Massive innere Verletzungen

Hunderte Fische im Main qualvoll verendet: So gehen die Fischer mit dem Schaden um 

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Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes in einem Boot bereiten die Sprengung der Bombe vor.

Hunderte Fische haben bei der Explosion der Weltkriegsbombe am Sonntag ihr Leben verloren. So gehen die Frankfurter Fischer mit dem Schaden um. 

Update, 15:22 Uhr: Massive innere Verletzungen, geplatzte Schwimmblasen, völlig zerstörte innere Organe - Die gezielte Zündung der Weltkriegsbombe im Main hat in der hiesigen Fischkultur einiges an Schaden angerichtet. Über tausend Fische sind von der Druckwelle getötet worden. "Im Nachgang kann man schon sagen, dass es besser gewesen wäre, wenn alle Beteiligten sich vorab an einen Tisch gesetzt hätten", sagt Daniel Göz, Vorsitzender der Frankfurter Fischer- und Schifferzunft auf Anfrage. So sei er vorab nicht in die Pläne der Sprengung eingeweiht gewesen.  Aber Vorwürfe macht er den Verantwortlichen nicht. "Wir sind uns bewusst, dass diese Situation eine absolute Ausnahme war", sagt er. "Da war Gefahr in Verzug." Trotzdem sei der Schaden bitter. 

Fische durch Druckwelle qualvoll gestorben

Weltkriegsbombe im Main gesprengt: Die Zahl der toten Tier lässt sich nur schätzen

Wie viele Fische bei der unerwartet heftigen Detonation tatsächlich umgekommen sind, lässt sich nur schätzen. Einige Kadaver seien vermutlich gar nicht erst an die Oberfläche getrieben worden, andere seien von der Strömung weggeschwemmt worden, so Göz.

Die Frankfurter Fischer versuchen nun, mit dem Schaden möglichst sinnvoll umzugehen. Die kleinen, von Menschen nicht essbaren Tiere habe Göz in kleine Stücke geschnitten und zurück in den Main geworfen - als Futter für die Flusskrebse. Die großen Fische habe eine Angehörige der Zunft mit nach Hause genommen und mit der Familie verzehrt - es habe sich lediglich um einige wenige Barsche und Zander gehandelt.

Tatsächlich sei die Anzahl von tausend toten Fischen gar nicht so spektakulär - zumindest dann, wenn man sie in Relation der Fische setze, die täglich durch die Wasserkaftwerke getötet werden würden, erklärt Göz. Die würden nämlich rund tausend Fischen am Tag das Leben kosten. 

Die meisten Fische sind durch die Druckwelle gestorben. Dadurch ist ihre Schwimmblase geplatzt (siehe Foto).

Explosion heftiger als gedacht? Hunderte Fische im Main verendet

Erstmeldung, 16. April, 8.21 Uhr: Frankfurt - Sie waren unhörbar: Die beiden Vergrämungsexplosionen im Main kurz vor der Sprengung der 250-Kilo-Weltkriegsbombe im Fluss. „Wir waren etwa 300 Meter entfernt, ich habe auch nichts davon gehört“, sagt Dieter Ohl, Sprecher beim Regierungspräsidium Darmstadt, das für die Kampfmittelräumung zuständig ist. In den sozialen Medien war schon am Sonntag an diesen angekündigten Warn-Explosionen gezweifelt worden. Ohl versichert aber: Es habe zwei kleine Explosionen gegeben. Sie hatten das Ziel, die Mainfische zu vertreiben. Doch die Explosion des Blindgängers am Sonntag war heftig. Ohl zufolge muss noch fast der gesamte Sprengstoff in der Bombe gewesen sein. Entsprechend heftig war die Druckwelle, die sich unter Wasser fortpflanzte und viele Fische tötete.

Explosion: Tote Fische treiben im Main

Wie viele, ist unklar. Daniel Göz, der Vorsitzende der Frankfurter Fischer- und Schifferzunft – einer Institution, die zu den ältesten in ganz Frankfurt zählt, gegründet 945 zurzeit Ottos des Großen – war mit einem Vereinskameraden da. Er berichtet: „Wir sind nach der Explosion auf eine Brücke gegangen und haben die Wasseroberfläche beobachtet. Nach 15 bis 20 Minuten haben wir die ersten toten Fische treiben sehen.“

Die beiden Männer hatten ihren Nachen im Wasser. Sie stiegen in das Boot und kescherten tote Fische heraus – über mehrere Stunden, insgesamt etwa 150, schätzt Göz. „Es war ein lockerer Teppich aus toten Fischen. Ich würde sagen, keine große Katastrophe, aber ein beachtlicher Schaden.“ Die 150 Fische, die sie in ihren Nachen beförderten, waren, wie Göz betont, nur ein kleiner Teil der getöteten Fische. Erstens waren sie vor allem entlang des nördlichen Ufers unterwegs – auf der Sachsenhäuser Seite habe es wohl weniger tote Fische gegeben – zweitens haben sie längst nicht alle erwischt, drittens schließlich, schätzt Göz, seien viele tote Fische erst gar nicht an die Oberfläche getrieben. Die tatsächliche Zahl der getöteten Tiere könne nur geschätzt werden, liege aber vielfach höher, sicher im Bereich um die 1000 Exemplare.

„Die meisten der Fische waren klein – Rotauge, Hasel und Ukelei“, berichtet Göz. „Aber auch einige große: Barbe, Zander, Rapfen, Aland.“

Schaden der Explosion wäre im Herbst größer gewesen

Seiner Einschätzung nach wären die Schäden größer gewesen, wenn die Bombe im Herbst gefunden und gesprengt worden wäre. Denn jetzt, in einem eher kalten Frühjahr, sind die meisten Fische noch im Winterquartier: Tiefe Stellen im Fluss, wo sie fast bewegungslos verharren, bis die Wassertemperatur ansteigt. Momentan gebe es auch nur wenige Jungfische.

Von Schäden an Gebäuden ist gestern nichts bekannt geworden. Eine systematische Suche nach Blindgängern im Main gibt es laut Wasser- und Schifffahrtsamt nicht.

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