Sodexo 

Mensa-Boykott: Umstrittener Caterer will sich aus Frankfurter Schule zurückziehen 

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Erfolgreicher Widerstand: Sodexo will sich aus der IGS Nordend und der Elisabethenschule zurückziehen. Foto: dpa

Nach einem Mensa-Boykott will sich der umstrittene Großcaterer Sodexo aus der Essensversorgung an der Elisabethenschule in Frankfurt zurückziehen.

  • Der Großcaterer Sodexo sieht sich großer Kritik ausgesetzt
  • Nach einem Mensa-Boykott droht nun das Aus
  • Der Caterer will sich aus einer Frankfurter Schule zurückziehen

Frankfurt - Zu lange Warteschlangen an der Essensausgabe, zu kleine Portionen, kein Nachschlag, keine geschmackvollen Speisen: Die Liste der Beschwerden über das Essen des Großcaterers Sodexo in der Elisabethenschule war lang. Zahlreiche Gespräche mit den Verantwortlichen hätten aber keine Verbesserung gebracht. Deshalb haben Elternbeirat und Schülervertretung zum Boykott der Mensa aufgerufen. Gestern ging es los. "Viele Kinder hatten ihr eigenes Essen dabei", sagt Schulelternbeirätin Tanya Elshorst. Ihr Sohn hätte Nudelsalat für sich und seine Freunde mitgenommen.

Mit dem Boykott wollen die Eltern und Schüler erreichen, dass sich Sodexo nicht noch einmal bei der bevorstehenden Neuausschreibung des Caterings bewirbt - und das haben sie jetzt schon erreicht. Der Großcaterer hat angekündigt, von einer erneuten Bewerbung abzusehen. Hatten im Sommer 2018, als Sodexo die Essensversorgung an der Elisabethenschule übernommen hatte, noch knapp 200 Schüler in der Mensa gegessen, waren es im Dezember 2019 nur noch 95.

Elisabethenschule Frankfurt: Caterer Sodexo kündigt Rückzug an 

"Hier ist in der Vergangenheit nicht alles richtig gelaufen. Dies entspricht nicht unserem eigenen Anspruch", gesteht auch ein Sprecher von Sodexo ein. "Dafür wollen wir uns entschuldigen und uns in Zukunft noch mehr bemühen und klarer kommunizieren." Man habe bereits Maßnahmen eingeleitet, um die Situation in der Mensa zu verbessern. So wolle man künftig zu jedem Essen Beilagen sowie Salat und Obst anbieten. Jeder Schüler erhalte angemessene Essensportionen und einen adäquaten Nachschlag. Neben Wasser solle auch abgekühlter und mit Honig gesüßter Tee serviert werden. Am Kiosk soll es - wie gewünscht - Obstsalat und frisch gebackene, mit Butter beschmierte Laugenzöpfe sowie belegte Laugen- und Vollkornbrötchen geben.

Mit den Maßnahmen wolle man auf Anregungen, Kritik und Wünsche der Schule reagieren. "Wir sind davon überzeugt, dass sich damit die Situation vor Ort auch in der Wahrnehmung der Schüler und Eltern verbessern wird", sagte der Sprecher. Allerdings fügt er auch hinzu: "Vor Beteiligungen an Ausschreibungen prüfen wir immer eine ganze Fülle an Faktoren - darunter Rahmenbedingungen wie wirtschaftliche Faktoren und die Zufriedenheit der Kunden." Da man keine fortdauernde Auseinandersetzung mit Elternvertretern über die Zukunft der Essensversorgung an der Elisabethenschule wolle, würde man sich zurückziehen. "Wir haben uns entschieden, an der Ausschreibung nicht teilzunehmen und damit den Weg frei zu machen für einen Wechsel, den die Eltern sich wünschen." Bis zum Ende des Vertrags werde man die Leistungen wie abgestimmt erbringen und unverändert jederzeit für die Anliegen und Wünsche der Schüler, Eltern und Schule zur Verfügung stehen.

Frankfurt: Sodexo erntet Kritik 

Über die Ankündigung freuen sich Eltern und Schüler der Elisabethenschule. "Wenn sich das so bestätigt, wären wir alle sehr glücklich", so Tanya Elshorst. "Das war unser Ziel, wir hätten gedacht, dass es schwieriger wird." Die Mensa soll aber weiter boykottiert werden. "Offiziell haben wir von Sodexo noch nicht gehört, dass sie sich aus unserer Schule zurückziehen wollen."

Aktuell versorgt Sodexo in Frankfurt 17 städtische Schulen und zwei internationale Schulen mit Essen.

Auch an der IGS Nordend ist der Caterer seit eineinhalb Jahren für die Mensa zuständig. Zuvor hatte es massive Proteste dagegen gegeben. Schüler, Lehrer und Eltern wollten lieber weiterhin von dem damaligen, familiengeführten Caterer bekocht werden. Doch die Proteste waren erfolglos. Sodexo hatte die Ausschreibung gewonnen. Der Caterer will sich allerdings auch aus der IGS Nordend zurückziehen und sich an der bevorstehenden Ausschreibung nicht beteiligen.

Derzeit arbeitet die Stadt an neuen Richtlinien für die Vergabe der Schulessen. Kleinere Caterer etwa sollen bessere Chancen bekommen. Eine entsprechende Vorlage soll noch im Januar vom Magistrat beschlossen werden, damit die neuen Kriterien schon bei den anstehenden Ausschreibungen berücksichtigt werden können. 

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