Flughafenchef: Protest ist verständlich

Fraport steht zum Lärmschutz

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Fraport-Chef Stefan Schulte.

Frankfurt - Die neue Nordwest-Landebahn ist wichtig, der Lärmschutz auch. Vor der 100. Fluglärm-Demo im Terminal 1 des Flughafens hat dessen Chef Stefan Schulte versprochen, dass die Suche nach lärmmindernden Maßnahmen weitergeht. Von Michael Eschenauer

Gleichzeitig unterstrich er die große wirtschaftliche Bedeutung des Airports. Eigentlich, so Schulte in einem Statement gestern in der Lobby der Fraport-Zentrale, sei der Bau der Landebahn-Nordwest vor zweieinhalb Jahren sogar noch zu spät erfolgt. Der Grund: Für die Wirtschaft seien internationale Flugverbindungen essentiell. Schulte zitierte eine Studie des Ifo-Instituts, wonach 80 bis 90 Prozent der Maschinenbau-, Chemie- und Kfz-Industrie die Anbindung als wichtig, beziehungsweise sehr wichtig einstufen. 116.000 Arbeitsplätze hängen nach Schultes Darstellung direkt oder indirekt vom Flughafen ab.

Die Nordwest-Landebahn habe dazu beigetragen, dass Staus und Verspätungen weniger geworden seien. Dies sei deshalb wichtig, weil genügend Kapazität den Verkehr von großen Flugzeugen erleichtere. „Wir haben drei Prozent Wachstum bei den Passagierzahlen und werden 2014 fast 60 Millionen Passagiere begrüßen können“, sagte Schulte. Gleichzeitig sinke die Zahl der Flugbewegungen, weil größere Maschinen eingesetzt würden. Dies entlaste die Region vom Lärm. Der Transport von immer mehr Passagieren bei immer weniger Flugbewegungen sei eines der Ziele von Fraport.

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An die Demonstranten gewandt, die am Montag zum 100. Mal für ein längeres Nachtflugverbot, eine Begrenzung der Starts und Landungen und gegen den Bau des dritten Terminals demonstrieren, sagte Schulte: „Ich ärgere mich nicht über die Demonstranten, sondern darüber, dass Manches an Lärmschutz nicht schneller umgesetzt werden kann.“ Protestieren sei ein Grundrecht. Man habe sich am Flughafen auf die montäglichen Aktionen, die aus subjektiver Sicht nachvollziehbar seien, eingestellt. Sie zeigten, „dass wir dranbleiben müssen.“

Man fühle sich für Lärmminderung in der Verantwortung. Schulte erneuerte die Zusage, dass die Lärmpausen, bei denen es durch eine selektive Nutzung des Bahnensystems im Idealfall möglich wird, das Nachtflugverbot von sechs auf sieben Stunden auszuweiten, bis April 2015 kommen werden. Das Terminal 3 bleibe aber in der Bedarfsprüfung. Die im Zuge der Mediation und später vereinbarten Lärmschutz-Maßnahmen würden nach Möglichkeit umgesetzt. „Das ist für uns ein prioritäres Thema“. Man spiele hier international eine Vorreiterrolle.

Menschenkette gegen Fluglärm

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