Dröhnung aus dem Weltall

Kim Wilde mit neuem Album „Here Come The Aliens“ in der Batschkapp

+
Imagewandel bei Popsängerin Kim Wilde: Die 57-Jährige war in den 1980ern mit Songs wie „Kids In America“ erfolgreich. Jetzt hat sie ein neues Album vorgelegt und tourt durch Europa. Das Konzert am Montag in der Batschkapp war rockiger und lauter als erwartet.

Frankfurt -  Ein Erlebnis mit Außerirdischen hat sie inspiriert: Popsängerin Kim Wilde ist auf Tournee und präsentiert Songs vom neuen Album „Here Come The Aliens“. Auch die 80er-Jahre-Oldies fehlen nicht. Dennoch: Die Fans in der Frankfurter Batschkapp sind etwas verunsichert. Von Thomas Ungeheuer 

Ja, man erschrickt. Die britische Popsängerin Kim Wilde hatte im Jahr 1981 mit dem Song „Kids In Amerika“ ihren ersten Welt-Hit. Aus dieser Zeit scheint auch das Publikum in der ausverkauften Batschkapp zu kommen: Die meisten Fans müssen damals Kinder oder Teenager gewesen sein. Wer zu einer Show von Wilde geht, der hofft auf den Soundtrack seiner Jugend; auf Songs, die Vater Marty und Bruder Ricky geschrieben haben. Am Montagabend tönt aber zunächst neues Material vom aktuellen Album „Here Come The Aliens“ in die Halle – so richtig warm ums Herz wird’s einem da nicht. Erst beim Oldie-Hit „Cambodia“ von 1982 beseelt die erwünschte Nostalgie den Raum.

Die frühen Hitsingles bestechen mit anspruchsvoller Melodieführung und gelungenen, teils originellen Arrangements. Gerade „Cambodia“ ist auch textlich interessant: Das Stück handelt von einem Air-Force-Piloten, der während des Vietnamkriegs nach Kambodscha fliegt und nicht zurückkehrt. Leider kann die Interpretation der neuen Songs den alten nicht das Wasser reichen.

Dennoch ernten Wilde und ihre siebenköpfige Band auch für Songs wie „Birthday“, „Solstice“ und „Cyber Nation War“ ordentlich Applaus. Die Blondine im Lederkostüm kommt ausgesprochen sympathisch rüber und ist in bester Plauderlaune. Die begeisterte Gärtnerin erzählt zum Beispiel, dass sie eines Abends im Jahr 2009 von ihrem Garten aus Außerirdische am Himmel beobachtet habe. Das habe ihr Leben verändert – und sie zu neuen Songs inspiriert, unter ihnen „1969“. Mit einer Spielzeugpistole in der Hand witzelt sie: „Falls Aliens unter uns sein sollten, werde ich euch mit dieser Waffe beschützen.“ Von wegen brave Pop-Prinzessin!

Shantel eröffnet die neue Batschkapp

Wilde hat inzwischen ihr 80er-Revival-Image abgeschüttelt. Es rockt. Der Sound ist extrem bis schmerzhaft laut. Dröhnende Bässe wummern aus den Boxen, darin geht Wildes näselnder Gesang immer wieder unter. Einigen Fans reicht es – sie verlassen die Halle. Schade, denn sie nehmen in Kauf, das Beste zu verpassen: Zum Ende des zweistündigen Konzertabends erklingen, nein, ballern nämlich doch noch Stücke wie „View From A Bridge“, „Chequered Love“, „You Came“ und „Kids In America“ in die Halle. Respekt an die Dagebliebenen für das tapfere Erdulden der brachialen Lautstärke – aber auch Respekt an die Rocklady Wilde für so viel Power und Enthusiasmus.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare