Der Deckel soll länger werden

A 661-Deckel: Anwohner weiter unzufrieden und drohen mit Klage 

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Das AUA möchte den Bereich des A 661-Deckels durch Klagen erweitern.

Der Deckel auf der A 661 bei Frankfurt wird kommen. Das Aktionsbündnis (AUA) möchte aber, dass er länger wird. 

Update, 18. April, 12:28 Uhr: Der vom Frankfurter Stadtparlament beschlossene Deckel über die A 661 zwischen Seckbach und Bornheim fällt dem Aktionsbündnis Unmenschliche Autobahn (AUA) zufolge  zu kurz aus. „Skandalös und eine Unverschämtheit gegenüber der betroffenen Bevölkerung“ sei es, erklärt AUA-Sprecher Friedhelm Ardelt-Theeck. Selbst wenn es nur beim aktuell vorgesehenen vierspurigen Endausbau der A 661 bliebe, „wird mit Sicherheit geklagt“, sagt er. Der Deckel müsste auch die Seckbacher Galerie umfassen.

Update, 12. April, 10:08 Uhr: Die Stadt Frankfurt deckelt die A661 auf rund einem Kilometer Länge zwischen Bornheim und Seckbach. Nun fordern auch die Riederwälder, dass es auch für die Verkehrssituation Am Erlenbruch eine Lösung gibt. Denn die Region um die Riederwald-Siedlung habe die schlechteste Luft in ganz Frankfurt. Das sagt zumindest die Bürgerinitiative Riederwald (BIR). Und mit dem Riederwaldtunnel allein würde sich das Problem nicht lösen lassen.  

Am Erlenbruch im Riederwald

Leben am "Trog": Am Erlenbruch herrscht ständig dicke Luft

"Es geht auch darum, ob man in einer Großstadt wie Frankfurt die Lebensqualität erhalten will. Gerade wurde dies für die Menschen zwischen Friedberger und Seckbacher Landstraße bejaht und gesagt: Wir wollen hier die Einhausung bauen", sagt Hanna-Lore Lesch, Bewohnerin der Seniorenwohnanlage. Die Anlage besteht aus Hochhäusern mit bis zu elf Stockwerken. Vom Tunnelende an, erklärt Lesch, bleibe der Stadtteil  "ein beträchtliches Stück völlig ungeschützt, nämlich bis zum Anschluss an das Dreieck der A661." Auf 350 Metern Länge führen die Autos zwischen dem Tunnel und dem Autobahndreieck oberirdisch, in einen sogenannten "Trog" - ausgerechnet dort, wo die Hochhäuser stehen. Dieser Trog müsse auch geschlossen werden. 

Hinzu komme, dass das Dreieck Erlenbruch über auf drei Ebenen verlaufende Fahrbahnen die Auotbahnen A66 und A661 verbinde. Auch die Pestalozzischule und die Kicker von der Eintracht seien davon beeinträchtigt, liegen sie doch auf der anderen Seite des Trogs.  

Jetzt ist die Einhausung der A661 beschlossene Sache - und der Zeitplan steht auch

Erstmeldung, 5. April: Frankfurt - Frankfurts Stadtparlament hat entschieden: Die A661 soll in Höhe von Seckbach und Bornheim unter einem knapp 1100 Meter langen Deckel verschwinden. CDU, SPD und Grüne sonnen sich in ihrer Entscheidung für das Jahrhundertprojekt. Sie müssen sich aber auch viel Kritik der Opposition anhören.

Einhausung der A661 ist beschlossen

Einhausung auf A661: Stadtparlament stimmt zu 

Große Worte haben an diesem Donnerstagabend im Sitzungssaal des Römers Konjunktur. Allen voran Peter Feldmann (SPD): „Es ist ein guter Tag für Frankfurt“, jubiliert der Oberbürgermeister. Am Ende der Debatte werden am Abend die Koalitionäre von CDU, SPD und Grünen sowie die AfD den Bau des Autobahndeckels im Frankfurter Nordosten beschließen. 

Um die 350 Millionen Euro dürfte es kosten, die A661 zwischen Friedberger und Seckbacher Landstraße bis 2028 in einer 1080 Meter langen Einhausung verschwinden zu lassen. Wie viel Land und Bund zahlen, soll die Stadtregierung verhandeln. Übers Ergebnis stimmen die Stadtverordneten erneut ab. 

Auf dem Deckel im Nordosten Frankfurts sollen Grünflächen entstehen

Auf dem Deckel sollen Grünflächen entstehen, ein 80-Hektar-Grünzug vom Günthersburgpark bis „in die Streuobstwiesen auf dem Lohrberg“, schwelgt Feldmann. „Ernst-May-Park“ schlägt er als Namen vor, in Erinnerung an den großen Stadtplaner, der von 1925 bis 1930 die Lebensverhältnisse vieler ärmerer Einwohner verbessert. Bis zu 3000 Wohnungen sollen beiderseits des Deckels gebaut werden können. „Ein Schlüsselprojekt für Frankfurt.“ 

Dass hier „bezahlbare Wohnungen entstehen, keine Luxuswohnhäuser“, darauf werde er achten, verspricht Feldmann. Damit wehre sich die Stadt gegen den Druck der Spekulanten. Andererseits müsse die Regierung auch darauf achten, dass „das Projekt für Frankfurt bezahlbar bleibt“, mahnt der planungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Nils Kößler. Auch wenn es eine „Jahrhundertchance für die Stadtentwicklung“ sei. Kößler handelt sich sogar Lob vom grünen Stadtverordneten Ulrich Baier ein, weil er eine stärkere Bebauung als schädlich fürs Stadtklima ablehnt. 

A661-Ausbau: Der Deckel wird 1300 Meter lang

Den Rausch der Koalitionäre teilen die Oppositionsfraktionen nicht. Die Koalition habe die Entscheidung seit 2008 verschleppt und sie reagiere jetzt erst angesichts des anstehenden A661-Ausbaus, geißelt Ingeborg Leineweber (BFF). Es sei gut, dass sich die drei überhaupt zu einem Deckel habe durchringen können, der länger als bisher geplanten 400 Meter sei, sagt Elke Tafel-Stein (FDP). Aber: „Die Koalition springt zu kurz.“ Die Entscheidung sei „nur eine halbe Sache“, kritisiert Michael Müller (Linke). 

Was der Opposition fehlt, ist mindestens noch zusätzlich eine Einhausung der künftigen südlichen A661-Fahrbahn in Höhe der Seckbacher Galerie. So würde der Autobahndeckel 1300 Meter lang. „Die Altenheime dort bekommen keinen Schutz“, schimpft Manfred Zieran (Ökolinx), und der Verkehrslärm werde wegen des A661-Ausbaus zunehmen. Der 1080-Meter-Deckel sei „ein schlechter Kompromiss“, findet Ingeborg Leineweber. Für viele heutige Anwohner in Seckbach und Bornheim bleibe der Lärm erhalten. Um sie zu schützen, seien die vergleichsweise überschaubaren Mehrkosten für die längere Einhausung vertretbar. 

Einhausung auf der A661

Mit der Einhausung würden zehn Meter hohe Lärmschutzwände verhindert, hält SPD-Planungsexperte Sieghart Pawlik dagegen. Auch für die Menschen, die schon dort wohnen, ergebe sich eine deutliche Verbesserung: „Die Teilung von Bornheim und Seckbach wird überwunden.“ Und gebaut werde solle der etwas kürzere Deckel so, dass die Verlängerung später ergänzt werden könne, betont Oberbürgermeister Feldmann.

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