ansprache eines dadaistisch anmutenden Textrhythmus, der nach „Tanzlied“ und „Nonsense Songs“ in einen Urschrei mündet. Das kann man ernstnehmen, muss es aber nicht - wie manch unverhohlenes Prusten im großen Saal ahnen lässt. Grubingers Spiel auf Kesselpauken, Trommeln und Glocken macht schon Staunen. Cellogesang und feiner Waldhorn-Ton sorgen bei der „Prism Rhapsody“ für Marimbafon und Orchester der Japanerin Keiko Abe für behaglichere Klangmomente. Und nach schier atemraubenden Klöppeln in „Sechs-Schlegel-Technik“ dürfen auch die Schlagzeuger des hr-Sinfonieorchesters ran, Grubingers Trommelfeuer auf dem Marimbafon Paroli bietend. Ein Teufelskerl, aber durchaus irdisch verortet. Das beweist der „Bayernschal“, am Trommel-Galgen.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Hat sich Vasily Petrenko beim Getrommel schon als Stichwortgeber bewährt, so wird er in der „Manfred-Sinfonie“ (nach Lord Byron) zum Ankurbler einer Tragödie um einen getriebenen Menschen. Ein idealer Stoff für Tschaikowsky, der Manfred klanglich durch die Hölle treibt, im Feenspuk mit erlesenen Holzbläser-Mixturen aufwartet, in der Pastorale das einfache Leben propagiert, im Hexensabbat Goethes Faust beschwört und final hymnische Orgelklänge generiert.

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