Wahrzeichen bei Brand komplett zerstört

Frankfurter Goetheturm: Originalgetreuer Neuaufbau möglich?

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Der mehr als 80 Jahre alte Goetheturm, erst im Jahr 2014 umfangreich saniert, ist in der Nacht bis zum Boden abgebrannt.

Frankfurt - Der Frankfurter Goetheturm war einer der höchsten hölzernen Aussichtstürme Deutschlands. Jetzt wurde das beliebte Ausflugsziel Raub der Flammen. Möglicherweise treibt ein Feuerteufel in der Stadt sein Unwesen.

Ein traditionelles Frankfurter Wahrzeichen ist vollständig abgebrannt: Der 43 Meter hohe Goetheturm im Stadtwald wurde am frühen Donnerstag Opfer der Flammen. "Der Turm ist eingestürzt und war nicht mehr zu retten", sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Als die ersten der rund 60 Einsatzkräfte gegen 3.20 Uhr an dem 85 Jahre alten Bauwerk im Stadtteil Sachsenhausen eintrafen, stand das weit über die Stadt hinaus beliebte Ausflugsziel bereits lichterloh in Flammen.

Wegen der Gefahr herabstürzender brennender Holzbalken löschte die Feuerwehr den Brand zunächst nicht, sondern sicherte und kühlte die Umgebung. "Die Überreste stehen noch. Wir warten bis alles niedergebrannt ist", sagte Feuerwehrsprecher Thorsten Brückner am frühen Vormittag. "Es deutet alles auf Brandstiftung hin", sagte Polizeisprecherin Isabell Neumann. "In dem Turm ist keinerlei Elektronik verbaut, und es ist auch kein Gewitter in der Nacht über uns hinweggezogen." Sicher sei dies aber noch keineswegs. Die Ermittlungen könnten erst beginnen, nachdem alle Glutnester gelöscht und der Brandherd abgekühlt war.

Bilder vom Feuer am Frankfurter Goetheturm

Möglicherweise ist das Feuer sogar trauriger Höhepunkt einer Brandserie. Bereits im Frühsommer dieses Jahres waren zwei Holzbauten in Frankfurter Parks abgebrannt: In der Nacht zum 1. Mai der Morgentau-Pavillon im Koreanischen Garten und einen Monat später der Wasserpavillon im Chinesischen Garten im Bethmannpark. Die Polizei ermittelt in beiden Fällen wegen Brandstiftung. Konkrete Hinweise auf eine Brandserie gebe es aber nicht, sagte Neumann. "Es ist alles möglich." Anfang Juli gab es ein Feuer im Atzelberg-Turm bei Kelkheim im Taunus. Außer vorsätzlicher sei auch fahrlässige Brandstiftung möglich, hieß es bei der Polizei.

"Der Sachschaden lässt sich nicht beziffern", sagte ein Feuerwehrsprecher über den niedergebrannten Goetheturm. "Der ideelle Schaden ist aber riesengroß." Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) zeigte sich betroffen und forderte einen Wiederaufbau des Wahrzeichens, das für viele Frankfurter eine hohe emotionale Bedeutung hat. Bürger gründeten spontan eine Initiative, um Geld dafür zu sammeln.

Feldmann sagte, er sei sehr wütend und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig sprach von „einem Alptraum“. Ordnungsdezernent Markus Frank versprach, dass es nicht darum gehe, den Turm wieder aufzubauen, sondern nur um das „Wie“. Und da wurde schnell klar, dass die Frankfurter ihren Goetheturm nach einem Wiederaufbau vielleicht nicht mehr wiedererkennen könnten. Baudezernent Jan Schneider: „Wir müssen prüfen, ob ein originalgetreuer Neuaufbau dem Baurecht von 2017 entspricht.“ Denn klar ist: Die 43 Meter hohe Holzkonstruktion mit ihren 196 Stufen aus dem Jahr 1931 war nicht behindertengerecht und würde aus Sicherheitsaspekten heute anders gebaut. Feldmann: „Er sollte möglichst originalgetreu aufgebaut werden. Alles andere wäre den Frankfurter auch nicht zu vermitteln.“ Fakt ist: Ein originalgetreuer Aufbau wäre möglich. Denn erst vor ein paar Jahren wurde der Turm für 500.000 Euro aufwändig saniert. Dabei wurde der Holzturm exakt dokumentiert. Aber allein aus brandschutztechnischen Gründen müssten wohl einige Modifizierungen vorgenommen werden. Markus Frank: „Das Holz des Turms war mit Teeröl durchtränkt. Wenn dieses Öl eine gewisse Temperatur erreicht hat, brennt es wie eine Fackel.“

Das Areal um den abgebrannten Goetheturm werde wegen der Ermittlungen noch zwei, drei Tage gesperrt bleiben, hieß es im Umweltdezernat. Danach könnten der Spielplatz und das Café wieder genutzt werden. Am Donnerstag wurden noch Glutnester gelöscht. "Zum Glück ist nicht Hochsommer", sagte Feuerwehrsprecher Brückner. Durch Funkenflug auf trockenen Waldboden hätte das Feuer sonst einen noch erheblicheren Schaden anrichten können.

Der Holzbau im Stadtteil Sachsenhausen zählte nach Angaben der Stadt Frankfurt zu den höchsten hölzernen Aussichtstürmen Deutschlands. Errichtet wurde er 1931 mit Blick auf den 100. Todestag von Johann Wolfgang von Goethe und das Goethe-Jahr 1932. Im März 2014 war der dunkle Turm mit den 196 Stufen nach einer umfassenden Sanierung feierlich wieder eröffnet worden. Diese hatte fast ein Jahr gedauert und rund 530.000 Euro gekostet. (dpa/agk)

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