Frankfurter „Konzert für eine offene Kultur“

Internationalität bereichert

Frankfurt - Immer montags demonstriert Pegida in Dresden. An jedem dieser Abende wehrt sich die Semperoper dagegen, zur Kulisse für die rechtspopulistischen Kundgebungen vor ihren Türen zu werden. Die anderen großen deutschsprachigen Opernhäuser üben Solidarität. Von Axel Zibulski 

Ein erstes „Konzert gegen Fremdenhass“ fand im Februar in der Semperoper statt, mit internationalen Gesangssolisten, die von den Mitgliedern der „Deutschsprachigen Opernkonferenz“ dorthin entsandt wurden. Die Oper Frankfurt gehört diesem Bühnenverbund an, ihr Intendant Bernd Loebe ist dessen Vorsitzender. In seinem Haus fand nun ein weiteres „Konzert für eine offene Kultur“ statt, mit Solisten aus Opernhäusern zwischen Wien und Berlin, Zürich und Hamburg.

Die Zuschauerreihen waren noch ein wenig internationaler zusammengesetzt, als es in Frankfurt ohnehin der Fall ist. Denn Flüchtlinge waren ganz ausdrücklich eingeladen zu dieser Matinee mit dem Opern- und Museumsorchester, dem Schauspieler Michael Mendl sowie 15 Vokalsolisten. Andreas Bauer von der Oper Frankfurt beschwor eingangs mit der „Hallen“-Arie aus Mozarts „Zauberflöte“ musikalisch den Ort, „wo Mensch den Menschen liebt“. Und der US-Amerikaner Jonathan Michie von der Oper Leipzig richtete mit der Papageno-Arie „Der Vogelfänger bin ich ja“ den Blick auf eine wohlbekannte Nummer der Operngeschichte. Sie verstärkten, wie das „Figaro, Figaro“ des in Rossinis „Barbier von Sevilla“ auftretenden Haarkünstlers und Strippenziehers (Björn Bürger), die Identifikation mit der Musik als internationaler Sprache.

Dass Internationalität Reichtum bedeutet, wissen Opernfreunde. Eine Selbstverständlichkeit, die diese Matinee jenen Besuchern bestens demonstrierte, die beim Einheitspreis von 10 Euro vielleicht erstmals ins Haus gekommen waren. Sei es der aus Südafrika stammende Tenor Levy Sekgapane von der Semperoper Dresden, der mit einer Arie aus Rossinis „Italienerin in Algier“ in blendender Höhe nach den Sternen griff, sei es die Polin Adriana Ferfezka von der Deutschen Oper Berlin, die in einer Kavatine aus Donizettis „Don Pasquale“ geschmeidig für sich einnahm: Alle Sänger, meist am Anfang ihrer Bühnenkarriere, überzeugten vor dem aufmerksam begleitenden Frankfurter Opern- und Museumsorchester unter Constantinos Carydis in der ersten und Sebastian Weigle in der zweiten Konzerthälfte. Michael Mendl las Franz Werfel, Lessings „Ringparabel“ und einen Text, ja Appell des palästinensischen Lyrikers Hakam Abd al-Hadi: „… Denk an den Anderen!“. Die Matineebesucher taten das auch ganz direkt mit Spenden. 5 315 Euro kamen für den in der Flüchtlingsarbeit engagierten Verein „Teachers on the Road“ zusammen.

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