Kaum gepflanzt, schon gestohlen

Grabräuber sind auf Friedhöfen jetzt besonders aktiv - aber sie sind nicht die einzigen ungebetenen Gäste

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Im Frühling und besonders vor Ostern bepflanzen und schmücken viele Menschen die Gräber ihrer Angehörigen neu.

Grabräuber sind auf Frankfurter Friedhöfen besonders vor Ostern aktiv - - aber sie sind nicht die einzigen ungebetenen Gäste.

Frankfurt - Gerhard Lang von der Friedhofsgärtnerei Lang und Gumm weiß, dass der Diebstahl kein neues Phänomen ist, aber einem besonderen Rhythmus folgt: „Seit Jahrzehnten beobachten wir, dass regelmäßig Bepflanzung oder Lichter gestohlen werden.“ Da kämen mit der Zeit beträchtliche Summen zusammen. Besonders aktiv seien die Übeltäter in der Zeit der Wechselbepflanzung vor Ostern und im Herbst. „Auch an Totengedenktagen wie Allerheiligen kommt besonders viel Grabschmuck weg“, weiß er.

Halt machen die Täter vor Nichts. Im Winter zählen vor allem Gestecke zum Diebesgut, prinzipiell würden aber Grablichter, Schmuck und selbst bereits verpflanzte Blumen verschwinden. „Ich habe sogar schon erlebt, dass eine Hortensienschale geklaut wurde, die man alleine kaum tragen konnte“, erzählt Lang. Die 40 bis 50 Kilogramm schwere Blumendekoration hätten die Täter vermutlich mit einer Schubkarre abtransportieren müssen.

Frankfurter Friedhöfe: Grabräuber treibe vor Ostern ihr Unwesen

Für Gabriele Kreutz gehört es beinahe schon zum Alltag, dass sie regelmäßig neue Grableuchten kaufen muss. Die Karbenerin pflegt in Frankfurt das Grab ihrer Eltern und schmückt es gerne mit elektrischen Dauerlichtern, die normalerweise mehrere Monate halten. „Erst letztens habe ich hübsche, weiße Leuchten gekauft, die besonders zierlich waren“, erzählt sie. Jetzt müsse sie wieder neue besorgen, weil ihr die Lampen schon zum fünften Mal entwendet wurden. „Ich frage mich vor allem, was die Täter damit tun“, sagt sie. Dass Menschen so pietätlos sein könnten, dass sie die Lichter von einem Grab stehlen und sie auf das eigene stellen, kann sie sich gar nicht vorstellen.

Grabschmuck wird auf allen Frankfurter Friedhöfen entwendet

Unterschiede zwischen den Stadtteilen sieht der Friedhofsgärtner Lang nicht: „Wir sind auf elf Friedhöfen in ganz Frankfurt aktiv und dort wird überall gleichermaßen Grabschmuck entwendet.“ Trotzdem sei das Risiko für die Diebe in ländlichen Gegenden größer. Wenn man sich auf dem Friedhof untereinander kennt, sei das die einzige Möglichkeit, einen Fremden am Grab zu entdecken und die Langfinger auf frischer Tat zu ertappen.

Auch Thomas Bäder, Abteilungsleiter für Friedhofsangelegenheiten des Grünflächenamts, weiß, wie schwer es ist, gegen die Diebe vorzugehen: „In Frankfurt gibt es 36 Friedhöfe mit insgesamt 250 Hektar Fläche.“ Sie alle zu überwachen sei unmöglich. In einer Großstadt wie Frankfurt sei es auch schwierig, zuzuordnen, wer zu welchem Grab gehört. Dass Menschen mit Blumen oder Grabschmuck unterwegs seien, sei normal. Vor allem dieser Tage. Man sehe den Gestecken ja nicht an, ob sie gekauft oder gestohlen seien. „Beim Grünflächenamt bekommen wir Diebstähle zwei bis drei Mal im Jahr gemeldet“, sagt Bäder. Die Dunkelziffer sei aber um einiges höher. Die meisten Betroffenen meldeten sich erst gar nicht, weil sie nicht glaubten, dass eine Anzeige zu etwas führe.

Angehörige sind den Grabräubern hilflos ausgeliefert

Doch auch wenn Betroffene meist nur hilflos zusehen können, wenn ihnen wieder und wieder Dinge entwendet werden, hat Friedhofsgärtner Lang immerhin einen Tipp, wie man sich vor einer ganz bestimmten Art von Diebstahl schützen kann – denn nicht nur Menschen stehlen gerne von Gräbern. Auch Füchse haben es auf mit Öl gefüllten Grablichter abgesehen. „Sie schlecken die Gläser aus und lassen die Plastikhüllen zerkaut in den Büschen zurück“, weiß er. Diese Gefahr könne aber leicht gebannt werden, indem man etwas Draht um die Lichter wickele. „Die Füchse lernen dann schnell, dass es an dieser Stelle nichts zu holen gibt, und kommen normalerweise nicht wieder.“

von Merle Korber

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