Auch Kleingärten im Visier

Wohnungsnot in Frankfurt: Werden nun auch die Mainwasen in Sachsenhausen bebaut?

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Die Fassade eines Hauses in Sachsenhausen wird saniert. Teurer Grund und Boden macht das Bauen in Rhein-Main zunehmend unerschwinglich. Mieten sind kaum bezahlbar. Nun will die Nassauische Heimstätte Häuser im Bestand abreißen und dichter neu bebauen. Foto: Arne Dedert/dpa

Aufgrund der Wohnungsnot in Frankfurt geraten nun auch die Kleingärten und die Mainwasen in das Visier der Stadtplaner. 

Frankfurt - Aufgrund der Wohnungsknappheit in Frankfurt ist oft von Nachverdichtungen und Aufstockungen die Rede. Nun will die Nassauische Heimstätte verstärkt prüfen, ob es sinnvoller ist, Teile von Siedlungen der Nachkriegszeit in Frankfurt und Region abzureißen und die Fläche mit neuen Wohngebäuden dichter zu bebauen, als zu versuchen, die Gebiete mit Anbauten oder per Aufstockung nachzuverdichten. Das hat Helge Bitzer, Leiter Neubau bei der Unternehmensgruppe, die mehrheitlich dem Land gehört, am Donnerstag bei einer Immobilientagung in der Frankfurter Sparkasse klargemacht. Um welche Frankfurter Siedlungen es sich handeln könnte, sagte er noch nicht.

Wie fnp.de* berichtet, nannte Bitzer die Siedlung „Auf der Mainhöhe“ in Kelsterbach. Dort sollen Siedlungshäuser mit 86 Wohnungen abgerissen werden und Neubauten mit 240 Wohnungen Platz machen. Die Wohnfläche soll sich fast verdreifachen, die Qualität der Wohnungen deutlich steigen. Allerdings werden die Mieten laut Bitzer für die frei finanzierten Wohnungen mit 10,50 Euro pro Quadratmeter etwa 4 Euro steigen. Ähnliche Projekte gebe es in Wiesbaden und Hanau.

Wohnungsnot in Frankfurt: 5,5 Millionen Quadratmeter Gärten im Visier der Planer

Bitzer räumte ein, dass der Abriss bewohnter Siedlungshäuser ein unbequemer und schwieriger Weg sei: Mieter verlören ihre Wohnung, das Unternehmen müsse versuchen, ihnen Ersatzwohnraum zu bieten, die Mieten stiegen. Abriss und Neubau böten dafür aber die Chance, in deutlich größerem Umfang und günstiger neue Wohnungen zu errichten, als das bei Anbauten oder Aufstockungen der Fall sei. Auch städtebaulich hätten Abrisse Vorteile: Die Siedlungen seien ja nicht alle schön. Bitzer forderte zudem weniger strenge Vorgaben für den Bau geförderter Wohnungen.

Die Förderbedingungen müssten so sein, dass Investoren auch mit dem Bau dieser Wohnungen Geld verdienen könnten. Deutlich forderte der Vertreter der Nassauischen Heimstätte etwa, dass Sozialwohnungen nicht im Passivhausstandard entstehen müssten.

Auch andere Redner schreckten am Donnerstag nicht vor unbequemen und unpopulären Vorschlägen zurück. So riet etwa der Niederlassungsleiter des Projektentwicklers Instone, Ralf Werner, auf der Suche nach Baugrundstücken die 5,5 Millionen Quadratmeter Klein- und Freizeitgärten, die es im Frankfurter Stadtgebiet gebe, nicht außer Acht zu lassen. Auf den Flächen könnten schließlich 100 000 Wohnungen entstehen, Wohnraum für 200 000 Menschen. Man könne ja die Bürger abstimmen lassen, was sie wollten: die Kleingärten behalten oder mehr Wohnungen, sagte Werner.

Frank Berlepp, Geschäftsführer der LBBW Immobilien, warb dafür, bei jeder Stelle im Stadtgebiet darüber nachzudenken, ob man sie nicht nachverdichten könne. Auf die Wiesen zwischen den Siedlungen gehörten keine Teppichklopfstangen, sondern Häuser.

Wohungsnot: Werden nun auch die Mainwasen in Saschenhausen bebaut?

Der Stadtplaner und Architekt Karl Richter, der im Jahr 2017 Pläne zur Bebauung des Rebstockareals mit einem Stadtteil für 30 000 Menschen präsentiert hatte, wies auf fünf Gebiete in der Stadt hin, in denen zusammen 32 500 Wohnungen entstehen könnten. Er riet, die Mainwasen in Sachsenhausen zu bebauen und so das Deutschherrnviertel nach Osten zu verlängern. Potenzial für neue Wohnungen sieht er auch im bisher gewerblich genutzten Westen des Gutleutviertels, am Frankfurter Berg, wo durch Abriss und Neubau die Zahl der Wohnungen stark steigen könnte, im Bereich des Cargoterminals am Güterbahnhof Ost und im Bereich des Autobahnzubringers Jean-Monnet-Straße in Eckenheim. Neue Kleingärten könnten an den Niddaauen nördlich des Frankfurter Bergs entstehen.

von Christoph Manus

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