Nazi-Skandal?

Fehlverhalten der Polizei Frankfurt? Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Frage nach „Judenausweis“

Bei einer Kontrolle sollen Polizeibeamte in Frankfurt einen Mann nach seinem „Judenausweis“ gefragt haben. (Symbolbild)
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Bei einer Kontrolle sollen Polizeibeamte in Frankfurt einen Mann nach seinem „Judenausweis“ gefragt haben. (Symbolbild)

„Wo ist denn Ihr Judenausweis?“ Diese Frage soll ein Polizist in Frankfurt einem jüdischen Passanten gestellt haben. Doch stimmt das wirklich? Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen.

Update vom Donnerstag, 08.04.2021, 13:10 Uhr: Nach dem möglichen Vorfall von Antisemitismus bei der Polizei in Frankfurt werden die Vorwürfe nun von der Staatsanwaltschaft überprüft. „Dieses Verfahren läuft, es müssen noch Zeugen befragt werden“, sagte die Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft.

Ein Polizist soll an Karfreitag auf dem Opernplatz in Frankfurt einen Fußgänger nach seinem „Judenausweis“ gefragt haben. Die Beamten hatten den Mann ursprünglich angesprochen, weil er keinen Mund-Nasen-Schutz getragen haben soll. Berufliche Konsequenzen hatte der Vorfall für sie bislang nicht.

Vorfall in Frankfurt: Wurde ein Mann nach seinem „Judenausweis“ gefragt?

Update vom Mittwoch, 07.04.2021, 15:20 Uhr: Nach einem Vorfall an Karfreitag (02.04.2021) auf dem Opernplatz in Frankfurt steht die Frankfurter Polizei in der Kritik. Bei einer Corona-Kontrolle sollen Beamte einen Mann nach seinem „Juden-Ausweis“* gefragt haben. Einer der Polizisten soll zudem handgreiflich geworden sein. Die Polizeibeamten streiten dies ab und sagen, sie hätten den Mann lediglich dazu aufgefordert, seinen Mund-Nasen-Schutz aufzusetzen und ihm einen Platzverweis erteilt.

Nachdem die Polizei Strafanzeige wegen Verleumdung gestellt hatte, hat nun auch das mutmaßliche Opfer, ein 33-jähriger Unternehmer, eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen einen der Beamten sowie Anzeige wegen Körperverletzung im Amt, Beleidigung, Volksverhetzung und rechtswidriger Verarbeitung personenbezogener Daten gestellt. Seiner Anzeige habe der Mann ein Foto seiner geröteten Schulter hinzugefügt, an welcher der Beamte ihn hart angegriffen haben soll. Das Foto habe er eine Stunde nach dem Vorfall aufgenommen.

Der Beamte soll zudem während eines Telefonats mit der Dienststelle, bei der er Daten abfragte, laut und für Dritte vernehmlich Details aus dem Vorleben des 33-Jährigen preisgegeben und hämisch gelacht haben. Zu diesem Zeitpunkt soll sich bereits eine kleine Menschentraube um den Beamten und den Mann versammelt haben. „Hier war für mich das Maß des Erträglichen erreicht“, sagte der 33-Jährige am Dienstag (06.04.2021) gegenüber der „Frankfurter Rundschau“.

Frankfurt: Zuständiges 1. Polizeirevier in der Vergangenheit in NSU 2.0-Affäre verwickelt

Daraufhin zeichnete der 33-Jährige das weitere Gespräch mit dem Smartphone auf. Der betreffende Beamte habe dies verhindern wollen, ein Kollege habe allerdings darauf hingewiesen, dass dies erlaubt sei. Als Reaktion darauf habe der Beamte seine Body-Cam eingeschaltet und sich fortan deutlich freundlicher verhalten.

Der Opernplatz in Frankfurt liegt zudem im Bereich des 1. Polizeireviers, das bereits in der Vergangenheit aufgrund der „NSU 2.0“-Affäre in der Kritik stand. Ob der Beamte jedoch wirklich diesem Revier angehört, ist noch unklar. Die Ermittlungen der Polizei bezüglich des Antisemitismus-Vorwurfs und der anderen Anklagepunkte des 33-Jährgen laufen noch.

Ein Fußgänger erhebt gegen die Polizei Frankfurt einen schweren Antisemitismus-Vorwurf. (Symbolbild)

Polizist soll jüdischen Fußgänger nach „Juden-Ausweis“ gefragt haben – Behörde äußert sich

Update vom Dienstag, 06.04.2021, 18.06 Uhr: Nach dem Antisemitismus-Vorwurf gegen die Polizei Frankfurt haben die eingesetzten Beamten vehement bestritten, nach einem „Juden-Ausweis“ gefragt zu haben. Dies geht aus einer Pressemitteilung der Behörde hervor. Ihrerseit haben sie Strafanzeige wegen Verleumdung gegen den 33-Jährigen erstattet, heißt es darin.

Laut Darstellung der Polizisten soll sich der Mann bei der Corona-Kontrolle „völlig uneinsichtig“ verhalten haben. Auch nach einer Aufforderung soll er sich geweigert haben, eine Maske auf dem Opernplatz aufzusetzen. Aus diesem Grund hätten sie ihm einen Platzverweis erteilt.

„Es wird derzeit alles darangesetzt, den Sachverhalt aufzuklären“, beteuerte die Polizei Frankfurt. Um den Vorfall strafrechtlich zu bewerten, sei er der Staatsanwaltschaft vorgelegt worden. Nach dem Vorwurf des Antisemitismus sucht die Polizei Zeugen. Personen, die Angaben zu der Corona-Kontrolle machen können, werden vom Polizeipräsidium gebeten, sich unter der Telefonummer 069/755-53131 zu melden.

Nach „Juden-Ausweis“ gefragt – Nazi-Skandal bei der Polizei Frankfurt?

Erstmeldung vom Dienstag, 06.04.2021: Frankfurt – Ein Vorwurf des Antisemitismus und möglicher Nazi-Skandal erschüttert die Polizei in Frankfurt. Ein Beamter soll – so der Vorwurf – am Karfreitag (02.04.2021) auf dem Opernplatz einen Fußgänger nach seinem „Juden-Ausweis“ gefragt haben.

Nach der Aussage des Passanten in der „Bild“-Zeitung hatte dieser zum Telefonieren seine Maske abgenommen und eine Aufforderung der Polizei, den Schutz zu tragen, nicht gehört. „Plötzlich schlug mir jemand fest von hinten auf meine linke Schulter, packte mich, riss mich herum“, sagte der Mann. Bei ihm handelt es sich um einen 33 Jahre alten Chef einer Agentur, schreibt das Blatt.

Bei einer Corona-Kontrolle in Frankfurt soll ein Polizist einen Passanten nach dem „Juden-Ausweis“ gefragt haben. (Symbolbild)

Antisemitismus-Vorwurf gegen Polizisten in Frankfurt: „Wo ist denn Ihr Juden-Ausweis?“

„Über die unnötige Brutalität war ich so schockiert, dass ich fragte, ob das wirklich notwendig gewesen sei, wir seien hier ja nicht in 1933. So etwas sage ich nicht einfach so vor mich hin. Die Situation hatte mich daran erinnert.“ Nachdem der Satz gefallen sei, hätte der Beamte ihn „noch aggressiver“ angeschaut, sagte der 33-Jährige der Zeitung. „Ich erklärte ihm, dass ich Jude sei. Da fragte er: „Wo ist denn Ihr Juden-Ausweis?“ und lachte hämisch.“

Der Fußgänger sei über das Verhalten der Polizei in Frankfurt „völlig perplex“ gewesen. Er habe dem Beamten seine Davidstern-Halskette gezeigt und erklärt: „Jude ist man durch Geburt, wenn die Mutter jüdisch ist.“

Nach dem Antisemitismus-Vorwurf hat die Frankfurter Polizei Ermittlungen aufgenommen. „Wir nehmen den Vorwurf sehr ernst. Antisemitismus und Rassismus jedweder Art werden nicht geduldet“, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag (06.04.2021). Bereits zuvor ließ die Behörde auf Twitter verlauten: „Der (...) Sachverhalt wird von der @Polizei_Ffm sehr ernst genommen. Wir überprüfen die erhobenen Vorwürfe auf das Genaueste und sorgen für vollumfängliche Aufklärung und Transparenz.“

Nazi-Skandal bei der Polizei Frankfurt? Behörde will Vorfall aufklären

Laut der Polizei Frankfurt wurden bereits am Osterwochenende erste Ermittlungen aufgenommen. „Es wird alles dran gesetzt, den Sachverhalt aufzuklären, ob sich das so zugetragen hat.“ Mit dem Geschädigten sei bereits Kontakt aufgenommen worden. Wie bei allen Ermittlungen gelte erst einmal die Unschuldsvermutung.

Ein Journalist, der auf den Vorfall in Frankfurt aufmerksam machte, schrieb auf Twitter: „Gegen den Beamten wurde (...) Strafantrag wegen Körperverletzung, Volksverhetzung und Beleidung (sic!) gestellt.“

Im Fokus steht die Polizei Frankfurt bereits wegen rechtsextremer Drohschreiben des sogenannten „NSU 2.0“*. Im Fall einer bedrohten Anwältin waren die persönlichen Daten von ihr von einem Computer im 1. Polizeirevier in Frankfurt abgerufen worden. (Tim Vincent Dicke mit dpa) *fr.de ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

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