Stadt ist vorbereitet

Endlich wieder feiern auf dem Friedberger Platz? Anwohner halten die Luft an

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Immer wieder freitags kommen tausende Menschen auf den Friedberger Platz. Etliche Anwohner sind trotz aller Bemühungen der Stadt und einer Steuerungsgruppe verärgert – vor allem wegen des Lärms. Außerdem ziehen viele Besucher nach 22 Uhr nur ein Stück weiter, um weiter zu feiern.

Auf dem Friedberger Platz in Frankfurt start so langsam die Party-Saison. Anwohner halten die Luft an - Stadt gibt sich auf den Ansturm vorbereitet.

Frankfurt - „Es ist der große Verdienst aller seit 2011 am Runden Tisch beteiligten Akteure, die Situation am Friedberger Platz freitags nach dem Wochenmarkt so weit geordnet zu haben, dass sich die Belästigungen für die Anwohner in Maßen halten.“ Dieses Lob verteilte gestern Markus Frank, Sicherheits- und Marktdezernent (CDU) nach dem alljährlichen „Frühjahrsauftakttreffen“ der Steuerungsgruppe im Römer.

Zu den vordringlichen Maßnahmen, die das Frühjahr am Friedberger Platz einläuten, gehört laut Frank, Regeln erneut zu kommunizieren. Für das Motto „Wir gehen um zehn“ würden die sozialen Medien wieder aktiviert. Auch die persönliche Ansprache der Feiernden durch freiwillige Helfer, die auf das Ende des Freizeittreffens hinweisen, ist wieder geplant. Hintergrund: Nach Ende des Marktes auf dem Friedberger Platz sollen die Menschen nicht auf die nahe liegenden Areale wie Luisenplatz und Matthias-Beltz-Platz weiterziehen.

Friedberger Platz: Viele Besucher Zugereiste

Eine in 2016 erfolgte Umfrage von Studenten der University of Applied Sciences (UAS) hat laut Frank ergeben, dass sich durchschnittlich alle fünf Jahre das Klientel des Freitagsmarktes ändere. Besucher seien häufig berufsbedingt Zugereiste, die hier neben den beruflichen Kontakten auch ihr soziales Netzwerk ausbauen möchten. „So nimmt der Markt eine wichtige Rolle in der Willkommenskultur der Stadt ein“, so Frank.

Der Ortsbeirat 3 (Nordend) und die Stabsstelle Sauberes Frankfurt werden wieder je ein zusätzliches Urinal als Ergänzung zum Toilettenangebot der Marktbeschicker finanzieren. Die FFR GmbH wird um 22 Uhr mit Kehrmaschinen anrollen. 20 Mülltonnen, von Kindern bemalt, werden aufgestellt. Claudia Gabriel, Leiterin der Stabsstelle Sauberes Frankfurt, hofft, dass sie nicht als Abstellplatz für Gläser und Teller genutzt werden.

Frank findet den „hohen finanziellen und organisatorischen Aufwand“ nicht selbstverständlich. Und räumt ein, dass längst auch andere Stadtteile eine derartige Unterstützung wünschen, um solche Nachbarschaftskonflikte zu moderieren. Den Freitagsmarkt als „Begegnungsstätte zu erhalten, war Konsens des Runden Tischs Friedberger Platz und einte Marktbefürworter und -gegner, Marktbeschicker und den Ortsbeirat“, sagt Frank.

Ortsvorsteherin Karin Guder (Grüne) erinnert sich „mit Unbehagen“ an die Zeiten, als der Ortsbeirat einen wunderschön gestalteten Platz erkämpft hatte, der dann aber mangels Attraktivität von der Bevölkerung nicht angenommen wurde. Über mangelnde Attraktivität kann der Platz nunmehr nicht klagen. Positiv bewertet die Steuerungsgruppe laut Frank auch, dass es mittlerweile 13 Stände auf dem Wochenmarkt gibt. Ein Metzger und ein Obst- und Gemüsehändler erweiterten nun das Angebot.

Freitagsmarkt auf dem Friedberger Platz: Selbstverpflichtung

Eine „Herausforderung“ ist laut Frank die „Beruhigung der Situation“ auf dem Friedberger Markt, weil es dort „bis vor sieben Jahren erhebliche Ruhestörungen bis in die frühen Morgenstunden“ gab. Für zusätzlichen Ärger sorgten falsch geparkte Autos, angeheiterte Besucher standen manchmal auf der vierspurigen Friedberger Landstraße, weil der Platz überfüllt war. Auch ist es laut Frank „schwierig“, den Freitagsmarkt um 22 Uhr zu beenden, wenn auf der gegenüberliegenden Seite Außengastronomie möglich sei. Aber es gebe Lokale und Kioske, die den Nachbarschaftsschutz ernst nähmen und als „anwohnerfreundlicher Betrieb“ ausgezeichnet wurden, weil sie ihren Ausschank, respektive den Außenverkauf ab 23 Uhr einstellten. Frank hofft, dass sich weitere Lokale – „vor allem endlich auch das Harveys“ – dieser Selbstverpflichtung anschließen und zumindest am Freitag ihre Außengastronomie einschränken.

Froh ist die Steuerungsgruppe, dass der Pächter des Kiosks am nahe gelegenen Matthias-Beltz-Platz Urinale installiert. Denn dort gibt es keine organisierte Struktur wie für den Friedberger Platz. Der Ortsbeirat wollte den Platz beleben, schaffte sogar Stühle an, um die sich der Kioskpächter kümmere. Doch auch hier müsse die Kommunikation verstärkt werden, um ein Bewusstsein für die Anwohner zu wecken, die gerade im Sommer an mehreren Tagen in der Woche Belästigungen durch Lärm und Verunreinigungen hinnehmen müssten.

Die Stadt hofft, mit die Kampagne „#CleanFfm“ das Bewusstsein aller zu schärfen, dass ein aktives soziales Miteinander in der Stadt nur möglich ist, wenn sich Belastungen der Anwohner in Grenzen halten. Jeder, der öffentliche Plätze und Grünanlagen nutze, solle sich anwohnerfreundlich, also rücksichtsvoll verhalten und seinen Abfall mitnehmen, wenn Mülleimer überfüllt seien.

Friedberger Platz: Es gibt auch Partygegner

Ob diese Bemühungen und Appelle alle Anwohner der genannten Plätze beruhigen, darf bezweifelt werden. So haben ja Christian Palm und Walter Lulay, Sprecher der Partygegner, 2018 die Steuerungsgruppe verlassen. Ihr Argument: Die Anwohnerinitiative Friedberger Platz wolle nicht länger Teil dieser „Alibiveranstaltung“ sein. Die Stadtpolizei kontrolliere die Falschparker und Wildpinkler viel zu wenig und verhindere auch nicht, dass die Feiernden nach 22 Uhr auf Plätze in der Umgebung auswichen.

(ffm/uve )

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