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Corona sorgt für Chaos vor dem Bürgeramt Frankfurt: Sicherheitsdienst überfordert

Nachdem der Sicherheitsmitarbeiter den Pulk am Eingang des Bürgeramts an der Zeil aufgelöst hat, reicht die Schlange fast bist zur Friedberger Anlage.
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Nachdem der Sicherheitsmitarbeiter den Pulk am Eingang des Bürgeramts an der Zeil aufgelöst hat, reicht die Schlange fast bist zur Friedberger Anlage.

Die Einlassbestimmungen sorgen für Verwirrung, vor dem Bürgeramt in Frankfurt stehen die Menschen Schlange und Corona-Abstandsregeln werden ignoriert. Das zuständige Dezernat verspricht Abhilfe.

  • Der Einlass in das Bürgeramt Frankfurt ist wegen der Corona-Beschränkungen begrenzt.
  • Vor dem Gebäude stehen Menschen Schlange und warten, bis sie vom Sicherheitsdienst aufgerufen werden.
  • Zukünftig sollen neben dem Sicherheitsdienst Schilder eingesetzt werden, um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren.

Frankfurt - A. Mooser ist genervt. Eigentlich will der 26-Jährige nur kurz einen Ausweis abholen. Jetzt steht er vor dem Zentralen Bürgeramt in der prallen Sonne - zusammen mit etwa 50 anderen Wartenden. Was genau los ist, wissen die Wenigsten, viele sind nervös. Wenn man im Bürgeramt zu spät zu einem Termin kommt, verfällt er. Deshalb bilden sich vor der Türe immer wieder Menschenpulks, die Abstandsregeln werden ignoriert.

In der Mitte des Pulks kämpft ein Mann darum, die Ordnung wiederherzustellen. Die gelbe Weste kennzeichnet ihn als Sicherheitsbeamten "Zehn" brüllt er und meint damit, dass nun diejenigen eintreten dürfen, die einen Termin um 13.10 Uhr haben. Doch das erschließt sich den wenigsten - wenn sie seine Ansage überhaupt hören. Es ist 13.30 Uhr.

Bürgeramt Frankfurt: "Ist das alles unorganisiert hier"

Mooser hat einen Termin um 13.35 Uhr. "Ist das alles unorganisiert hier", schimpft er. "Es ist ja gut, dass man digital Termine ausmachen kann, aber dann muss man sie auch operativ umsetzen können." Stattdessen: Chaos. "Entweder, es müssen weniger Termine vergeben werden oder es muss mehr Sicherheitspersonal her."

Zuständig fürs Bürgeramt ist das Dezernat von Jan Schneider (CDU). "Wir versuchen, so viele Kunden wie möglich zu bedienen", sagt dessen Sprecher Günter Murr. Durchschnittlich würden in allen Bürgerämtern zusammen im Moment 7300 Termine pro Woche vergeben, im Mai waren es 6000. Die höhere Kundenzahl erhöhe allerdings auch die Störanfälligkeit. Normalerweise arbeiten die Bürgerämter mit einem Mischsystem: Sie vergeben Termine, aber wenn jemand den Termin nicht wahrnimmt, werden spontan Kunden ohne Termin dazwischengeschoben.

Neun Prozent derer, die einen Termin im Bürgeramt Frankfurt haben, erscheinen nicht

Während Corona geht das nicht, da sich nur eine bestimmte Zahl an Personen im Gebäude aufhalten darf. Doch etwa neun Prozent derer, die einen Termin haben, erscheinen nicht. "Um einen Leerlauf zu vermeiden, müssen wir uns also herantasten, wie viele Termine wir vergeben können", sagt Murr. Zumal es sich um einen dynamischen Prozess handle: Nach und nach würden immer mehr Dienstleistungen wieder angeboten, im Moment etwa sei die Führerscheinausgabe dran. Das verändere auch die Nachfrage. Murr betont jedoch: "97 Prozent der Kunden können direkt zum gebuchten Termin oder mit längstens 15 Minuten Wartezeit bedient werden."

Dem Mann vom Sicherheitsdienst reicht es jetzt. "Ich habe das Hausrecht, wenn Sie nicht vom Eingang weggehen, lasse ich einfach keinen mehr rein", brüllt er. Dann beginnt er, die Menschen aus dem Pulk nach hinten zu scheuchen.

Viele lassen sich nur widerwillig von ihm treiben, eine junge Frau, die nur Englisch und Französisch spricht, guckt dem Mann völlig irritiert hinterher. Mooser schüttelt den Kopf. "Frankfurt ist doch eine internationale Stadt. Wieso kann der Mann kein Englisch?"

Bürgeramt Frankfurt: Zukünftig könnten Schilder den Ablauf erklären

"Wir haben mit dem Sicherheitsdienst gesprochen, und ihn für eine höfliche Ansprache sensibilisiert", sagt Murr. Weil die Security sehr kurzfristig beauftragt werden musste, seien Fremdsprachen kein Teil der Leistungsbeschreibung gewesen. Doch auch dem Dezernat ist klar, dass damit das Problem nicht gelöst ist. Deshalb werde nun darüber nachgedacht, Plakate anzubringen, die den Ablauf erklären. "Vielleicht ist es auch eine gute Idee, dass der Sicherheitsdienst mit einem Schild arbeitet, das zeigt, wer gerade eingelassen wird. Auch da sind wir am überlegen", sagt Murr.

Wichtig sei für die Bürger vor allem eines: Sich zu merken, dass sie erst zum Zeitpunkt des Termins ins Haus dürfen. Wer um 11 Uhr einen Termin hat, muss also auch erst um 11 Uhr da sein - obwohl er sich im Bürgeramt noch anmelden und zum Wartebereich gehen muss. Murr verspricht: "Kein Termin verfällt."

Frankfurt: Kontaktlose Verfahren sind laut Bürgeramt kompliziert

Mooser hat dem Sicherheitsdienst mittlerweile seine Terminnummer genannt, ist eingelassen worden, hat sie an der Anmeldung gegen eine Wartenummer getauscht und innerhalb von drei Minuten seinen Ausweis bekommen. "Hätte man den nicht einfach schicken können?", fragt er, bevor er sich verärgert auf den Weg zurück zur Arbeit macht.

Kann man, sagt Murr. Zumindest, solange die coronabedingten Einschränkungen noch gelten. Allerdings muss man dazu vorher postalisch bestätigen, dass man seinen Pin-Brief bekommen hat, und dann, weil es sich um eine Art verschärftes Anschreiben handelt, auch zu Hause sein, wenn der Ausweis geliefert wird. Ein weniger kompliziertes Verfahren, sagt Murr verbiete der Gesetzgeber, genauso wie etwa Wohnungsan- und ummeldungen ohne persönlichen Kontakt. Dennoch tue die Stadt, was sie könne. Immerhin: "Melderegisterauskünfte bekommt man mittlerweile auch online." (Von Sarah Bernhard)

Eine Analyse von Daten der Oxford-Universität legt nahe: Gleich zehn Ländern könnte eine zweite Corona-Welle drohen. Unter ihnen: Deutschland.

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