Fleischskandale

Weniger ist manchmal mehr

Man muss kein Vegetarier oder Veganer sein, um die Zustände in der fleischverarbeitenden Großindustrie zu kritisieren. Von Niels Britsch

Zustände, die schon seit Jahren existieren, über die sich aber bisher kaum jemand aufregte – außer eben ein paar Grünzeug- und Körner-Fundamentalisten oder Tierschutzorganisationen, deren Mahnungen und Warnungen mitunter einen arg missionarischen Eindruck machen und deswegen vom überzeugten Fleischesser oft nicht ernst genommen werden oder gar auf Ablehnung stoßen.

Erst im vergangenen Jahr sorgte der Fleischskandal beim nordhessischen Hersteller Wilke für Aufregung. Sogar Menschenleben fielen den Hygienemängeln zum Opfer, kritisiert wurden damals auch die Behörden für ihre mangelhaften Kontrollen.

Auf die Politik und die zuständigen Ämter können sich die Verbraucher anscheinend nicht verlassen, das zeigt der Fall Wilke, und das zeigen unzählige Lebensmittelskandale zuvor. Der politische Einfluss der Großindustrie ist wohl zu groß.

Es wird sich nichts ändern, wenn die Verbraucher nicht ihr Konsumverhalten korrigieren. Es muss niemand auf seinen Sonntagsbraten verzichten, und Fleisch soll auch nicht zum Luxusgut werden, doch anstatt sich jeden Abend ein ungesundes Schnitzel oder den Hamburger aus Billigfleisch reinzustopfen, darf es gerne nur alle paar Tage oder gar nur einmal wöchentlich ein gesundes Stück Fleisch sein – vom Metzger des Vertrauens um die Ecke. Erst wenn die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Produkten steigt und die nach Billigfleisch sinkt, findet eventuell ein Umdenken bei den Verantwortlichen statt. Vielleicht können die Verbraucher so eine Verbesserung der Lebensbedingungen für Tiere und Beschäftigte der Fleischindustrie erzwingen. Gesünder ist’s allemal.

niels.britsch@op-online.de

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