Umstrittenes Bild

Frankfurt: Stadtpolitik und Städel reagieren auf Rassismus-Vorwurf

Das umstrittene Bild wird im Frankfurter Städel Museum ausgestellt.
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Das umstrittene Bild wird im Frankfurter Städel Museum ausgestellt.

Nach der öffentlichen Kritik an einem im Frankfurter Städel ausgestellten Bild haben sich Verantwortliche der Stadtpolitik geäußert. Auch das Museum selbst hat erneut Stellung bezogen.

  • Ein Bild im Städel Museum sorgt für harsche Kritik.
  • Verantwortliche der Stadtpolitik haben sich geäußert.
  • Im Städel wird ein Umgang mit dem Bild gesucht.

Update von Freitag, 03.07.2020, 15.07 Uhr: Nachder anhaltenden Kritik am Städel haben sich Kulturdezernentin, Grüne und CDU zu der Thematik geäußert. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) sagte gegenüber der Frankfurter Rundschau (FR), dass eine Entfernung des Bildes die Diskussion über Motiv und Werk erschweren würde. Ihrer Ansicht nach sei es wichtig, mit den Bezugsgruppen in Dialog zu treten, so Hardwig. Die „problematischen Aspekte des Werks von Motivik bis Titel" sollten eingebordnet werden.

Auch andere Fraktionen äußern sich zu Bild im Städel

Der kulturpolitische Sprecher der CDU im Römer, Thomas Dürbeck, sagte ebenfalls gegenüber der FR zu der Diskussion um das Bild im Städel, dass man in einem Museum „lernen, Provokation und auch die Verletzung von Gefühlen zu ertragen“. Dennoch sei es „gut und wichtig", dass die Debatte geführt werde.

Bastian Bergerhoff, der Sprecher des Kreisverbands der Grünen, ist ebenfalls dagegen, das Bild nicht mehr im Städel aufzuhängen. Allerdings sei es wichtig, auch Schwarze in der Diskussion zu Wort kommen zu lassen.

Georg Herold, hat als der Künstler, der das umstrittene Werk geschaffen hat, hat bisher auf Gesprächsanfragen nicht reagiert. Eine Sprecherin des Städel sagte, man sei auf der Suche nach wegen, das Thema aufzuarbeiten.

Erstmeldung von Dienstag, 30.06.2020, 18:47 Uhr: Frankfurt - „Ziegelneger“ hat der Maler Georg Herold sein Bild genannt. Schon der Name wird von vielen Menschen als rassistisch empfunden, aber auch die Darstellung.

Rassismus-Vorwurf gegen Städel Museum: Ziegel fliegt in Richtung Mensch

Es zeigt eine Ampel, darauf ein schwarzer Mensch auf grünem Grund, ein gelber Kopf auf rotem und ein weißer Kopf auf rotem Grund. Rechts ein wütender Mob, links, im Vordergrund ein Mensch mit brauner Hautfarbe, in der Mitte ein Ziegel, der auf diesen Menschen zufliegt. Ausgestellt wird das Werk seit kurzem im Frankfurter Städel Museum.

Und eben diese Ausstellung sorgt für Kritik. Ins Rollen gebracht hatte die Diskussion Instagram-Nutzerin „rantyluisa“ mit einem Posting in dem sozialen Netzwerk. Dort schrieb sie: „Ich würde empfehlen, das Werk schleunigst abzuhängen und wenn das zu sehr wehtut, wenigstens zu thematisieren, dass es sich um offen rassistische Kunst handelt.“ 

Kritik an Ausstellung im Städel Museum begann in sozialen Netzwerken

Die Instagram-Nutzerin, die auch als Autorin für das Kunstmagazin „The Article“ schreibt, kritisiert vor allem die fehlende Einbettung des Bildes in einen Kontext. Sie empfindet die Werkbeschreibung des Städel Museums als „enttäuschend“, da durch die Einordnung unter „künstlerische Freiheit“ ihrer Ansicht nach „rassistische Stereotype aktiv mitgestaltet und reproduziert“ werden.

Städel Museum verwahrt sich gegen Rassismus-Vorwurf

Das Städel Museum wehrt sich auf Anfrage explizit gegen den Vorwurf des Rassismus': „Wir möchten betonen, dass das Städel Museum mit der Präsentation des Bildes niemanden verletzen, provozieren oder triggern will, und es tut uns leid, wenn das so empfunden wird. Wir bedauern dies umso mehr, als das Werk ein explizit antirassistisches Kunstwerk ist.“

Verantwortliche im Städel Museum betonen Kontext des Bildes

Die Kuratoren rufen dazu auf, dass in den 1980er-Jahren entstandene Bild im Kontext seiner Entstehungszeit zu betrachten. Der Künstler Georg Herold arbeite bewusst mit einer drastischen Darstellung, sowohl im Gemalten als auch im Titel, um auf staatlich geduldeten Rassismus aufmerksam zu machen. Der Forderung, das Bild abzuhängen, wollen die Verantwortlichen nicht nachkommen. „Denn hinschauen, diskutieren über Rassismus und über Kunst können wir nicht, wenn ein Kunstwerk im Depot verschwindet“, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme des Städel Museums.

Georg Herold hatte das umstrittene Bild in den 1980er-Jahre gemalt.

Politikwissenschaftler sieht verpasste Chance beim Städel Museum

Politikwissenschaftler und Kulturforscher Eric Otieno von der Universität Kassel sieht es anders als die Verantwortlichem im Städel Museum. Gegenüber hessenschau.de sagte Otieno: „Es ist wirklich an der Zeit, dass sich Museen hinsetzen und sich überlegen, wie sie mit problematischen Bildern umgehen.“ Denn wichtig sei nicht, wie Kuratoren ein Bild interpretieren oder welche Intention der Künstler hatte. Vielmehr gehe es darum, wie ein Kunstwerk wirke. Und da sieht Otieno klar: Eine rassistische Wirkung gibt es. Daher habe das Städel Museum eine große Chance verpasst. 

Kritik am Städel Museum hält auch nach Statement an

Instagram-Userin rantyluisa, welche die Diskussion angestoßen hatte, hat ihre Kritik nach der Reaktion des Städels erneuert: „Es kann nicht sein, dass ein weißer Künstler ausgewählt wird, um Rassismus aufzuzeigen“, schrieb sie auf Instagram. Es gehe darum, das „System in dem es möglich ist, die Arbeit von BIPOC auszublenden, nachhaltig zu verändern“. BiPOC steht dabei für Black, Indigenous and People of Color, also Schwarze und Indigene Menschen. Ob das Städel Museum bei der Darstellung von und der Kritik an Rassismus häufiger Werke dieser Menschen zeigen wird, bleibt abzuwarten.

Der Fall zeigt: Rassismus ist noch immer eine Interpretationsfrage. Die Historikerin und Aktivistin Katharina Oguntoye hatte gegenüber der Frankfurt Rundschau betont*, dass Rassismus „kontinuierlich verlernt werden“ müsse. (Marcel Richters) *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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