Verkehr in Frankfurt

Straßenbahnlinie 14 wird mehr als einen Monat lang eingestellt

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Mehr als einen Monat lang soll keine 14 mehr durch die Altstadt rollen. Dabei hatte die Stadtregierung diese Linie bisher ausdrücklich als Alternativ-Angebot zum seit Ende Juli gesperrten Mainkai beworben.

Ab Montag wird es noch unangenehmer für alle, die durch die Frankfurter Innenstadt müssen. Die Tram 14 roll dann nicht mehr. Dabei ist sie eine zentrale Alternative zum gesperrten Mainkai.

Frankfurt – Mit dem ersten Schultag nach den Herbstferien dürfte es noch voller auf den Straßen in der Innenstadt werden als bisher schon. Nicht nur ist der Mainkai als eine der wichtigsten Ost-West-Straßenverbindungen seit Ende Juli für 13 Monate gesperrt. Jetzt streicht die Stadt auch noch die einzige und beständig erwähnte Alternativ-Verbindung im Nahverkehr: die Straßenbahnlinie 14.

Die 14 rollt seit Dezember über die Altstadtstrecke, nur 200 Meter nördlich des gesperrten Mainkais. Dorthin verlegt wurde sie, um die oft überfüllte Linie 11 zu entlasten. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) führt die Linie 14 aber auch stets als einzige von der Stadt im Nahverkehrsnetz neu geschaffene Alternative für die Mainkai-Sperrung an. Schließlich setzt man in der Koalition von CDU, SPD und Grünen darauf, dass die Sperrung der Uferstraße Menschen dazu bewegen könnte, aus dem Auto auf andere, sauberere Verkehrsmittel umzusteigen.

Just jene Mainkai-Alternative aber soll von Montag an wegfallen: Die Verkehrsgesellschaft VGF stellt den Betrieb der Straßenbahn 14 in der Altstadt, im Ostend und in Bornheim ersatzlos ein. Nur zwischen Gallus und Hauptbahnhof soll sie noch rollen. Der Grund: In der Bernhard-Grzimek-Allee am Zoo muss die Mainova-Tochter Netzdienste Rhein-Main eine 110-Kilovolt-Hochspannungsleitung dringend erneuern. Der erst kurzfristig entdeckte Schaden liegt genau unter den Tram-Gleisen.

Frankfurt: Straßenbahnlinie 14 sorgt für Diskussionsstoff

Besonders unangenehm für die betroffenen Fahrgäste: Die Bauarbeiten dauern lange - wie lange, ist laut Nora Pullmann, Sprecherin der Nahverkehrsorganisation Traffiq, noch nicht einmal absehbar. Die unangenehme Prognose: "Mehr als einen Monat."

Dennoch räumt Mathias Biemann vom Landesvorstand des Verkehrsclubs VCD ein: "So etwas kann passieren." Verständlich sei, dass die 14 nicht auf der Strecke am Zoo vorbei zum Ernst-May-Platz fahren könne. Dass die Linie auch in der Altstadt ersatzlos entfällt, "ist keine gute Lösung, auch wenn man hier schnell handeln muss", sagt der Fachmann für Frankfurter Verkehrspolitik. "Die Planer sollten dringend prüfen, ob dort nicht ein Alternativangebot möglich ist." Der Akzeptanz der Mainkai-Sperrung erweise die Tram-Streichung einen Bärendienst: "Wenn man ein Alternativ-Angebot schafft und anpreist, sollte man es auch während der Testphase durchhalten", fordert der Experte.

Zumal die "neue" 14 auf der Altstadt-Route inzwischen auch gut angenommen werde: "Wir bekommen viele positive Rückmeldungen", erklärt Mathias Biemann. Er warnt: "Wenn man schon Verkehr verlagern will, sollte man keine zusätzlichen Barrieren einbauen, um die Situation im Mainkai-Umfeld nicht noch zu verschlechtern."

Straßenbahn-Wegfall: "Nicht anders möglich", sagt Frankfurts Verkehrsdezernent

"Wir haben leider keine andere Möglichkeit", als die Linie einzustellen, sagt Klaus Oesterling. Es gebe östlich der Ostendstraße keine in der Nähe liegende, andere Wendemöglichkeit für die Straßenbahn - erst wieder in der Hugo-Junkers-Straße in Fechenheim. Um die 14 bis dort zu fahren, wären mehr Fahrzeuge und Fahrer nötig. Diese habe die VGF nicht.

Die Altstadtstrecke sei auch ohne die Linie 14 die Alternativ-Empfehlung während der Mainkai-Sperrung, unterstreicht Traffiq-Sprecherin Pullmann. "Die Straßenbahnlinien 11 und 12 verkehren dort ja weiterhin". Auch U-Bahnen verkehrten am Dom/Römer und Willy-Brandt-Platz.

Dennoch ist auch Wolfgang Siefert (Grüne), der Vorsitzende des Verkehrsausschusses des Stadtparlaments, unzufrieden mit dem Wegfall der 14. "Eine so weite Rücknahme der Linie" bis zum Hauptbahnhof sei schwer zu vermitteln, sagt er. "Vor allem, wenn das so lange dauert." Besonders im Berufsverkehr sei die entlastende Wirkung der 14 in der Altstadt weiter wichtig.

Sein Vorschlag: Statt nach Bornheim könnte die 14 über die Hanauer Landstraße bis zur Haltestelle Schwedlerstraße fahren. Die Züge könnten dann über das Gelände der VGF-Gleiswerkstatt an den Riederhöfen wenden - was ja schon in anderen Fällen so praktiziert worden sei. Die VGF und Traffiq, fordert Wolfgang Siefert, sollten sich "etwas einfallen lassen".

Das sei geprüft worden, erklärt Nora Pullmann. Die Gleiskapazitäten auf dem Gelände gäben aber "keinen fahrplanmäßigen Betrieb" her. Das bestätigt auch Verkehrsdezernent Oesterling. Er verspricht aber, sich des Themas erneut anzunehmen, wenn er am Montag aus dem Urlaub zurück ist. "Da kann man nochmal schauen."

Von Dennis Pfeiffer-Goldmann

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