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Frankfurt: Radio X aus dem Wohnzimmer

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Radiomachen interessiert offensichtlich Große und Kleine. 

Der Stadtsender Radio X feiert einen geselligen Tag der offenen Tür.

Schon im Treppenhaus duftet es nach Waffeln. Die Stufen hinauf in den zweiten Stock des Hinterhauses der Kurfürstenstraße 18, die Tür hinein, da stehen beim Tag der offenen Tür von Radio X viele plaudernde Menschen, mit Waffeln in der Hand oder Kuchen oder Kaffee oder einfach so, wie auf einer WG-Party, wo die Kernbewohnerschaft schon die Fünfzig überschritten hat, aber trotzdem irgendwie jung geblieben ist, vielleicht weil ständig neue, junge Leute hinzukommen, dann eine Weile bleiben, bevor sie ihrer Wege ziehen.

So ist Radio X, Kultstadtsender seit dem Jahr 1997. Werbefreie lokale und multilinguale Sendungen von 7 Uhr bis 2 Uhr nachts. Wer kennt ihn nicht, den „Scrambled X“-Jingle, wenn der Wecker morgens klingelt. „Guten Morgen, mein Liebling, wach auf. Sag ja zum Leben und steh endlich aaaauuf! “

Wie bei einer netten WG-Party ist man schnell per Du mit den Bewohnern, weil sich viele über Dritte schon eine lange Zeit kennen. Liebe Leserinnen und Leser, wer konnte ahnen, welche Querverbindungen zwischen Frankfurter Rundschau und Radio X bestehen? („Wenn ich was von der FR will, schick’ ich das immer der Katja Thorwald“ – „Grüß die Jutta Rippegather von mir, ja?“). Auch die Geschäftsführerin, Anke vom Berg, hat den direkten Zugang zur Redaktion. Die Redaktion hat deswegen den vermutlich letzten Unvernetzten geschickt, der sich wie ein Schuljunge durchfragen muss. „Wen suchst du, die Chefin? Die Chefin kommt gleich.“

Die nächste Show

Radio X sendet täglich auf FM 91,8. Sendungen sind im Internet verfügbar unter www.radiox.de.

Die nächste große Veranstaltung ist die „Virus Musik Radio Show 2019“ am 21. Dezember im Horst, Kleyerstraße 15, mit sieben Bands, ab 20 Uhr. Freier Eintritt 

Anke vom Berg zeigt dann gerne die Kuchentheke im Flur mit den duftenden Waffeln („heute gibt’s die auf Spendenbasis“), das Studio eins (digital) und das Studio zwei (analog). Dann sind da noch die Kaffeeküche, der Pausenraum, das war’s. Im Türrahmen, auf dem Weg zum Studio zwei, wo die Lampe rot leuchtet, weil eine Sendung läuft, steht Seppl Niemeyer, Moderator von Virus-Musik-Radio, der sonst lokale Bands vorstellt. Heute hat er lokale Kinder präsentiert. „Wir haben Sechsjährige live interviewt. Es war so schön zu sehen, wie die erst schüchtern waren und dann langsam aufgetaucht sind.“ Die Bindung ans Radio beginnt früh.

Im Studio eins macht Super-stolk, eine Elektropunkband aus Offenbach, gerade Soundcheck für den Liveauftritt beim Tag der offenen Tür. Gitarrengeschrammel mit Elektrosound. Sevo Stille und Ralf Barthelmes, zwei von drei Vorständen von Radio X, bleiben stehen und erklären die erwachsenen Seiten des Radiomachens. Die bestehen aus Miete, Stromrechnungen, Equipment-Kauf, dem Umzug aus der Schützenstraße nach Bockenheim im Jahr 2015 – und vor allem den Förderanträgen an die Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR Hessen). Denn: Auch ein werbefreier Radiosender, in dem Moderatoren und DJs ehrenamtlich arbeiten, muss Miete, Strom und Equipment bezahlen, damit geschätzt 10.000 Hörer die 90 Sendungen auf Frequenz 91,8 oder im Internet verfolgen können. Sei es das „Gallusfenster“, das Veranstaltungsformat „x wie raus“ oder das Kinomagazin „Xinemascope“.

Radio X zu machen, kostet rund 120.000 Euro im Jahr. Die Hälfte trägt die LPR, die andere Hälfte übernehmen die treuen Hörerinnen und Hörer von Radio X über die freiwillige Mitgliedschaft, die 40 Euro im Jahr kostet. Hinzu kommen Einnahmen aus Veranstaltungen.

Die nächste ist übrigens im Dezember im Horst. Eintritt frei.

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