Idee des Regionalverbands

„Es fehlt nur noch die Kirche“

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Das Main-Taunus-Zentrum und seine rot eingezeichnete Stadt – so sieht der Vorschlag des Regionalverbands aus.

Frankfurt/Sulzbach - Eine Institution, die nicht regelmäßig für Schlagzeilen sorgt, hat einen Vorschlag gemacht, der für Diskussionen sorgen wird: Der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main will neben dem Main-Taunus-Einkaufszentrum (MTZ) bei Sulzbach eine Kleinstadt bauen. Von Michael Eschenauer 

„Es fehlen nur noch Wohnungen und eine Kirche, dann ist die Stadt perfekt“, so der Direktor des Regionalverbands, Thomas Horn (CDU), der zusammen mit seinen Stellvertreter Rouven Kötter (SPD) als Vater der Idee auftritt. 6 000 Menschen könnten künftig auf einem am MTZ geschaffenen, mit Grünflächen aufgewerteten Wohnareal von 70 Hektar leben. Als „Innenstadt“ der Siedlung, so Verbandsdirektor Thomas Horn (CDU), fungiere das mit einer extrem breiten und kleinteiligen Struktur ausgestattete Einkaufszentrum. Da gebe es praktisch alles vom Arzt über die Kneipe bis zum Supermarkt. Was fehle, sei die dazugehörige „Stadt“. Horn begeistert: „Das ist genial. Sie können davon ausgehen, dass es Sondierungsgespräche gab. Das Vorhaben ist mehrheitsfähig in den regionalen Gremien.“ Das Entwickeln von isolierten Wohninseln auf der grünen Wiese sei nicht zeitgemäß. Der Charme des Projekts sei ferner, dass die Strukturen des nahen Sulzbachs nicht beeinträchtigt würden.

Das im Jahre 1964 errichtete MTZ liegt zwischen dem Frankfurter Stadtteil Höchst und den Gemeinden Sulzbach und Liederbach. 51 000 Arbeitsplätze gibt es nahe dem Quartier. Eine derartige Jobdichte finde man nirgendwo sonst in Deutschland, sagt Horn. Angebunden ist das MTZ durch die   A 66 und die vierspurige  B 8.

Die von den umgebenden Wohnsiedlungen isolierte Lage gilt an sich als problematisch, das weiß auch Horn. Da der Einkaufs-Komplex aber nun einmal existiere, sei es sinnvoll, ihn weiterzuentwickeln. Das Vorhandensein einer faktischen Innenstadt verhindere, dass hier eine reine Schlafsiedlung entstehe. „Schon immer sind Städte rund um Handelszentren entstanden“, bemüht der Regionalverbandschef die Geschichte. Ungünstig ist die autolastige Anbindung von „MTZ-City“. So existiert kein S-Bahn-Halt, die Regionaltangente West bleibt auf Distanz, der öffentliche Nahverkehr erschöpft sich in Bussen, und die Straßen gelten jetzt schon als zeitweise überlastet. Horn verweist als Alternative auf das Rad. Der S-Bahnhof von Höchst sei nicht weit entfernt. Das MTZ-Städtchen, meint er, könnte zum Vorzeigeprojekt für interkommunale Kooperation werden.

Nun liegt der Ball auf dem Spielfeld der Gemeinden Sulzbach und Liederbach sowie des großen Nachbarn Frankfurt. Nur sie können entsprechende Änderungen der Flächennutzung beantragen. Direkt beteiligt ist der Regionalverband nicht. Seine Aufgabe ist es, die Pläne der Flächennutzung in den 75 in ihm organisierten Kommunen aufeinander abzustimmen, er kann bestenfalls als Ideengeber wirken.

Der Vorstoß beeinflusst auch eine andere Debatte zum Thema Schaffung von Wohnraum im Ballungsgebiet: Die Stadt Frankfurt will, wie bekannt, an der A 5 ein Viertel für bis zu 30 000 Menschen errichten, stößt damit aber auf vehementen Widerstand der Anlieger-Kommunen. Eines der Hauptargumente gegen das Projekt: Es drohe die Entstehung einer Schlafstadt mit gettoähnlichen Strukturen. Dies immerhin könnte, so scheint es, durch das pulsierende Einkaufszentrum MTZ vermieden werden.

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