„Ich freue mich einfach darauf, hier studieren zu dürfen“

Frankfurter Goethe-Uni begrüßt neue Studenten: mehr als 8200 Erstsemester

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Die einzelnen Lehramts-Tutorien, die die Erstsemester über den Campus Westend führen, haben sich nach Clubs in Frankfurt benannt, hier beispielsweise Silbergold (Silber Gold). 

Viel los bei der Begrüßung der Erstsemester an der Frankfurter Goethe-Uni. Neben Reden und einer Unistart-Messe gab es lustige Rallyes, einen verunglückten Brad Pitt und andere Superhelden.

Frankfurt - Brad Pitt wird in der Mensa vom iPhone erschlagen. Am Eingang des Hörsaalzentrums werden währenddessen bunte Luftballons in Form einer Blume und alkoholfreies Bier verteilt. Und Erstsemester Kim (20), die fürs Studium aus Regensburg nach Frankfurt gezogen ist, erzählt: „Ich fühle mich ein bisschen verloren. 

Ich studiere im Hauptfach English Studies und im Nebenfach Koreanisch und musste viele der Informationen zum Studium selbst rausfinden. Die Orientierungsveranstaltungen sind viel zu spät angesetzt.“ Ganz schön viel los an diesem Donnerstag, dem Tag der Begrüßung der Erstsemester an der Frankfurter Goethe-Uni.

Frankfurt: Erstsemester an der Goethe-Uni - Improtheater im Hörsaal

Ach ja, keine Sorge, der echte Brad Pitt lebt noch. Sein Mord ist nur Teil des Impro-Theaters „Schauspielhelden“, das im voll besetzten Hörsaal auf dem Campus Westend zur Erheiterung und Begrüßung der Erstsemester auftritt. Im Uni-Alltag bieten die Mitglieder auch Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene an. 

Stadtrat Mike Josef (SPD) ist gekommen, um ein paar Worte zu sprechen. Er selbst war vor 15 Jahren ein Erstsemester an der Goethe-Uni, erzählt er. Er versucht die Studierenden zu motivieren, nicht nur zu studieren, sondern sich auch zu engagieren. Das sei wichtig, um auch persönlich zu reifen. „Wir brauchen mehr Querdenker in Frankfurt“, sagt Josef.

Goethe-Uni in Frankfurt: Stadtrat Mike Josef begrüßt Erstsemester

Er selbst habe damals beim Asta erfolgreich gegen Studiengebühren gekämpft. Uni-Präsidentin Birgitta Wolff betont, dass es hier an der Goethe-Uni anders sei als an anderen Unis, wo Erstis begrüßt würden mit knallharten Angstsätzen wie: „Schauen Sie nach links, schauen Sie nach rechts. Nur einer von dreien wird am Ende einen Abschluss machen.“ Das wollten sie in Frankfurt nicht. „Wir wollen, dass alle den Abschluss machen“, betont Wolff.

Gleichzeitig sagt sie aber auch: „Studieren ist eine Aktivität, die mit Eifer zusammenhängt.“ Und gerade der Anfang des Studiums sei vergleichbar mit dem Erlernen vom Geigespiel. „Am Anfang quält man sich und alle um sich herum.“ Später aber habe man, wenn man fleißig sei, eben den tollen Sound, um im Orchester mitzuspielen. 

Emanuel Vogenauer (25) ist aus Niedersachsen nach Franikfurt gezogen. Er hat vorher vier Jahre als Pferdewirt gearbeitet, um sich sein Studium leisten zu können.

Ein paar Studi-Jungs besprechen derweil ihre Basic-Sorgen. „Hast du schon deinen Stundenplan erstellt, Digga?“ Woraufhin sein Studienkollege antwortet: „Nee, Alter, du? Ich habe da keinen Plan. Lass uns das zusammen machen.“ Ein anderer fürchtet, dass es schwer sein könnte, an der großen Uni soziale Kontakte zu finden.

„Also beim McFit geht das schnell, aber ich bin mir nicht sicher, wie leicht das an der Uni ist, neue Leute kennenzulernen.“ Eine Möglichkeit dazu gibt es an diesem Tag bei der Campusführung des Lehramtsstudiengangs Politikwissenschaft (Powi). 

Frankfurt: Viele Stände bei Uni-Start Messe - Erste Kontakte knüpfen

Alex (23) trägt wie ein Superheld ein goldfarbenes Cape, hält das Schild „Silber-Gold-Tutorium“ hoch und führt die Erstis an. „Es gibt 23 Tutorien bei den Lehramtsstudiengängen. Und wir haben uns nach dem Frankfurter Clubnamen Silbergold benannt“, sagt er und lacht. Gleich geht es noch zur Unistart-Messe, wo sich an Ständen alles vom Studien-Service-Center bis zur studentischen Literaturzeitschrift Johnny, die nach Werken von Erstautoren sucht, vorstellt.

Erstsemester Emanuel Vogenauer, der aus Bippen in Niedersachsen nach Frankfurt gezogen ist, hat schon schnell Kommilitonen-Kontakte geknüpft. Bei der Lehramts-Orientierungswoche habe es nicht nur viele Infos, sondern auch Campus-Rallyes inklusive Memory- und Singstationen gegeben, um sich eben auch besser kennenzulernen. 

Studium an Goethe-Uni erst spät angefangen - „Geld hat nicht gereicht“

Der 25-Jährige ist glücklich in Frankfurt. Nicht nur, weil er bei einem Kumpel wohnen kann, sondern weil er endlich studieren darf. „Ich wollte mit 19 zum ersten Mal studieren, aber damals hat das Geld nicht gereicht. Also habe ich vier Jahre als Pferdewirt gearbeitet, um so Geld fürs Studium zu sparen“, erzählt Vogenauer. 

Er studiert jetzt Englisch und Kunst auf Lehramt. „Wir sind auf der Unistart-Messe, um Kugelschreiber abzustauben“, sagt er und lacht. Ein Scherz, denn der Linkshänder schreibt mit Füller – und nicht ins Smartphone. „Ich habe erst seit einem Monat ein Smartphone“, sagt er.

Studenten in Frankfurt auf Wohnungssuche - Uni-Beginn

Seine Kommilitonin Maria Dartmann (18), die aus Menden im Sauerland nach Frankfurt gekommen ist, erzählt: „Ich musste einige Besichtigungen machen, aber ich hatte Glück und habe relativ schnell einen Wohnheimplatz gefunden.“ Sie mag Frankfurt und die Uni. „Ich habe superschnell Leute kennengelernt. Ich kannte vorher niemanden außer meiner Tante, die hier wohnt. 

Maria Dartmann (18) ist aus Menden im Sauerland nach Frankfurt gezogen.

Die Leuten reden hier mit einem, sind sehr offen“, sagt sie. „In Menden sind die Leute viel konservativer, das ist auch eine Kleinstadt.“ Sie ist froh, in der Großstadt zu sein. In der nächsten Woche starten die Vorlesungen. „Ich bin über das Stadium der Nervosität hinweg. Ich freue mich einfach drauf, hier studieren zu dürfen.“

Für Victoria Blinova (20), die in Frankfurt aufgewachsen ist und nicht weit entfernt die Elisabethenschule besuchte, fühlen sich der Campus und die Bibliothek an wie ein Zuhause. Sie studiert Englisch und Geschichte auf Lehramt. „Eigentlich wollte ich Psychologie studieren, aber mein NC war nicht gut genug. Ich bekam einen Brief, und da stand, ich hätte 52 Wartesemester. So lange wollte ich nicht warten.“

Studierenzahlen in Hessen und Mainz

Zum Start des Wintersemesters haben sich bei der Frankfurter Goethe-Universität bis jetzt mehr als 8200 Erstsemester eingeschrieben. Eine Trendwende der Zahlen lässt sich im Augenblick nicht beobachten. Besonders nachgefragt sind die Studiengänge Betriebs- und Volkswirtschaftslehre sowie Psychologie und Rechtswissenschaften. An der größten hessischen Hochschule studieren rund 46 246 Menschen. 

An der Technischen Universität Darmstadt gibt es nach einer groben Prognose, da der Einschreibeprozess noch läuft, über 5000 Studierende im ersten Fachsemester, ein leichter Rückgang gegenüber dem außergewöhnlich starken Vorjahr. Voraussichtlich wird sich die Zahl der Studierenden bei 25 000 Studierenden einpendeln. Damit bliebe sie auf hohem Niveau stabil. Stark nachgefragte Studienfächer sind unter anderem Informatik, Bau- und Umweltingenieurwissenschaften, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen sowie Physik. 

Einschreibung an FH-Frankfurt noch möglich 

An der Frankfurter University of Applied Sciences liegt die akuelle Zahl der Erstsemester bei 2964 Studierenden. Noch bis zum 14. Oktober kann man sich aber bei den zulassungsfreien Bachelor-Studiengängen einschreiben. Insgesamt hat die Fachhochschule aktuell 15 745 Studierende. 

Im Wintersemester 2018/19 waren es 15 045. Im Vergleich zum Wintersemester 2018/19 sind bei folgenden Studiengängen Zuwächse zu beobachten: Service Engineering (Bachelor of Engineering), Engineering Business Information Systems (Wirtschaftsinformatik) (Bachelor of Science), Produktentwicklung und Technisches Design (Bachelor of Engineering), Maschinenbau (Bachelor of Engineering) und Architektur (Bachelor of Arts). 

Uni-Start- Lehramt bei Studenten beliebt 

Die Justus-Liebig-Universität in Gießen rechnet mit mehr als 6500 Erstsemestern. Die Zahl der Studenten an der mittelhessischen Uni liegt bei rund 28 000. Beliebt bei den Studierenden sind zu diesem Wintersemester das Lehramtsstudium für Grund- und Förderschulen, Kindheitspädagogik oder auch der Fachbereich Agrarwissenschaften, Ökotrophologie und Umweltmanagement. 

Victoria Blinova (20) wollte eigenttlich Psychologie studieren. aber 52 Wartesemester waren ihr etwas lang. 

Die Philipps-Universität in Marburg geht mit ihren etwa 25 000 Studierenden von rund 6000 Studienanfängern aus. Zu den besonders gefragten Studiengängen gehört einer Sprecherin zufolge das Lehramt an Gymnasien und dabei vor allem das Fach Sport. Außerdem die Bachelor-Studiengänge Biologie, Informatik sowie Wirtschaftsinformatik. „Auffällig gut“ sei auch das Fach Philosophie nachgefragt. 

An der Johannes-Gutenberg-Universität (JGU) in Mainz starten 5600 Erstsemester. Die Gesamtzahl der Studierenden bleibe damit auf ähnlichem Niveau wie im vorherigen Jahr, teilte eine Uni-Sprecherin mit. Rund 31 300 sollen zum kommenden Semester an der Universität lernen, rund 200 Studierende weniger als im Vorjahr. Insgesamt 271 Studiengänge bietet die Universität in Mainz an. Neu in diesem Semester ist der Masterstudiengang Kinder- und Jugendliteratur-/Buchwissenschaft. Diesen bietet die Uni im Rahmen der Rhein-Main-Universitäten zusammen mit der Goethe-Universität in Frankfurt an. Außerdem können nun Studierende den internationalen Studiengang „Transnationaler Journalismus“ in Kooperation mit der Université Sorbonne Nouvelle in Paris besuchen. 

Von Kathrin Rosendorff (mit dpa)

Anne (22) fühlt sich indes an der Goethe-Uni in Frankfurt nicht ganz wohl. Sie sieht sich weder als Frau noch als Mann, sondern als irgendwas dazwischen und berichtet, warum sie im Alltag und im Uni-Alltag leidet.

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