Dschingis Khan lässt grüßen

Exotische Klänge Sibiriens in Frankfurt zu hören

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Sholban Mongush entlockt der traditionellen Pferdekopfgeige elegische Melodien.

Frankfurt - Mal eben aus aus der russischen Teilrepublik Tuwa via Moskau nach Frankfurt zu jetten, um sich auf die Bühne zu stellen und ein Konzert zu spielen, nötigt Respekt ab. Von Detlef Kinsler

Bei einem Flug von fast dreizehn Stunden, Eincheck- und Umsteigezeiten nicht berücksichtigt, hätten die Musiker eigentlich groggy sein müssen. Der Auftritt von Yat-Kha war allerdings völlig müdigkeitslos, als das Quartett im Veranstaltungshaus HoRsT in den Adlerwerken Frankfurt die Fans von Kehlkopf- und Obertongesang beglückte.

Selten genug kann man diese faszinierenden Klänge aus der autonomen Republik im südlichen Sibirien und der benachbarten Mongolei hierzulande hören. Neben Yat-Kha gibt es zwar noch die Musikgruppe Huun-Huur-Tu, die öfters mal auf Europatournee ist. Deren Musiker treten in farbenprächtigen Gewändern auf, begleiten sich auf traditionellen Instrumenten und huldigen dem Pferd, dem populärsten Nutztier der Region. Auch Dschingis Khan lässt grüßen. Yath-Kha aber ist anders.

Albert Kuwesin, der Gründer von Yat-Kha (was „armer kleiner Bruder“ heißen soll), positioniert sich und seine Mitstreiter nicht als Folk-Musiker. Der Mann war in seiner Jugend Punk, arbeitete in Moskau mit der elektronischen Avantgarde. Bei Yat-Kha gibt er mit seiner Gibson Les Paul den Rock’n’Roller, ohne dabei seine Herkunft zu verleugnen.

Er beherrscht den Kanzat Kargyraa (tiefen Kehlgesang) und reizt den gänsehauterregenden Gutturalklang in den Tiefen aus. Ein höllisches Vergnügen, das seine himmlische Entsprechung erfährt, wenn Sholban Mongush mit flirrenden Obertönen antwortet und zudem mit schönen, elegischen Melodien auf der zweisaitigen Pferdekopfgeige (Igil) für Sentiment im Sound des Quartetts sorgt.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Bassist Theodore Scipio und Drummer Evgeny Tkachov steuern dynamische Grooves bei, die oft eine hypnotische Qualität entwickeln. Yat-Kha sind für Überraschungen gut. So covern sie Bob Marleys „Exodus“ und erweisen dem grandiosen Frank-Zappa-Spezi Captain Beefheart mit „Her Eyes Are A Blue Million Miles“ ihre Referenz, daneben auch Joy Divison („Love Will Tear Us Apart“) und Rock-Legende Iron Butterfly. Mit deren „In-A-Gadda-Da-Vida“ begeben sie schon einmal geistig auf den Weg zum Hippie-Festival „Burg Herzberg“, bei dem sie danach auftreten.

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