Rennklub hat sich festgebissen

Prozesswelle gegen neues DFB-Leistungszentrum

Frankfurt - Fußball statt Pferderennen - das ist in Frankfurt eigentlich längst entschieden. Auf dem Gelände der Galopprennbahn soll das Leistungszentrum des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) entstehen.

Der geplante Baubeginn rückt näher, aber der Pferderennklub geht in diversen Gerichtsverfahren gegen das Projekt vor. Zwar hat die Stadt das Grundstück einen Steinwurf entfernt von der DFB-Zentrale und dem Stadion an die Fußballer fest vergeben, aber Gerichtsentscheidungen oder eine Beschwerde in Brüssel stehen aus. Geplanter Baubeginn ist Anfang 2017, die Fertigstellung für Ende 2018 vorgesehen. Wohl niemand hatte mit der Hartnäckigkeit des 80 Mitglieder starken Frankfurter Rennklubs gerechnet, der die Galopprennbahn nicht hergeben will. „Der DFB-Zeitplan ist auf keinen Fall einzuhalten“, sagt Klub-Schatzmeister und Sprecher Carl-Philip Graf zu Solms. Schon die von der Stadt angestrebte Räumung zum 1. Januar 2016 habe nicht geklappt.

Nach dem Scheitern eines Bürgerentscheids im vergangenen Sommer hatte Solms angekündigt, durch alle Instanzen gegen die Räumung des Geländes vorzugehen. Und das setzt er nun in die Tat um, vor dem Landgericht und vor dem Verwaltungsgericht wird prozessiert. Im Streit um die abgestellte Wasserversorgung (wir berichteten) erlitt der Klub gestern jedoch eine Niederlage. Das Landgericht Frankfurt wies den Eilantrag des Klubs zurück, nach dem die städtische Betreiber- und Vermietungsgesellschaft der Rennbahn die Energieversorgung sofort wieder herstellen sollte. Seit Sommer habe die städtische Hippodrom die Rechnungen nicht mehr bezahlt, begründete der Energieversorger Mainova die Kappung der Wasserlieferung. Nach Aussagen der Stadt gibt es keinen gültigen Vertrag des Rennklubs. Die Stadt habe mit Geldforderungen nichts zu tun. Das sah auch das Gericht so. Es geht um 20.000 Euro.

Nach Brüssel wurde eine Beschwerde wegen unerlaubter Beihilfen geschickt. Der Preis von 6,8 Millionen Euro, für den das Areal in Erbbaurecht an den DFB übertragen wurde, sei zu niedrig, finden die Pferdesportler. Das Gelände sei außerdem ohne öffentliches Gebotsverfahren vergeben worden. Die Stadt hält den Preis dagegen für angemessen. Die Ansiedlung des DFB-Zentrums sei im öffentlichen Interesse, die Vergabe einwandfrei gewesen. DFB-Mediendirektor Ralf Köttker erklärte: „Wir sind überzeugt, dass die richterlichen Entscheidungen zugunsten der Stadt ausfallen werden.“ Die Planungen gingen voran. „Derzeit gehen wir weiter vom Baubeginn Anfang 2017 aus.“

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Klub-Schatzmeister Solms erwartet, dass die erste Prozesswelle zwei bis drei Jahre dauert. Deren Finanzierung habe der Dachverband „Direktorium für Vollblutzucht und Rennen“ (Köln) zugesagt. Für den 28. April ist die Verhandlung über eine Räumungsklage der Stadt Frankfurt gegen den Klub terminiert. In dem Verfahren vor dem Verwaltungsgericht - dort will der Verein feststellen lassen, dass der Vertrag zwischen Stadt und DFB über die Übertragung des Geländes nichtig sei – gibt es noch keinen Termin.

dpa

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