Originalgetreuer Wiederaufbau

Goldglanz und Fachwerk: Frankfurts neue Altstadt ist eröffnet

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Die ersten Besucher gehen durch die Gassen der neu eröffneten Altstadt.

Frankfurt - Teuer und kontrovers, aber für den Oberbürgermeister mittlerweile eine Herzensangelegenheit: Die Bauzäune um die "neue" Frankfurter Altstadt sind gefallen. Gelegenheit für einen ersten Blick zwischen Fachwerk und Moderne.

Die goldene Amtskette des Oberbürgermeisters funkelt mit dem "goldenen Lämmchen" an einem der Gebäude der "neuen" Frankfurter Altstadt um die Wette. Auch Römer-Hausherr Peter Feldmann (SPD) strahlt bei der Eröffnung am heutigen Mittwoch nach mehrjähriger Bauzeit. Die Bauzäune sind gefallen und die 1945 zerstörte Altstadt ist auferstanden - aus den schon lange nicht mehr sichtbaren Ruinen des Zweiten Weltkriegs und den nun ebenfalls getilgten Bausünden der 70-er Jahre. Das "Technische Rathaus" aus Sichtbeton musste 15 Rekonstruktionen und 20 Neubauten auf der rund sieben Hektar großen Fläche weichen.

"Wir geben mit der Altstadt der Stadt Herz und Seele zurück", sagte Feldmann nach der Entfernung der Bauzäune zwischen Römerberg und Kaiserdom. Er ist sicher: "Die Menschen haben Sehnsucht nach der Frankfurter Altstadt. Sie ist ein Bedürfnis unserer Stadt." Zugleich symbolisiere die Altstadt auch jenen Teil des Frankfurter Erbes, das der Oberbürgermeister immer wieder gerne betont: Weltoffenheit, Toleranz und Vielfalt. Denn eines der berühmtesten Gebäude der neuen Altstadt, das original rekonstruierte Renaissancegebäude "Goldene Waage", gehörte einst einem Glaubensflüchtling aus Toledo, der es in Frankfurt zu Wohlstand brachte - gewissermaßen ein Musterbeispiel gelungener Integration.

Kritikern war allerdings schon in der Vergangenheit eine als künstlich empfundene Idylle ein Dorn im Auge. Heile Welt als Kontrast zur Skyline der Bankentürme der Mainmetropole, ein Fluchtpunkt für Fachwerkromantiker und ein Hauch von Disneyland für Touristen vor allem aus Asien, die in den Sommermonaten bereits jetzt in dicht gedrängten Gruppen die Fassade des Frankfurter Römers ins Visier ihrer Kameras und Smartphones nehmen? Ein japanisches Paar, das mit gezückter Kamera durch die engen Gassen und den einstigen Krönungsweg spaziert und vom Hühnermarkt aus den neuen Ausblick genießt, ist jedenfalls angetan. "Schade, dass nicht alle Häuser so schön verschnörkelt sind", bedauert die Frau allerdings.

Der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef (SPD) sieht in der nun abgeschlossenen Neugestaltung der Altstadt "ein Stück Stadtreparatur, das für die Frankfurter betrieben wurde und nicht nur für Touristen." Dass sich historische Rekonstruktionen mit Neubauten mischen, entspreche letztlich auch dem gesamten Stadtbild mit seiner städtebaulichen Vielfalt, versichert er.

Bilder: Neue Altstadt in Frankfurt

Anton Schick, der in traditioneller Zimmermannskluft die Fassaden und Dächer betrachtet, hat ein ganz besonderes Verhältnis zur neuen Altstadt: Sein Bauunternehmen gehörte zu den Firmen, die hier auch mit teilweise historischem Material die Altstadthäuser rekonstruierten. "Die Logistik kam aus der Gegenwart, aber handwerklich musste teilweise Althergebrachtes wieder hervorgezaubert werden", sagt der Mann im weißen Hemd und schwarzer Weste, den Schlapphut bei fast sommerlichen Temperaturen unter dem Arm. "Das war handwerklich ebenso schwierig wie reizvoll."

Etwa 160 Menschen werden künftig in dem Areal leben. Die ehemalige Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) hat ebenfalls eine kleine Wohnung in der "neuen" Altstadt erworben, in der sie aber nicht wohnen wird. Die neuen Mieter und Eigentümer, die in den kommenden Tagen Umzugskartons durch die engen Gassen schleppen können, werden wohl mit reichlich Publikumsverkehr unter ihren Fenstern leben müssen. Am Mittwoch jedenfalls lassen sich schon reichlich Neugierige blicken. "Das ist ja wie in der Zone beim Mauerfall", kommentiert ein älterer Mann das Treiben nach dem Abbau der Bauzäune. Damit die neuen Einwohner sich erst mal halbwegs in Ruhe einleben können, dauert es bis zum offiziellen Eröffnungsfest noch bis Ende September. Dann allerdings soll drei Tage lang gefeiert werden. (dpa)

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