Luftreinhaltung in Frankfurt

Für Pendler könnte es richtig dick kommen: Droht ein Dieselfahrverbot im Erlenbruch?

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Dauer-Stau im Riederwald: Mit einem Diesel-Fahrverbot für die Straße Am Erlenbruch rechnet man offenbar im Römer.

Für die Pendler aus dem östlichen Umland könnte es bald richtig dick kommen: Auf der Straße Am Erlenbruch, einer der beiden zentralen östlichen Zufahrten in die Stadt, droht offenbar ein Fahrverbot für ältere Diesel. Zumindest befürchtet die Stadtregierung im Römer diese drastische Vorgabe.

Frankfurt - Saubere Luft haben die Anwohner im Riederwald so sehr verdient. Kaum jemand leidet wie sie unter Stau, Dreck, Lärm. Schon viel zu lange müssen sie auf den Riederwaldtunnel warten, der ihren Stadtteil wieder lebenswert macht. Was natürlich die Pendler anders sehen werden - zu Recht! Schließlich sieht es auf ihren Ausweichstrecken nicht besser aus: Stau, Stau, Stau gibt es auch auf der Hanauer und der Friedberger Landstraße. 

Dauerstau im Erlenbruch: Ist ein Dieselfahrverbot die Lösung?

Und die Alternative? Bisher ist kein Bagger für die nordmainische S-Bahn gerollt. So sind Anwohner und Pendler im Verkehrschaos in Frankfurts Osten gefangen. Hinein bugsiert von egozentrischen Tunnel-Gegnern und viel zu langsam entscheidenden Politikern. Auf beide steigt nun der Druck der Pendler, wenn ein Fahrverbot kommt. Dieses wäre allein für die Anwohner ein Lichtblick. Denn es macht ihnen die Wartezeit auf den Tunnel ein wenig erträglicher.

Freude hat im Riederwald schon lange niemand mehr. 22 000 Fahrzeuge rollen jeden Tag durch die Straße Am Erlenbruch. Die Fahrer, vor allem Pendler aus dem östlichen Umland, sind genervt vom Dauerstau. Und die Anwohner sind erst recht genervt, haben sie doch Stau, Lärm und Abgase täglich vor und in der Nase.

Der Dreck in der Luft ist hier sogar so massiv, dass es für viele der Pendler und anderen Autofahrer nun noch wesentlich unangenehmer werden dürfte. Denn im Römer rechnet man offensichtlich damit, dass es für die Haupteinfallstraße bald ein Fahrverbot für ältere Diesel-Fahrzeuge geben könnte.

Dieselfahrverbot im Erlenbruch: Luft-Belastung geht zurück

Zwar sei die Stickstoffdioxid-Belastung Am Erlenbruch zuletzt von 54 auf 51 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gesunken, erklärt Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Er fürchtet aber, dass das nicht genügt, wenn die Richter des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs in Kassel endgültig über Diesel-Fahrverbote in Frankfurt urteilen: "Es könnte sein, dass sich das Gericht dazu entscheidet, das Land dazu zu verpflichten, über einen Luftreinhalteplan hier ein Fahrverbot zu erlassen", schätzt Oesterling.

Mit den hohen Werten gilt die Straße als Sorgenkind in Sachen Schadstoffbelastung. An den übrigen Messpunkten liegen die Werte unter jenen 50 Mikrogramm, die der Bund inzwischen als akzeptabel ansieht. Entlastet werden soll die Durchfahrt durch den Riederwaldtunnel als Lückenschluss der A66 bis zur Ostumgehung, der A661. 2020 soll mit dem Tunnelbau begonnen werden. Ist er fertig, soll die Verkehrsbelastung der Straße Am Erlenbruch laut Verkehrsbehörde "Hessen Mobil" um knapp zwei Drittel auf 8400 Fahrzeuge sinken.

Riederwald: Pendler-Einfalltor aus dem Osten

Allerdings hatte das Verwaltungsgericht Wiesbaden in erster Instanz der Deutschen Umwelthilfe als Klägerin Recht gegeben, weil in einigen Straßen in Frankfurt der EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid überschritten wird. Die Richter erließen ein Fahrverbot für ältere Benziner und Diesel-Fahrzeuge der Abgasnorm Euro 5 oder schlechter innerhalb des Autobahnrings. Das Land stoppte die Umsetzung, indem es Revision einlegte. Wohl Ende des Jahres wollen die Kasseler Richter entscheiden.

Die Stadt sitze die Situation im Erlenbruch aus, kritisiert Sabine Hohedahl von der Bürgerinitiative "DenkMal Riederwald". Sie nutzt die Gelegenheit, vor den Mitgliedern des Verkehrsausschusses sich erneut darüber zu beschweren, dass die Situation auch mit Tunnel nicht besser werde. Dessen Abluft werde ohne Filter in die Umgebung geblasen, behauptet Hohedahl. Sie fordert Stadtrat Oesterling auf, mit den Anwohnern über seine Pläne und "zahlreiche realistische Vorschläge" der BIs zu diskutieren, etwa Busspuren. Unterstützung erhält Hohedahl von der Linken: "Der Dezernent sollte erstmal zuhören wegen der Sorgen", sagt Vize-Fraktionschef Martin Kliehm.

Mehr Kapazität für U 7

Klaus Oesterling allerdings verweist ans Land als Bauherr des Tunnels: "Ich habe dort keine Pläne, das sind Pläne von ,Hessen Mobil'." Die Behörde habe schon mehrfach die Pläne mit den Bürgern vor Ort diskutiert. Die Stadt hingegen habe sich bereits zu dem Projekt geäußert und "keine ergänzenden Forderungen zu erheben".

Dennoch werde die Kommune durchaus tätig: So solle die Kapazität der im Riederwald fahrende U-Bahn-Linie U 7 ausgeweitet werden mit zusätzlichen Wagen, die im vergangenen Jahr geordert worden seien. Keinen Sinn ergebe aber der Vorschlag, Busspuren dort einzurichten: "Wir haben dort nur zwei Fahrspuren, da können wir keine Busspuren einrichten." Außerdem verkehre gar keine Buslinie dort.

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