Spontan ist anders - Konzertkritik

Mark Foster in der Festhalle: "Professionelle Unscheinbarkeit"

Beim letzten Konzert seiner Tour zog Mark Forster noch einmal alle Register. Mit seinen Liedern begeisterte er Jung und Alt in der Frankfurter Festhalle. Foto: Rothschild

Der deutscher Superstar Mark Foster feiert mit seinen Fans in der Frankfurter Festhalle - unsere Autorin hat er nicht überzeugt. 

Frankfurt – In der Mitte der Festhalle steht eine Säule aus Leinwänden, auf denen eine ablaufende Sanduhr zu sehen ist. Kurz nach 20 Uhr verwandelt sich die Sanduhr in einen tickenden dreiminütigen Countdown – einige der jungen Fans kreischen. Mittlerweile ist die Festhalle voll. Die letzten zehn verbliebenen Sekunden werden von den Fans runtergezählt. Auf Null fallen die Leinwände, und inmitten der Festhalle, auf einer kleinen quadratischen Bühne, steht Mark Forster.

Mark Foster: Frankfurter Festhalle  von kreischenden Teenies überlaufen

Er eröffnet das Konzert mit dem Song „Liebe“ von seinem letzten gleichnamigen Album. Forster begrüßt seine Fans und ruft: „Leck’ mich am Arsch, seid ihr viele!“ Nachdem er etwas mit dem Publikum schäkert, und den Song „Flash mich“ singt, folgt auf einer Leinwand auf der vorderen Bühne eine kurze Cartoon-Sequenz. Sie zeigt einen kleinen Jungen, der genauso wie Forster seine Markenzeichen Brille und Basecap trägt. Klein-Forster muss in die Schule und begrüßt morgens seine Oma. Auf dem Schulweg wird Forsti gehänselt. Abends sitzt er dann wieder bei seiner Oma und fragt sie, was bei einem gebrochenen Herzen helfe. Da sagt die Oma: Da helfe nur Liebe, und die gebe es überall und nirgendwo.

Nach dieser Sequenz geht Forster den langen Weg durch die Menge zur vorderen Bühne. Es folgt der Song „Einmal“, und nun fällt auch der Vorhang der vorderen Bühne, Forsters „Orchesterchen“, wie er es liebevoll nennt, kommt zum Vorschein. Seine Band besteht aus zwei Background-Sängerinnen, Trompete, Posaune, Saxophon, einem Bass, Klavier, zwei Gitarren.

Mark Foster: "Der nette Junge von nebenan"

Mark Forster hüpft tanzend über die Bühne. In seinem Outfit – schwarze Hose, weißes T-Shirt und Sneaker – sieht er aus wie der nette Junge von nebenan. Der Sänger gibt sich bescheiden, nahbar und sympathisch. Da Frankfurt das Finale seiner Tour ist, liest er wie in einem Abspann alle Namen derer vor, die an der Tour beteiligt waren – samt Truck- und Busfahrern.

Manchmal fragt man sich, wie so ein unscheinbarer Typ zu so einem großen Star aufsteigen konnte. Doch gleichzeitig wirkt Forster in allem, was er tut, absolut sicher und professionell, auch wenn er manchmal mit Unsicherheit kokettiert.

Seine Songtexte erinnern an Sprüche aus dem Poesiealbum. Optisch wird der Eindruck durch rosa Wolken auf der Leinwand unterstützt. Eine Mutter tanzt, während ihre kleine Tochter Fotos mit dem Handy macht. Später steht Forster wieder auf der kleinen quadratischen Bühne und singt den Song „Genau wie du“, den er seinem Vater gewidmet hat. Es folgt „Kogong“ gemeinsam mit Benedikt Köster, einem Finalisten von „The Voice of Germany 2017“. Forster singt daraufhin wieder auf der großen Bühne ein Duett mit Sido, der per Facetime auf der Leinwand zugeschaltet wird. Nachdem Forster erst schon mit Smudo von Fanta Vier und Paddy von der Kelly Familie telefoniert hat. Nette Idee, aber genau das Gegenteil von dem, was sie vorgibt zu sein: spontan.

VON TAMARA MARSZALKOWSKI

Diese Artikel könnte Sie auch interessieren:

Band "Rammstein" provoziert mit KZ-Kleidung - dahinter steckt Kalkül

Es hat abermals geklappt. Große Aufregung: „Rammstein“ veröffentlicht am 17. Mai ein neues Album – ein Vorab-Video versetzt das halbe Land in Aufruhr.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare